2.

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Gustav Schwab: 2. (1821)

1
Still in des Herzogs Hause
2
Ward's, mitten in Madrid,
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Es hallt in seiner Klause
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Nicht mehr des Henkers Tritt.

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Vom Baume seines Lebens
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Fiel Frucht und Blatt schon ab,
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Hin ist der Mut des Strebens,
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Zerknickt sein Feldherrnstab.

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Der Leib ist morsch, die Schmerzen
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Verzehrten seine Kraft;
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In dem verwelkten Herzen
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Dorrt selbst die Leidenschaft.

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Sein Haupt liegt auf dem Kissen,
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Er lechzt nicht mehr nach Blut,
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Das nackende Gewissen
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Ist all sein Hab' und Gut.

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Drum klammert er sich zagend
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An's kahle Leben an,
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Mit Blicken ängstlich fragend,
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Ob Niemand fristen kann.

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Doch nichts erquickt den Armen,
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Stumpf ist der Aerzte Witz;
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Nur einen will's erbarmen,
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Den mahnt es, wie ein Blitz.

25
»den Tod ihm fern zu halten,
26
Ist eins mir noch bewußt:
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Legt den erschöpften Alten
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An eines Weibes Brust!«

29
Der Arzt sprach sorgsam, leise,
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Der Diener es vernahm;
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Bald stehet vor dem Greise
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Ein säugend Weib voll Scham.

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Die Mutteraugen lenken
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Mitleidig sich auf ihn,
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Den dürren Mund zu tränken,
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Reicht sie die Brust ihm hin.

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Mit innigem Vergnügen –
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Er weiß nicht, was er thut –
39
Trinkt er in langen Zügen,
40
Doch ihm wird Milch zu Blut.

41
Bald graus't ihm vor dem Tranke,
42
Er kehrt sich weg entsetzt.
43
Auf blickt der Schwache, Kranke,
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Und todblaß ruft er jetzt:

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»o, ich will nicht mehr morden,
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Ich hab's versprochen, Weib!
47
Ich bin dein Säugling worden.
48
Verschone meinen Leib!«

49
Die Aerzte stehn und staunen,
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Der Wahnsinn bricht hervor,
51
Die alten Diener raunen
52
Erinnrung sich in's Ohr.

53
Es beut die Brust vergebens
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Das junge Weib dem Greis,
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Am warmen Quell des Lebens
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Liegt er wie Stein und Eis.

57
Die Lippen regt er zitternd;
58
Im Auge das Gericht,
59
Verlischt, die Hölle witternd,
60
Sein bleiches Angesicht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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