Ein Ritter ist der Herr von Sax

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Gustav Schwab: Ein Ritter ist der Herr von Sax Titel entspricht 1. Vers(1821)

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Ein Ritter ist der Herr von Sax,
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Der reichste Mann am Rheine,
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Er angelt in dem See den Lachs
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Und jagt den Hirsch im Haine;
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Er reitet an der eignen Saat
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Vorüber meilenlang den Pfad
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Und preßt die wärmsten Weine.

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Warum hat er mit Mühe doch
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Ein Fräulein heimgeführet?
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Ist nicht sein Wuchs so schlank und hoch,
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Wie's einem Mann gebühret,
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Die Wange braun, die Lippe warm,
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Die Brust gewölbt und stark der Arm,
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Wie's gern ein Mägdlein küret?

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An Leib und Seel' ihm nichts gebricht,
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Er wär' ein stolzer Degen,
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Hätt' er zu viel nur Eines nicht,
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Zu viel, das ist kein Segen:
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Ach, an dem wohlgestalten Kopf
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Des edlen Ritters hing – ein Kropf,
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Der blieb' wohl unterwegen!

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Doch leider mit ihm wandelt er
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Zu Hof und in die Städte,
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Macht ihm die Liebesseufzer schwer,
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Und steigt mit ihm zu Bette,
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Er zieht ihn auf den Boden schier
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Und drückt beim festlichen Turnier
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Als Spange mehr und Kette.

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Da kreuzten wohl die Fräulein sich,
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So gut den Speer er führte,
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Bis endlich eine, tugendlich
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Und arm, ein Mitleid spürte,
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Dem Ritter that es selber leid,
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Als ihm den Hals die schöne Maid
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Noch vor dem Mund berührte.

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Er zieht mit ihr in's hohe Schloß
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Im Forst auf Felsengrunde;
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Dort zeiget ihr der Ehgenoß
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Die Güter in der Runde;
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Sie lebt in Freud' und Ueberfluß,
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Drum trägt sie gern den Ueberschuß
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An ihres Herren Schlunde.

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Und schöne Kinder lächeln ihr,
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Dem Ritter gleich gestaltet,
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Nur daß der Köpfe schmucke Zier
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Auf schlanken Hälsen waltet,
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Doch, nimmt der Vater sie auf's Knie,
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Den schweren Athem fürchten sie,
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Daß er die Stirne faltet.

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Ein solcher Kropf verträgt sich fast
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Nicht mit der Vaterwürde,
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Drum wird das Leben ihm zur Last,
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Wie seines Halses Bürde;
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Er athmet, wie er pflegte, tief,
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Und zog, als ihm die Fehde rief,
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Fern aus von Hof und Hürde.

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Was soll ich länger Weib und Kind
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Mit meinem Anblick plagen?
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Drum in den wilden Kampf geschwind,
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Sie mögen mich erschlagen!
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Er spricht's und aus dem dichten Wald
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Bricht schon der Feinde Hinterhalt,
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Eh' es begann zu tagen.

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Er ficht umringt von seinem Troß,
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Er sieget wider Willen,
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Der wilde Gegner schwenkt sein Roß,
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Und möchte fliehn im Stillen:
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Allein dem Freiherrn däucht's nicht gut,
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Ihn dürstet nach dem eignen Blut,
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Er will sein Loos erfüllen!

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Darum erjagt er auf der Flucht
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Den Führer in der Oede.
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Steh! schreit er, und der Hiebe Wucht
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Begleiten seine Rede;
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Da hieß es ehrlich: nimm und gieb!
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Nach manchem Wechselstoß und Hieb
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Zu Boden fielen Beide;

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Von seinem Beigewicht Herr Sax,
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Der Andre von dem Streiche,
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Doch schwinget seinen Speer da stracks
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Der wunde, todesbleiche:
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Er traf den Freiherrn in den Hals,
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Er freuet sich noch seines Falls,
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Reckt sich und liegt als Leiche.

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Und überströmt von seinem Blut
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Lag auch der edle Ritter;
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Leicht ist sein Athem und sein Mut,
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Ihm dünkt der Tod nicht bitter,
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Still grüßt er Weib und Kinder klein,
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Er schläft zu sanftem Schlummer ein,
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Wie nach der Ernt' ein Schnitter!

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Doch wacht er wieder auf vom Schlaf
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In eines Bauren Hütte,
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Gebettet und gepfleget brav,
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In seiner Knappen Mitte,
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Gesund vom Fuß bis an den Kopf,
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Nichts fehlt dem Ritter als – der
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Dank jenem Meisterschnitte!

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O Zeichen, das an ihm geschehn,
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Ihn hat der Feind kuriret!
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Wie stattlich ist er anzusehn,
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Wie jetzt ihn alles zieret:
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Das hohe Haupt, das braune Haar,
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Das freie Kinn, das Schulternpaar,
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Der Hals, ganz schmal geschnüret!

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So reitet er zum Felsenhaus,
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Das aus dem Walde blinket;
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Zum Fenster schaut die Frau heraus,
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Er grüßt, er nickt, er winket:
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Sie sieht die herrliche Gestalt,
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Die Brust von einem Seufzer wallt,
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Ihr Blick zu Boden sinket.

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»ein Bot' ist's wohl von meinem Herrn,
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Er bringt mir Siegeskunde!
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Solch einen Boten schau' ich gern!«
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Denkt sie im Herzensgrunde.
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O Wunderwonne! wer in Lust
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Drückt stolz und schön sie an die Brust,
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Hängt ihr verjüngt am Munde?

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Die Kinder strecken nach ihm aus,
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Dem schönen Mann, die Hände,
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Und Jubel hallt durch's ganze Haus,
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Durchdröhnt die Felsenwände.
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Sein Stamm, der blühte reich belaubt,
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Hoch trug der edle Sax das Haupt
126
Bis an sein selig Ende.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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