Der Bau des Reissensteins

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Gustav Schwab: Der Bau des Reissensteins (1821)

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Droben von dem Berge hoch
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Schaut herab das Felsenloch,
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Drin aus seiner langen Nacht
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Ist der Riese Heim erwacht.

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Streckt das zott'ge Haupt hervor,
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Luget durch sein schwarzes Thor;
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Ihm gefällt das tiefe Thal,
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Der gewölbte Riesensaal.

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Und er sehnt sich nach dem Licht,
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Weilt in seinem Steine nicht;
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Bald mit einem Schritt er stand
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Auf der andern Felsenwand.

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Wie am Berg der Donner grollt,
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So sein Wort zu Thale rollt:
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»zwerglein! menschliches Geschlecht,
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Diene mir beim Bau als Knecht!«

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Wimmelnd kommen sie heran,
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Maurer, Steinmetz, Zimmermann;
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Bauen all' auf sein Geheiß
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In des Angesichtes Schweiß.

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Fertig steht der Riesenstein,
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Wurzelt in dem Felsen ein,
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Wölbt den Saal zu Lust und Ruh,
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Streckt den Thurm dem Himmel zu.

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An dem höchsten Fensterloch
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Fehlt ein einz'ger Nagel noch,
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Und der Schlosser zagend spricht:
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»da hinaus gelang' ich nicht!

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Schad' ist's doch um das Gebäu,
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Denn es steht so frank und frei,
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Wenn der Wandrer es beschaut,
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Spricht: Es ist nicht ausgebaut.«

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Doch der Ries' im Augenblick
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Nimmt den Knecht bei dem Genick,
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Streckt zum Fenster den hinaus,
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Daß es Allen ist ein Graus.

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»hämmre! meine Hand ist fest,
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Daß sie dich nicht sinken läßt!
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Schlag den Nagel in den Stein
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Zwischen Erd' und Himmel ein!«

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Draußen hängt er so mit Schreck,
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Doch er wagts und hämmert keck,
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Nieder läßt der Heim ihn sacht:
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»zwerg du hast es wohl gemacht!«

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Schreitet aus dem hohen Saal
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Mächtig über Berg und Thal,
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Langt aus seiner Höhle Thor
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Einen goldnen Schatz hervor.

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Auf dem hellen Heimenstein
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Nehmen sie den Baulohn ein,
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Maurer, Steinmetz, Zimmerknecht,
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Jedem widerfährt sein Recht.

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Doch zum Schlosser spricht er: »Sohn,
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Nimm du hin den reichsten Lohn!
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Halt dich an den Boden fest,
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Hämmre gut dein Zwergennest!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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