»was tritt da vor mein Bett zu Nacht

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Gustav Schwab: »was tritt da vor mein Bett zu Nacht Titel entspricht 1. Vers(1821)

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»was tritt da vor mein Bett zu Nacht
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Duftneblige Gestalt?
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Ich bin doch wahrlich ganz erwacht,
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Ist das noch Traums Gewalt?

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Was drängst du dich so wüst hervor
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Aus meiner öden Stirn,
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Du ungefüges Träumechor,
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Bleib drinne mir im Hirn!«

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Doch nimmer weicht das dunkle Bild
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Scheint's gleich nur Duft und Schaum,
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Es winkt so hastig, blickt so wild:
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O nein, das ist kein Traum!

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Der Hausherr springt vom Lager auf,
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Zerstoben ist's, wie Spreu?
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Er wirft sich murrend wieder drauf,
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Da gleich erscheint es neu.

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Und wie es kommt zum drittenmal,
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Wirft er sich in sein Kleid,
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Er stellt sich mitten in den Saal
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Zu Schutz und Trutz bereit.

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Auf Kettenklirren, Geisterschritt
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Spitzt er sein horchend Ohr,
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Doch aus der tiefen Stille tritt
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Nur sachtes Pochen vor.

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Mit wunderlicher Gegenwart
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Treibt's ihn durch Saal und Flur,
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Es tönt so leis, es tönt so zart,
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Wer kommt ihm auf die Spur?

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Im Hause wird nun Alles wach,
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Und Alles hört den Laut;
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Sie gehn dem stillen Geiste nach,
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So arg es ihnen graut.

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Zur Treppe führet sie der Lauf,
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Und drunten sind sie schon,
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Da steiget von dem Keller auf
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Vernehmlich ganz der Ton.

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»die Weine sind mir gar zu lieb,
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Es soll mir keiner dran,
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Geist oder Teufel sei der Dieb,
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Ich will ihn dennoch fahn!«

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Und mit der Leuchte durch das Thor
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Tritt keck der Hausherr ein,
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Da stellt sich laut bei seinem Ohr
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Das Musiciren ein.

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Das war das allergrößte Faß –
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Da stand der Geist? o nein!
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Nur war der Boden kühl und naß,
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Nur plätschernd rann der Wein.

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Ein schlimmer Wächter war der Hahn,
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Ganz offen stand er gar,
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Und wie's zu Boden tropfend rann,
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Da tönt' es warnend klar.

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»dem guten Kellergeist sei Dank,
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Den ich am Bett gewahrt,
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Er hat den allerbesten Trank
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Mir gnädiglich bewahrt!«

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Wohl manchem sitzt er in dem Kopf,
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Den warnt er nimmermehr,
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Er quält mit Durst den armen Tropf
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Bis seine Fässer leer.

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Doch wen er lieb hat, tränkt er gern,
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Und hält doch sichre Wacht,
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So that er noch an unserm Herrn
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Dies Wunder jüngst zu Nacht.

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Und der besungen diesen Spaß,
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Der kennt den Geist gar wohl,
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Hätt' er nur erst ein eigen Faß,
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So füllte der's ihm voll. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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