Der Graf von Zollern

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Gustav Schwab: Der Graf von Zollern (1821)

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Der junge Hohenzoller Graf
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Dem Württemberger dient' er brav,
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Doch zu der Wittwe stolz er spricht:
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»fahrt wohl, dem Weibe dien' ich nicht!«

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Sein Knappe flüstert: »Herr, wie schlimm!
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Verwahret euch vor Frauengrimm!«
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Er aber schrie ganz trotziglich:
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»es wird kein Weib verschlingen mich!«

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Doch als er auf dem Zollern saß,
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Traf ihn ein Brief am vollen Glas:
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»verschlingen alleweg will ich
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Dein

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Und indem zog ein heller Hauf,
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Die Städter, aus dem Thal herauf.
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Es ist auf ihr beladnes Roß
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Gefallen gar zu oft sein Troß.

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Da zog der Graf die Brück' empor,
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Verriegelt wohl sein neunfach Thor.
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Er schmaus't und zecht ein ganzes Jahr,
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Zum Abzug bläs't der Feinde Schar.

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Da naht es schwarz, ein neues Heer,
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Zweitausend sind es, oder mehr.
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Der Knappe spricht: »Gnad' uns, o Christ,
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Die wirtemberg'sche Fahn' es ist!«

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Der kühne Graf kämpft noch ein Jahr,
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Bis Scheune leer und Keller war.
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Er beißt die Lippen sich vor Wut:
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»verschlungen hat sie doch mein

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Die Thore schließt er traurig auf,
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Es zieht herein der Feinde Hauf,
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Die Ulmer brechen Stein um Stein,
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Die Wirtemberger lachen drein.

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Gen Stuttgart führt man ihn zu Roß:
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»verschlungen habt Ihr, Frau, mein
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Ihr ließet mir kein Lösepfand,
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Mein Leben steht in Eurer Hand.«

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Die stolze Gräfin winket stumm,
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Und lächelt arg und kehrt sich um,
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In's ferne Land, in einen Thurm
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Schickt sie den Feind zu Molch und Wurm.

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Zehn Jahre wohnt der Graf im Graus,
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Sein Haar wird grau, sein Blick lischt aus,
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Da sinkt er traurig in das Knie:
44
»verschlungen hat mein

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Jetzt thut sich auf das Kerkerthor,
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Sein Knappe richtet ihn empor:
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»frei seid ihr, Herr, an Seel' und Leib,
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Im Grabe liegt das grimme Weib.«

49
Er tritt hervor au's Himmelslicht
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Und hebt sein bleiches Angesicht,
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Und reckt empor zum Schwur die Hand:
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»fort, fort in das gelobte Land!

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Er schwingt, wie sonst, zu Rosse sich,
54
Er fliegt durch die besonnte Flur,
55
Und denkt an Gottes Fehde nur!

56
Er springt vom Pferd, er steigt in's Schiff,
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Er schwimmt vorbei am Felsenriff,
58
Er ist der erste auf dem Strand,
59
Er fasset das gelobte Land. –

60
Da spürt sein Odem erst die Gruft,
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Und seine Brust die Kerkerluft;
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Die Kraft, im Innersten versehrt,
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Ihr Letztes hat sie aufgezehrt.

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Dem Knappen sinkt er in den Arm,
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Der Morgenwind umhaucht ihn warm,
66
Sein sterbend Haupt, es neiget sich,
67
Er seufzt: »Verschlungen hat sie

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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