Der Gott der Jugend

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Friedrich Hölderlin: Der Gott der Jugend (1826)

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Gehn Dir im Dämmerlichte,
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Wenn in der Sommernacht
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Für selige Gesichte
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Dein liebend Auge wacht,
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Noch oft der Freunde Manen
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Und, wie der Sterne Chor,
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Die Geister der Titanen
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Des Alterthums empor:

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Wird da, wo sich im Schönen,
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Das Göttliche verhüllt,
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Noch oft das tiefe Sehnen
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Der Liebe Dir gestillt;
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Belohnt des Herzens Mühen
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Der Ruhe Vorgefühl,
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Und tönt von Melodieen
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Der Seele Saitenspiel:

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So such' im stillsten Thale
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Den blüthenreichsten Hain
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Und gieß' aus goldner Schale
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Den frohen Opferwein!
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Noch lächelt unveraltet
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Des Herzens Frühling Dir,
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Der Gott der Jugend waltet
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Noch über Dir und mir.

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Wie unter Tiburs Bäumen,
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Wenn da der Dichter saß,
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Und unter Götterträumen
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Der Jahre Flucht vergaß,
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Wenn ihn die Ulme kühlte,
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Und wenn sie stolz und froh
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Um Silberblüthen spielte,
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Die Flut des Anio;

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Und wie um Platons Hallen,
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Wenn durch der Haine Grün,
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Begrüßt von Nachtigallen,
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Der Stern der Liebe schien,
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Wenn alle Lüfte schliefen,
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Und, sanft bewegt vom Schwan,
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Cephisus durch Oliven
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Und Myrthensträuche rann:

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So schön ist's noch hienieden!
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Auch unser Herz erfuhr
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Das Leben und den Frieden
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Der freundlichen Natur;
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Noch blüht des Himmels Schöne,
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Noch mischen brüderlich
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In unsers Herzens Töne
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Des Frühlings Laute sich.

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Drum such' im stillsten Thale
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Den düftereichsten Hain,
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Und gieß' aus goldner Schale
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Den frohen Opferwein!
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Noch lächelt unveraltet
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Das Bild der Erde dir,
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Der Gott der Jugend waltet
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Noch über dir und mir.

(Hölderlin, Friedrich: Gedichte. Stuttgart u. a., 1826.Aus: Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Textgrid, CC BY-SA 3.0.)

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Friedrich Hölderlin
(17701843)

* 20.03.1770 in Lauffen am Neckar, † 07.06.1843 in Tübingen

männlich, geb. Q114498136

deutscher Lyriker (1770-1843)

(Aus: Wikidata.org)

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