2. Wie der Stern erschien

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Gustav Schwab: 2. Wie der Stern erschien (1821)

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So gingen Viele zu den Sternen,
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Die sahen den verheißnen nicht,
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Und andre stiegen auf, zu lernen,
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Von wannen schiene doch sein Licht.
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Und diese schieden auch im Glauben
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Und starben hin in Hoffnungslust,
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Kein Zweifel kam, den Stern zu rauben,
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In die erhellte Heidenbrust.

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Und Zwölfe blieben's ihrer immer,
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Sie harrten aus im Glanz der Nacht,
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Sie schliefen bei des Tages Schimmer,
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Von stern'gen Träumen angelacht.
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Noch lagen sie, in die Gewande
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Gehüllt, in Abends erstem Duft,
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Da weckte sie ein Glanz am Rande,
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Wo sich berühren Erd' und Luft.

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Die Blicke glühn, die Herzen schwellen,
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Denn, einer Morgenröte gleich,
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Sehn sie den Osten sich erhellen,
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Und alle Sterne werden bleich;
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Es steigt, es steigt – es ist die Sonne,
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Zu nennen ist ein Stern es nicht,
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Getrunken hat er aus dem Bronne
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Des ew'gen Lichtes selbst sein Licht.

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Er sendet lange, goldne Stralen,
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Nicht, wie die andern Sterne thun,
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Die heute matt in ihrem fahlen,
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Verschwommnen, armen Glanze ruhn.
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In ganzen Strömen gießt er nieder,
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Das Licht, das seinem Kern entstammt,
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Als schlüg' ein Adler sein Gefieder,
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So wallt sein Stral, und fleugt und flammt.

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Die Zwölfe sandten Zeichentöne
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Ins nebeleingehüllte Land,
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Dieweil der Stern in seiner Schöne,
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Den Berg verklärend, stille stand.
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Er stand und wich nicht mit dem Dunkel,
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Er spielte mit dem Morgenthau;
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Die Sonne kam, es drang sein Funkel
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Unausgelöscht hinab zur Au'.

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Da ward ein Jubel und ein Schrecken,
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Als man gewahrte Berg und Thal
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Mit zweier Sonnen Schein sich decken,
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Und Alles glühn im Doppelstral.
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Es war, als ob mit Zungen sängen
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Die Lichter hell einander an,
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Es war, als spräch's in tausend Klängen:
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Geht, euren König zu empfahn!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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