1. Wie auf einen Berg im Morgenlande zwölf Sternseher gesetzt wurden

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gustav Schwab: 1. Wie auf einen Berg im Morgenlande zwölf Sternseher gesetzt wurden (1821)

1
Umströmt von seiner Kräuter Düften
2
Und überwallt von edlem Holz,
3
Der höchste, steigt aus blauen Lüften
4
Ein Berg, des Morgenlandes Stolz;
5
Steil ist der Pfad und lang die Reise,
6
Doch oben herrlich Tag und Nacht;
7
Auf seinem Gipfel stehn zwölf Greise
8
Und schauen in des Himmels Pracht.

9
Sie hüllen sich in die Gewande
10
Und schlummern über jeden Tag,
11
Der unter ihnen auf die Lande
12
Umsonst sein Licht verbreiten mag.
13
Sie lassen sich vom Nachthauch wecken,
14
Der durch der Bäume Wipfel fährt;
15
Den Sternen, die den Himmel decken,
16
Ist dann ihr Auge zugekehrt.

17
Mit allen Wunderzeichen schimmert
18
Das Buch des Himmels aufgerollt;
19
Was unten nur wie Silber flimmert,
20
Das leuchtet hier wie reines Gold.
21
Ward in den Sternen je gelesen
22
Der irdischen Geschicke Pfand,
23
So ist es dieser Berg gewesen,
24
Auf dem der Seher Gottes stand.

25
Auch diese stehen zu erkunden
26
In dem Gestirn des Himmels Rat,
27
Doch haben sie noch nicht gefunden
28
Ihr Saatkorn in der reichen Saat:
29
Den Stern, der herrlich, überschwenglich,
30
Vor allen andern stralenvoll,
31
Ein Licht, ein Feuer unvergänglich
32
Den blinden Heiden zünden soll;

33
Den Stern, den
34
Der einem König stralen wird,
35
Der einst die ganze Welt entsündigt
36
Und herrschen soll, der Völker Hirt.
37
So lautete der Spruch des Weisen
38
An das erstaunte Morgenland;
39
Das rief den himmelskund'gen Greisen
40
Zu wachen auf des Berges Rand.

41
Die Hoffnung kürzt des Weges Ferne,
42
Sie ebnet rings den steilen Pfad,
43
Erhellt die alten Augensterne,
44
Macht den gebeugten Nacken grad'.
45
Und ist im Tod ihr Blick zerronnen,
46
Den langes Forschen aufwärts zog,
47
So wecken ihn die tausend Sonnen,
48
Zu denen seine Sehnsucht flog.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.