Es wachsen Dichter viel in Schwaben

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Gustav Schwab: Es wachsen Dichter viel in Schwaben Titel entspricht 1. Vers(1821)

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Es wachsen Dichter viel in Schwaben:
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Von welcher Art und welchen Gaben
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Mag eines Dichters Vater sein?
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Er ist die Rebe zu dem Wein,
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Er ist die Wurzel zu der Blume:
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Die wirken zu der Kinder Ruhme,
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Die Rebe mit dem herben Saft,
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Die Wurzel mit der stillen Kraft;
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So sind im Dunkeln sie geschäftig:
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Drum soll man, wann die Blüt' ist kräftig,
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Und wann der Most quillt aus den Pressen,
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Der Reb' und Wurzel nicht vergessen.
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Indeß der Kinder Lebenslauf
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In Lust und Wonne glänzet auf,
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So schlummern sie, wann jene glühen,
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Den Winterschlaf nach Last und Mühen.
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Drum soll man sie vergessen nicht:
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Ihr treues Thun war ihr Gedicht. –
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Den Sänger preist ihr mit Bedauern,
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Der von der wald'gen Feste Mauern,
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Wo er durch seines Fürsten Haß
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Verwelkt im einsamen Gelaß,
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(ein Reis will nicht im Kerker blühen,
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Ein Wein im Fasse nicht verglühen,)
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Sich an dem selbst geschaffnen Seil
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Durch kühnen Sprung versucht sein Heil,
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Und weil zerriß das mürbe Band,
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Zerschellt ward an der Felsenwand.
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Man sah ihn liegen, als es tagte,
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So gräßlich, daß sein Todfeind
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Und weinte laut und sprach im Harm:
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»o hätt' ihn aufgefaßt mein Arm!«
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Er lebt in Liedern, die noch klingen;
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Mich laßt von seinem Vater singen,
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Vom Stamm, der trug die edle Frucht,
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Die früh fiel in die Felsenschlucht.

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Sein Vater war ein Pfarrherr treu,
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Der streut', als Gottes Wort ward neu,
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Mit stetem Fleiß die goldnen Körner,
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Und reutet' aus die schlimmen Dörner,
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Die auch im Schwabenland gewachsen,
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Mit Luthers guter Axt aus Sachsen.
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So ward er von der Kirche Rat
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Gesendet hie und dort zur Saat;
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Die streut' er fröhlich in der Milde
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Der vaterländischen Gefilde,
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Er wurde wohl durch's halbe Land,
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Zuletzt zur rauhen Alb gesandt.
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Er denkt: es ist schon recht und billig,
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Der Ackermann muß froh und willig
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An jedem Boden sich versuchen
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Und keiner harten Erde fluchen.
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Auch blieb er fröhlich Jahr um Jahr
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Bei seiner Arbeit immerdar.

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Die Hoffnung hat ihn nicht betrogen,
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Er hat ein gut Geschlecht erzogen,
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Und nicht so kalt war, wie sein Land,
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Des Volkes Herz, Will' und Verstand.
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Doch konnt' er nicht den Wunsch verschweigen,
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In's warme Thal hinab zu steigen.
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Und lachend sprach er manchesmal:
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»wenn nur zu Berge, wie im Thal,
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Der Elemente viere wären,
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So hielt' ich wohl das Feld in Ehren. –
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Nun aber sind auf meiner Alb
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Der Elemente nur dritthalb.
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Wohl obenan steht Luft und Wind,
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Und ihrer mehr als nöthig sind.
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Das zweite (spricht er) ist das Feuer,
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Denn wo viel Wald, ist Holz nicht theuer,
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Die Erde ist das halbe dritte,
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Sie blickt kaum aus der Felsen Mitte;
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Das vierte fehlt, das Wasser, gar,
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Da strömt kein Fluß, kein Brünnlein klar;
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Im Keller liegt ein saurer Wein,
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Der muß für mich das vierte sein!«
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Drum als man ihn zu Thale ließ,
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Meint' er zu sein im Paradies.
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Ein freundlich Dorf thät ihn erwarten,
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Ein reicher Obstwald rauscht' im Garten,
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Die Saat aus fetter Erde sproß,
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Und manches helle Brünnlein floß.
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So war Natur ihm heimgegeben:
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Doch prüfen sollt' ihn auch das Leben. –
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In seiner Dorfgemeinde schwieg
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Der Geist noch nicht vom Bauernkrieg,
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Drum dachten sie vor allen Pflichten,
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Freiheit und Gleichheit aufzurichten;
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Beschlossen alsbald unter sich,
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Daß in dem Dorfe männiglich,
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So wie die Reih' an Jeden käme,
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Der Schafe Hut er übernähme:
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Das sollte gelten Arm und Reich
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Und Haupt und Gliedern, allen gleich.
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Drum, als die Reih' am Pfarrer war,
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Entbietet ihm der Schultheiß gar,
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Er soll am Tage Sankt Baptist
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Schafhirte sein die schuld'ge Frist.
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Frischlinus spricht: »Mein Freund, Ihr irrt,
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Bin ich doch Euer Seelenhirt
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Und nicht bestellt zu allem Beiden,
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Die Schaf' und Seelen abzuweiden.«
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Doch keine Widerrede gilt,
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Der Bauer will's, er dräut und schilt.
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»nun, an Johann des Täufers Tage,«
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Denkt Frischlin, »ziemt sich keine Klage:
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Der ward im härenen Gewand
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Von Gott zur Wüsten ausgesandt;
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Heuschrecken waren seine Kost: –
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Du kannst, erquickt von Fleisch und Most,
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Ein kurzes in des Morgens Schauern
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Auf blühndem Felde wohl verdauern.«
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Vor Sonnenaufgang steht er auf,
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Und treibt hinaus der Schafe Hauf.
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Ein guter Hirt im Kirchenrock,
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Ein guter Hirt am Schäferstock,
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Weiß er die besten, grünsten Wiesen
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Der schönen Heerde zu erkiesen.
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So weidet er fünf Stunden fort,
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Da läutet drinnen es im Ort
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Der Morgenpredigt erstes Zeichen;
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»jetzt,« spricht er, »ist es Zeit zu weichen,
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Ihr guten Schaf', ich hab' euch gern,
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Doch hüt' ich andre noch dem Herrn:
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Ihr findet ohne mich den Segen,
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Freßt, was euch eben ist gelegen,
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Die andern finden's nicht so leicht,
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Sie brauchen Predigt oder Beicht.«

