Die Böhmenkönigin in Schwaben

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Gustav Schwab: Die Böhmenkönigin in Schwaben (1821)

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O Böhmenland mit Bergen stolz
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Mit dunklem Holz,
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Mit süßen frischen Quellen!
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Was hörest du für frommen Schall
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Im Widerhall
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Aus deinen Thälern schwellen?
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Wer singt so schlicht
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Vom Glaubenslicht?
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Wer wiegt so fein
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Den Kummer ein
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Auf sanften Liedeswellen?

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Maria, deine Königin,
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Erneut im Sinn,
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Die hat so hell gesungen,
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Durch Ungarn und durch Böhmen ist
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Von Jesus Christ
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Ihr heilig Lied gedrungen;
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Wohl durch das Schloß,
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Wohl durch den Troß,
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Bis in den Saal
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Zum Ehgemahl
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Hat es sich frei geschwungen.

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Herr Ludwig steht im Eisenkleid,
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Macht sich bereit,
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Will mit dem Türken ringen.
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Er spricht ergrimmt: »Wer darf so frei
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Von Ketzerei
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An meinem Hofe singen?
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Auf Riesen wag'
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Ich jetzt den Schlag;
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Da kommt der Zwerg
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Von Wittenberg,
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Legt meinem Weibe Schlingen!

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Drum wandre, Frau, aus meinem Haus
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Zur Fern' hinaus,
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Laß dich nicht Fürstin nennen!
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Leg' ab dein würdig Königskleid,
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Laß das Geschmeid
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Von deinem Halse trennen!
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Fleuch meinen Grimm,
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Die Harfe nimm,
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Ja sing' dich fort
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Von Ort zu Ort,
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Ich mag dich nicht mehr kennen!«

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Sie schaut ihn an voll Lieb' und Treu',
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Doch ohne Reu';
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Sie thut, wie er befohlen.
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Durch Berg und Thal, ihr wohlbekannt,
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Im Böhmerland
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Sie wandelt fort verstohlen;
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Ein Schloß bald lauscht,
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Ein Quell bald rauscht;
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In's Saitenspiel
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Sie endlich fiel,
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Da sang sie unverhohlen:

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»richt', wie ich woll', ich jetzt mein Sach,
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(weil ich bin schwach,
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Und Gott mich Furcht läßt finden)
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So weiß ich, daß kein' G'walt bleibt fest;
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Ist's allerbest', –
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Das Zeitlich' muß verschwinden.
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Das ew'ge Gut
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Macht rechten Mut,
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Dabei ich bleib',
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Wag' Gut und Leib;
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Gott helf' mir's überwinden!«

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Und wo die Elb' im Grunde tost,
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Trat sie getrost
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Hervor in fremde Lande;
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Die fromme, schöne Harfnerin,
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Sie ziehet hin
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Im ärmlichen Gewande;
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Hoch ist ihr Mut,
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Grüßt Sachsen gut,
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Wo schon das Licht
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Durch Wolken bricht;
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Da wird ihr leicht die Schande.

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Doch sehnt sie sich in's Ferne weit,
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Zur Einsamkeit
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In tiefen Thalgewinden.
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Wann birgt sie wieder Felsenwand?
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O Böhmenland,
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Wo wird sie neu dich finden?
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O Brunn, o Wald,
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Vom Lied durchhallt!
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O Berges Schutz,
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Du Menschentrutz!
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Sie sah euch all' verschwinden!

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So wallet sie durch's ebne Land
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Im flachen Sand,
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Bis sie zur Stätt' ist kommen,
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Wo schöne Hügel, rund und grün,
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Drauf Reben blühn,
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Sie wieder aufgenommen.
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Doch weilt sie nicht;
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Im Abendlicht
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Steigt wie ein Traum
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Ein Bergessaum,
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Dort ruft das Ziel der Frommen.

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Das ist die theure Schwabenalb,
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Die allenthalb
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Blau nach der Ebne winket,
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Wo man auf Haiden hoch und kühl
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Fern vom Gewühl
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Die reinen Lüfte trinket,
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Wo Blütenduft
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Zu Thale ruft:
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Man wandert schnell,
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Bis man am Quell
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In Waldesschatten sinket.

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Und als sie durch der Thäler Pfad
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In Wälder trat,
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Aus denen Felsen stiegen,
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Und als sie auf den Spitzen rings
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Sah rechts und links
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Die alten Burgen liegen,
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Da sang sie hell
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An einem Quell,
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Da flog der Hall
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Vom Bergeswall,
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Wie Engelsstimmen fliegen:

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»ich habe dich mein Böhmenland!
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Von Gott gesandt,
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Willst du mich hier umschließen.
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Es steigt dein Berg, es schießt in's Thal
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Dein Wasserstral,
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Und deine Wälder sprießen!
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Auch Gottes Licht
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Ist ferne nicht!
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Es rauscht, es muß
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Des Heiles Fluß
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Bald durch dies Land sich gießen!«

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Vom Berge grüßet alt und grau
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Ein Schloß
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Zerrissen, ausgestorben.
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Dort zieht die fremde Herrin ein,
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Ein Kämmerlein
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Hat sie sich bald erworben;
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Sie singt voll Ruh
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Den Trümmern zu:
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»kein G'walt bleibt fest,
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Sei's allerbest',
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Das Zeitlich' ist verdorben!«

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Sie wallt an jedem Tag den Weg,
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Den Felsensteg,
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In's tiefe Dorf hernieder,
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Ein Heilbrunn, wie im Vaterland,
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Quillt aus dem Sand,
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Und labt die müden Glieder;
150
Im Kirchlein steht
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Sie oft und fleht
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Für den Gemahl
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Um Gottes Stral;
154
Sie singt viel Sehnsuchtslieder.

155
So lebet sie von Jahr zu Jahr;
156
Selbst arm, sie war
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Der Armen Trost und Segen.
158
Da tönt im Dorf ihr einst von Krieg,
159
Von Türkensieg
160
Verworrne Klag' entgegen.
161
»o Frau, so fromm!
162
Komm, bete, komm!
163
In Ungarn ist
164
Der Widerchrist!
165
Ein König ist erlegen!

166
Es liegt des Königs Ludwig Rumpf
167
Versenkt im Sumpf,
168
Sein Haupt ist abgeschlagen!«
169
Die Fürstin starrt, es bricht in Schmerz
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Das treue Herz,
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Sie kann nicht weiter fragen.
172
Die Harfe schweigt,
173
Ihr Haupt sich neigt,
174
Sie sinket um
175
Verbleicht und stumm,
176
Wird tot hinweggetragen.

177
Ihr eignes Lied, das sangen leis,
178
Zu Gottes Preis,
179
Viel Mägdlein fromm und Knaben:
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Da ward sie, wie im Vaterland,
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Am Bergesrand
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Beim kühlen Quell begraben,
183
Ihr Lob erschallt
184
Durch Thal und Wald,
185
Sie harrt des Herrn
186
Sie ruhet gern,
187
Die fremde Frau, in Schwaben. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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