Wo vom Berg die Felsen rollen

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Gustav Schwab: Wo vom Berg die Felsen rollen Titel entspricht 1. Vers(1821)

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Wo vom Berg die Felsen rollen,
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Wo kein Wasser friedlich fließt,
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Nur im Sturze sich ergießt,
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Wo die langen Donner grollen;
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Dort in Rhätiens finstern Gründen,
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Wo sich die Natur bekriegt,
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Wald und Sturm im Kampfe liegt,
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Kann der Mensch nicht Ruhe finden.
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Feindschaft zeugt in seiner Seele
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Dort der Elemente Streit,
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Und die Fürsten sind entzweit
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Um den Sitz in Hain und Höhle.
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Seine finstern Thäler neidet
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Rudpert drum dem Adalbert;
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Jeder greifet nach dem Schwert,
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Ob sie schon der Waldstrom scheidet.
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An der überspritzten Klippe
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Kämpfen sie im Wasserschaum,
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Kämpfen, wo für zween ist Raum
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Auf der wald'gen Felsenrippe.
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Dann im Anger und im Thale
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Jeder mit ergrimmtem Troß,
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Jeder auf dem wild'sten Roß;
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Lang erhitzt sich Stahl am Stahle.
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Beider Mut ist stets der gleiche,
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Beider Sehne gleich gestählt,
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Beide gleicher Haß beseelt,
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Keiner weicht dem letzten Streiche.
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Bis die Herrscherin der Gegend
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In den Streit sich mischt, Natur,
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Irre macht der Rosse Spur,
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Felsen in die Wege legend.
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Rudpert schwanket auf dem Pferde,
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Und es bäumet sich das Thier,
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Und mit zornigem Gewieh'r
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Schleudert es den Herrn zur Erde.
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Und man hört die Wasser toben,
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Weil es stille ward vom Kampf,
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Nur im grauen Nebeldampf
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Kämpft der Wind im Walde droben.
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Auf des Feindes Angesichte
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Kehrt mit Frieden ein der Tod,
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Wischet ab des Zornes Rot,
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Ueberzieht's mit blassem Lichte.
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Und es nahet sich der Leiche
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Abgestiegen von dem Pferd
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Auch der Kämpfer Adalbert,
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Schaut in's Antlitz ihm, in's bleiche.
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Lauter bei des Grabes Stille
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Schlägt lebend'ges Menschenherz,
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Groll und Zorn flieht niederwärts,
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Und die Brust bewegt der Wille.
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Jetzt erbarmt ihn erst der Schöne,
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Die das Schicksal für ihn schlug,
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O wie holde Züge trug
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Dieser Jüngling, wert der Thräne!
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Und er hat den Feind umfangen,
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Wie den Bruder seiner Wahl: –
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Da zuerst durchs wilde Thal
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Ist des Friedens Geist gegangen.
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Und die Sonne dringet nieder
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Durch der Nebel alte Nacht,
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Daß der grünen Wildniß Pracht,
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Fels und Strom, von Licht glänzt wieder.
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Wie den Sieger, auf der Bahre,
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Führet den gefallnen Feind
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Adalbert durchs Thal und weint,
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Als um eines Freundes Jahre.
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In die eigne Gruft gebettet
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Legt er ihn nach Kampf und Not;
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Lieb' und Freundschaft aus dem Tod
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Hat er endlich sich gerettet.
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Sei Natur im Kampf geschieden,
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Krieg der blinden Kräfte Ruhm:
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Als sein heilig Eigentum
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Pflege doch der Mensch den Frieden!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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