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Die Heerde schickt er so feldein,
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Dicht an ein fettes Aeckerlein.
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Und wandelt wohlgemuth und munter
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Den Rain hinab in's Dorf hinunter;
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Und auf dem Weg zum Gotteshaus
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Trifft ihn der Schulz und lacht ihn aus:
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»nun, Pfarr, wie hat es Euch geschmeckt?« –
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»den Schäflein ist der Tisch gedeckt –
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Spricht jener – laßt nun Euch bedienen,
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Und nach der Kirche schaut nach ihnen.«
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Der Schultheiß aber hat nicht Ruh.
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Er wandelt stracks dem Felde zu;
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Den Pfarrer darf er schelten nicht,
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Den rufet ab die größre Pflicht,
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Doch er muß nach der Heerde schauen,
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Er darf sie nicht ihr selbst vertrauen,
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Der Weg ist kurz, das Feld ist nah,
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Zur Predigt ist er wieder da.
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Er geht und schauet sich ringsum:
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Die Schafe sind doch nicht so dumm:
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Die Wiese haben sie verlassen,
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Und gehn auf einen Acker prassen,
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Auf dem die junge Sommersaat
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Just stand im rechten Festtagsstaat.
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Und wie er näher tritt und schaut,
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Den Schulzen überläuft's, ihm graut;
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Das dumme Vieh, es hat, vermessen,
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Das eigne Feld ihm abgefressen! –
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Er eilt in's Dorf mit stillem Grimm,
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Dem Pfarrer soll es gehen schlimm. –
159
Das Lied erschallt noch aus dem Tempel,
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Der Schulz muß geben das Exempel.
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Er muß zur Kirche: stumm und bleich
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Sitzt er, und sinnet ob dem Streich.
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Der Pfarrer auf der Kanzel droben
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Beginnt in frommem Wort zu loben
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Johann den Pred'ger in der Wüste,
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Wie er das Heil der Welt begrüßte;
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Dann zeiget er des Pred'gers Pflicht,
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Die geistlich ist, und irdisch nicht:
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Erleuchten soll er, trösten, strafen,
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Ein Hirte sein von Christi Schafen.
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Das alles, demutsvoll und mild,
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Beweist er an des Täufers Bild,
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Daß manches Herz ward reuevoll,
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Aus manchem Aug' ein Tropfe quoll.
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Dem Schulz auch anders war zu Mut,
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Es legte sich sein hitzig Blut,
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Und eh' der Segen zugemessen,
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Hat er das Ackerfeld vergessen.
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Der Pfarrer lenkte heim den Schritt,
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Und nahm viel hundert Grüße mit,
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Ja, Viele zogen ab die Mützen,
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Die sie heut morgen ließen sitzen,
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Und auch der Schultheiß zu ihm trat,
184
Sein Aug' ihn zu vergessen bat,
185
Er reicht die Hand und spricht bescheiden:
186
»herr Pfarr! Ihr sollt nicht ferner weiden!« –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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