Herzog Ulrich vor Neufen

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gustav Schwab: Herzog Ulrich vor Neufen (1821)

1
Müd vom Schlagen und vom Siegen
2
Zieht der Herzog durch sein Land,
3
Droben sieht er Neufen liegen
4
Auf der dräu'nden Felsenwand.
5
Heißer Strahl der Frühlingssonnen
6
Brennt auf Reiter und auf Roß –
7
»wäre doch das Nest gewonnen!«
8
Ruft der Landgraf, sein Genoß.

9
Und so reiten sie die Stege
10
Durch den kühlen Wald hinauf;
11
Lauscht kein Hinterhalt im Wege?
12
Regnen keine Kugeln drauf?
13
Nein, es ist kein Feind zu spüren,
14
Alle Zinnen stehen leer,
15
Auf bequemen Brücken führen
16
Durch den Burgwall sie das Heer.

17
Aus dem Schlosse tönt entgegen
18
Ihnen nicht Geschützes Knall,
19
Sondern Priesters Wort und Segen,
20
Und ein heller Orgelschall.
21
Und von mehr als Einer Schüssel
22
Süßer Dampf herüber weht,
23
Und der Burgvogt mit dem Schlüssel
24
Vor dem offnen Thore steht.

25
»ritter Berthold, du Verwegner,
26
Sprich, was macht denn dich so zahm?
27
Du mein Feind und ew'ger Gegner,
28
Bist du worden blind und lahm?
29
Aber deine Blicke glänzen,
30
Wie kein blindes Auge glüht!
31
Und dein Haus schickt sich zu Tänzen,
32
Wie kein Lahmer drum sich müht!«

33
»herr!« erwiedert ihm der Ritter,
34
Warf sich vor des Herzogs Fuß:
35
»seid nicht Eurem Knechte bitter,
36
Nennt auch feig nicht seinen Gruß.
37
Mir ist heut ein Sohn geboren,
38
Meines Hauses erster Stern;
39
Wird mir der, hab' ich geschworen, –
40
Will ich huld'gen meinem Herrn.

41
In der Kirche, den zu taufen,
42
Stehet mir der Burgpfaff schon.
43
Seid Ihr nicht zu müd vom Raufen,
44
Werdet Pathen meinem Sohn!
45
Nicht vergessen solche Gnade
46
Wird der Vater und das Kind,
47
Die zu Neufens steilem Pfade
48
Hundert Jahr lang Wächter sind!«

49
Ei, gelegen kommt den Fürsten
50
Solche Ladung nach dem Kampf,
51
Die nach kühlem Weine dürsten,
52
Schielen nach der Schüsseln Dampf.
53
Und der Herzog reicht dem Degen
54
Freundlich die Versöhnungshand,
55
Schenkt dem Knaben seinen Segen,
56
Und ein schön Stück Ackerland.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.