Graf Gero von Montfort

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Gustav Schwab: Graf Gero von Montfort (1821)

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Von Montfort war's der greife Graf,
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Gesättiget vom Leben,
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Der sah den blauen See im Schlaf,
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Und stille Kähne schweben,
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Auf Wasser, Erd' und Himmel Ruh;
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Da flog sein Herz dem Frieden zu.

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Und als vom Traum er aufgewacht,
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Da ruft er seine Knechte,
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Hat sie belobt und gut bedacht,
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Nimmt Abschied vom Geschlechte,
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Verläßt die Herrschaft und das Schloß
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Und zieht zum fernen Strand zu Roß.

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Wie nun er an das Ufer trabt,
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Hört guten Wind er sausen,
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Und trifft am Strand den frommen Abt
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Vom heil'gen Petershausen,
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Dazu ein Schiff, die Segel voll;
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O wie sein Herz von Sehnsucht schwoll!

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Sankt Peters Haus, die stille Statt,
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Von Wellen leis bespület,
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Sein Geist sich ausersehen hat,
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Vom Ird'schen abgekühlet;
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Dort will er dienen Gott dem Herrn,
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Von Lust und Pracht der Erde fern.

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Den Abt erquickt der heil'ge Sinn,
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Er hebt in's Schiff den Grafen;
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Wohl bringt dem Kloster das Gewinn,
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Sie stoßen ab vom Hafen,
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Schon schwimmt das Schiff auf blauer Flut,
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Wie wird dem Greise da zu Mut!

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Er spricht gerührt: »O fühltet Ihr,
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Herr Abt, was ich empfinde!
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Es blickt das Wasser auf zu mir,
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Wie Mutter nach dem Kinde!
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Denn wißt, bei jenes Hornes
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Geboren ward ich einst im Schiff.

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Und wenn ich in dem Nachen bin,
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So sanft geschaukelt liege,
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Wird mir wie einem Kind zu Sinn,
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Ich ruh' in meiner Wiege,
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Die Mutter lispelt in mein Ohr
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Und singt ein Schlummerlied mir vor.«

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Derweil sie segeln frisch nach vorn;
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Da übermannt's den Grafen,
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Sie sind nicht ferne mehr vom Horn,
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So hebt er an zu schlafen,
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Und bei der Ruder gleichem Schlag
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Er schlummernd auf dem Schiffe lag.

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Und wie das Schiff vorüber zieht,
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Dort, wo er ward geboren,
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Da tönt das süße Wiegenlied
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So hell in seinen Ohren;
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Er schlug die Augen auf und rief:
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»o Mutter, wie so tief ich schlief!«

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Er schloß die Augen wieder zu,
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Noch tiefer fort zu schlafen.
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Steh Nachen still, nicht eile du!
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Dein Gast ist schon im Hafen;
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Der Abt zu seinen Füßen kniet,
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Ihn mit dem letzten Trost versieht.

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Bringt ihn zum heil'gen Haus hinab,
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Legt in den Chor den Frommen:
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Dort rauscht die Flut, die einst ihn gab,
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Und die ihn jetzt entnommen;
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Im süßen Frieden, frei von Harm,
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Ruht er der Welle dort im Arm.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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