Herzog Christophs Kammerschreiber

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Gustav Schwab: Herzog Christophs Kammerschreiber Titel entspricht 1. Vers(1821)

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Herzog Christophs Kammerschreiber
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War Franz Kurz, der Possentreiber,
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Obwohl im geheimen Rat
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Er ganz ernst und sittig that.
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Auf dem Stühlchen saß er unten;
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Wenn die Herren Rät' im bunten,
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Weiten Kreise saßen sinnend,
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Lange Reden flossen rinnend,
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Sah man flink ihn mit der zieren
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Feder still protokolliren.
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Keiner von den Herren dachte,
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Wie Franz Kurz im Herzen lachte,
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Wenn ein schiefes Wörtlein fiel;
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Rüstig lief sein Federkiel;
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Aber heimlich hinterdrein
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Gab er's preis bei'm Gläschen Wein.

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Einmal doch, da ward's ihm sauer,
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Als der Bürger und der Bauer
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Ward mit Worten arg mißhandelt,
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Recht in Unrecht gar verwandelt;
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Und die alten weisen Münde
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Ihm die allerfeinsten Gründe
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Zudiktirten für die Lehre:
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Volk, wie Schaf, sei für die Scheere.
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Kaum hielt er die Sitzung aus;
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Und als Jeder ging nach Haus,
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Blieb er noch im Saale stehen,
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Das Geschriebne durchzusehen;
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Stößt die Akten in die Scheide,
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Greift nach einem Stücklein Kreide;
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Von Mutwill' und Zorn entbrannt,
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Schreibt er an die Tafelwand
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Mit großmächt'ger Schrift: »Ei nu!
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Es geht wunderlich hier zu!«
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Dann, die Akten in der Tasche,
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Will er wandern zu der Flasche.
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Auf der Treppe wird's ihm bang:
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Einer, über kurz und lang,
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Kann es lesen, und ein Jeder
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Kennt die Züge seiner Feder.
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Ihn verlangt nach keiner Wäschen,
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Besser ist's, es auszulöschen!
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So hinauf zum Saale wieder;
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Doch ihm rieselt's durch die Glieder,
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Vor der Thüre macht er Halt,
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Sorglich blickt er durch den Spalt:
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Sieh! da tritt zur andern Thür –
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Weh! – der Herzog selbst herfür: –
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Meister Kurz steht auf der Schwelle,
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Wie am Eingang zu der Hölle;
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Durch den Spalt sieht er mit Schrecken,
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Wie der Herr die Schrift entdecken,
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Alsbald näher treten thät;
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Lesend davor stille steht.
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Und jetzt wird er auch sich drehen,
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Wird den argen Schreiber sehen;
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Dann fahr' wohl du guter Dienst,
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Morgensuppe, Beigewinnst!
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Soll er fliehen, soll er bleiben?
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Doch, was mag der Herzog schreiben,
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Der zur Kreide selber greift,
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Während er die Schrift durchläuft?
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»es geht wunderlich hier zu!«
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Schreibest Kammerschreiber du!
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Und dein Herzog nimmt die Kreide,
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Sich zum Scherz, dir nicht zum Leide,
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Schreibt er bei in guter Ruh:
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»

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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