Bei Teinach lag ein Hirte

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Gustav Schwab: Bei Teinach lag ein Hirte Titel entspricht 1. Vers(1821)

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Bei Teinach lag ein Hirte
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Und schlief im grünen Gras,
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Derweil sein Heerdlein irrte
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Und frische Kräuter las;
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Den führt' um ein Jahrhundert
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Ein seltner Traum zurück,
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Er stand und warf verwundert
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In's Dörflein seinen Blick.

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Die Häuser, die er wachend
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Als alt und grau gekannt,
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Sie standen jung und lachend
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Mit roter Ziegelwand.
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Und wo jetzt ist zu schauen
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Das schöne Gotteshaus,
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Fing man erst an zu bauen,
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Und hieb den Grundstein aus.

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Die Maurer waren fertig,
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Sie ruhten aus vom Fleiß,
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Und des Befehls gewärtig
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Noch standen sie im Kreis;
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Da kam ein Zug gegangen
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In feierlicher Pracht,
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Mit Federn, Mänteln, Spangen,
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Nach jener Zeiten Tracht.

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Und ohne lang zu fragen
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Ward's ihm im Traume klar,
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Daß der im gold'gen Kragen
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Der Herzog selber war.
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Das Neuste drein zu stiften
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Tritt der zum hohlen Stein,
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Mit blanken Münzen, Schriften,
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Und neuem, edlem Wein.

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Da wird erst von der Gabe
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Ein hohes Glas gefüllt,
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Damit zu süßer Labe
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Der Herr den Durst sich stillt.
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Und sieh, da fällt dem Fürsten
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Der Hirt' in das Gesicht,
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Er sieht ihm an sein Dürsten,
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Reicht ihm das Glas und spricht:

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»trink', Freund! es ist der beste
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Aus meinem Neckarthal,
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Du kommst zu solchem Feste
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Doch wohl nicht noch einmal.«
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Schon fühlet an den Lippen
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Der Hirte sich das Glas,
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Und eben wollt' er nippen, –
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Da wacht er auf im Gras.

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Er blickt um sich erschrocken,
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Er fühlt die Hand sich leer,
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Er fühlt den Mund sich trocken,
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Und ach! es fehlt noch mehr!
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Wein läßt sich wieder kaufen,
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Doch wie er träumet hier,
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Ist ihm davon gelaufen
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Der Heerde schönster Stier.

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Er richtet sich mit Fluchen
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Vom leeren Boden auf,
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Den Flüchtigen zu suchen
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Beginnt er seinen Lauf;
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Bis wo in Büschen stille
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Sich birgt ein alt Gestein,
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Von dort hört er Gebrülle,
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Und mählig dringt er ein.

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Ihm ist, als träumt' er wieder,
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Er steht in einem Hohl,
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Die Steine hangen nieder,
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Das war ein Keller wohl!
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Und hinten in der Ecken
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Da liegt und schlürft der Stier,
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Was mag sich dort verstecken?
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Springt eine Quell' herfür?

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Fürwahr es ist die Quelle,
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Von der du träumtest, Hirt!
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Ein Wein ist's, klar und helle,
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Der das Gestein durchirrt.
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Das Faß ist lang zerstoben,
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Er selbst ward rings zu Stein,
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Drin' er sich aufgehoben
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Als hundertjähr'gen Wein.

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Von diesem selben Weine,
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Wie dir geträumet hat,
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Liegt in dem hohlen Steine
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Des Kirchengrunds der Stadt.
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Laß dich nur nicht gereuen,
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Daß du erwacht so bald;
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Du hätt'st getrunken
88
Jetzt ist er

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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