Hans Koch, der veste Bürger sitzt

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Gustav Schwab: Hans Koch, der veste Bürger sitzt Titel entspricht 1. Vers(1821)

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Hans Koch, der veste Bürger sitzt
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Zu Stuttgart in der Landschaft,
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Ein guter Sinn und Seckel schützt
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Die Ehre seiner Standschaft.
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Er weiß, er hat ein eignes Haus,
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Drum macht er sich so viel nicht draus,
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Weg von der Brust zu sprechen.

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Ein milder Herr der Ludwig ist,
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Liebt seine Unterthanen,
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Doch auch den Wein zu jeder Frist,
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Und zecht, wie seine Ahnen.
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Und weil er will des Volkes Heil,
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So nehmen auch die Stände Theil
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An manchem guten Mahle.

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Einst sitzen sie bei ihm zu Tisch,
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Hans Koch an seiner Seite;
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Es ruft der Fürst: »Getrunken frisch!
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Kraft braucht's zu neuem Streite!«
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Da wehret sich ein jeder Stand,
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Prälaten und das ganze Land
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Zur Eintracht stimmt der Becher.

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Herrn Hans verschwimmet Stand und Rang
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Im weiten Meer des Weines;
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»o Herre!« spricht er, gar nicht bang,
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»versprechet mir ein Kleines!
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Wie mir's bei Euch gefallen hat,
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Führt Euch der Weg durch meine Stadt,
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Laßt's Euch bei

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O weh, das kecke Wort verstört
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Und schlägt die Zecher nieder,
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Und ein Gehorsamsfieber fährt
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Den Herrn durch alle Glieder.
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Da tröstet sie des Herzogs Blick,
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Er winkt mit gnädigem Genick:
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»wie sollt' ich's Euch versagen!«

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Und friedlich nach dem frohen Schmaus
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(der Herr gab seinen Segen)
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War bald der heiße Landtag aus,
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Ging Jeder seiner Wegen,
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Nach Ebingen der alte Hans,
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Er mästet Schwein', er stoppt die Gans,
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Er eichet alle Fässer.

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Nach kaum zween Monden führt die Fahrt
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Auf Hohentwiel den Fürsten;
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Bei Ebingen im Tannenhart
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Fängt es ihn an zu dürsten;
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Da klopft es an des Hansen Thür:
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»lieb- und Getreuer, komm herfür,
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Jetzt sollst du Wort mir halten!«

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Und wie sich thun die Thüren auf,
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Ist schon der Tisch gedecket,
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Dem Fürsten und dem Dienerhauf,
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Das Festmahl weidlich schmecket,
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Der Herzog lehrt's den ganzen Hof,
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Der Ritter trank, der Knappe sof,
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Der Jagdhund kaut' am Troge.

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»ei Koch, ei Koch! Ihr seid ein Koch!
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Ihr backet gute Krapfen!
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Und wächst ein feines Weinlein doch
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An euren Tannenzapfen.
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Heil eurem Haus und ewig Ehr!
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Nur Eines fehlt: was ist er leer
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Der Platz zu meiner Rechten?«

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»das Beste kommt, o Herr, zuletzt!«
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Spricht Hans mit tiefem Neigen.
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»mit bessrem Wein den Tisch besetzt!
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Ihr Geiger, spielt den Reigen!«
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Da thut sich auf ein Seitenthor,
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Ein rosig Mägdlein tritt hervor,
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Den Brautschmuck in den Haaren.

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»ei schauet,« ruft Herr Ludwig, »schaut!«
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Er ruft's mit Wohlgefallen.
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»so lang bargst du die schöne Braut,
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Die Tochter in den Hallen?«
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Da nimmt Herr Hans das süße Kind,
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Das goldgeschmückte, führt geschwind
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Dem Herzog es zur Seite.

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»ein Wittwer seid Ihr, Gott's erbarm!
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Mein Haus ist ohne Schulden!
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Schmuck ist mein Mägdlein, ist nicht arm,
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Sie bringt Euch tausend Gulden!
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Herr! euer ist die schöne Braut,
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Für dieses Mahl Euch angetraut
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Zu Euren rechten Handen!«

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Der Herzog sieht sich an die Maid,
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Ja, sie ist ohne Tadel.
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Ihr reiner Leib in seidnem Kleid,
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Er ist von Gottes Adel.
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Drum schämet auch der Fürst sich nicht,
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Sich mit dem schönen Kind verspricht
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Auf dieses Mahles Freuden.

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Er steckt ihr an ein Fingerlein
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Von lauteren Demanten,
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Er setzt sie an die Seite sein
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Beim Schall der Musikanten,
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Und mit des reichen Mahls Beschluß
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Darf sie dem Bräutigam den Kuß
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In Ehren nicht verwehren.

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Drauf sattelt man dem Herrn das Roß,
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Er dankt von ganzer Seele,
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Er lädt den Vater auf sein Schloß
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Auf Gaumen und auf Kehle;
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Nur auf dem Landtag, bittet er,
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Da soll fortan der werte Schwäh'r
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Den Schwiegersohn bedenken.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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