3.

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Gustav Schwab: 3. (1821)

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Jetzt predigt er so milde,
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Nach seines Meisters Bilde,
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Das Wort in dem Gefilde
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Wuchs unter seiner Hand.
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Und Friedenstauben flogen,
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Und über wilden Wogen
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Erschien der Regenbogen:
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Der Feind zog aus dem Land.

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Da trocknete die Zähre,
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Da reifte froh die Aehre,
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Da hub die gute Lehre
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Das müde Haupt in Kraft.
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Den frommen Rat der Alten
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Sah man zu Stuttgart walten,
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Die Kirche sich entfalten
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Befreit aus langer Haft.

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Und wo durch's Kriegestoben
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Sich eine Stimm' erhoben,
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Das lautre Wort zu loben,
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Die hallt in aller Ohr.
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Drum, wo wer unbethöret
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In schwerer Zeit gelehret,
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Den rief man hochverehret
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Vor allem Volk hervor.

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Da macht sich auf die Reise
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Zu seines Amtes Preise,
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Beschieden vor die Greise,
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Von Gutach unser Hirt:
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Daß ihm gelohnet werde,
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Weil sich von seiner Heerde
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Trotz Jammer und Beschwerde
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Kein Schäflein hat verirrt.

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Er kommt mit Furcht und Beben;
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Er hat in seinem Leben
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Nicht viel sich abgegeben
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Mit hoher Obrigkeit.
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Er will im Vorsaal bleiben,
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Da sitzen viel und schreiben;
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Die Angst sich zu vertreiben
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Hat er da gute Zeit.

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Die Diener lernt er kennen,
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Die hin und wieder rennen,
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Jetzt wagt er sich zu nennen,
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Er will gemeldet sein.
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»seid Ihr's? Euch kann's nicht fehlen!
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Ja, Herr, Ihr dürft nur wählen,
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Euch steht, auf meine Seelen,
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Bei'm

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»bei'm Brenz? bei'm Probst und Rate?
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Der Kirche Hort im Staate,
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Der drin in dem Senate
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Den hohen Vorsitz führt?
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Wann hat mich der gesehen?
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Wie sollte das ergehen,
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Da seines Geistes Wehen
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Mein niedrig Haupt berührt?«

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Ein geht er zu der Pforten
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Mit solchen Zweifelsworten;
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Doch wen erblickt er dorten?
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Ist auch sein Auge klar?
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In Seide, Sammt und Spitzen
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Mit goldnem Kreuze blitzen,
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Zu oberst steht er sitzen
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Den

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Der streckt mit Gruß und Segen,
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Wie alte Freunde pflegen,
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Die treue Hand entgegen:
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»gelobt sei Jesus Christ!
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Ihr habt wohl unterdessen
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Den Flüchtling gar vergessen,
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Der als ein Vogt gesessen
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Zu Euren Füßen ist?

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Ihr aber seid mir theuer,
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Getreulich dacht' ich Euer,
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Und Eurer Worte Feuer
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Hat oft mich noch durchglüht;
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Wie kann man Euch vergelten?
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Ihr seid ein Hirte selten,
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Zumal seit Ihr mit Schelten
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Euch nicht vergeblich müht.«

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»für Sorgen und Beschwerden,«
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Spricht jener, »kann auf Erden
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Kein größrer Lohn mir werden,
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Als solchen Mannes Wort.
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Jetzt geh' ich ruhig schlafen;
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Und, wollt ihr mich nicht strafen,
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So laßt mich bei den Schafen
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Zu Gutach fort und fort!

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Wie will ich dort erzählen
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Den lieben, frommen Seelen,
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Will ihnen nicht verhehlen,
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Daß Ihr den Vogt nicht logt.
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Ihr seid, was Ihr gewesen,
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Zum Vogt seid Ihr erlesen;

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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