Die Insel der Seelen

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Gustav Schwab: Die Insel der Seelen (1821)

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Am fernsten Strande kalter Celten,
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Wo müder schon die Sonne schleicht,
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Wo nur vorbei ein Frachtschiff selten,
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Beschrie'n von heisern Möven, streicht,
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Ist jetzt ein Kriegerheer gelagert
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Mit Schild und Speer, im Römerkleid,
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Klein Volk, verbrannt und abgemagert,
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Doch aller Feinde Herr im Streit.

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Hier tritt mit kahler Lorbeerstirne
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Der Feldherr in ein Fischerhaus:
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»reicht mir vom Trank der wilden Birne
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Und löscht den heißen Durst mir aus!«
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Der greise Riese nickt und schüttelt
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Vorerst am Herde leer das Netz;
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Beut seinem Gast nun ein gerüttelt
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Und schäumend Horn voll süßen Meths.

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Der Kämpfer schlürft mit Athemzügen,
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Er dämpft und reizt den Drang der Lust,
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Und spült mit langsamem Vergnügen
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Den Schlachtruf sich aus Kehl' und Brust.
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Das leere Horn wirft er zur Erde,
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Doch gierig bleibt sein Aug' und wild;
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Er spricht mit brennender Geberde:
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»so wäre doch

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Der Alte frägt: »Was willst du weiter?
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Wir geben gerne, recht und schlecht!
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Du bist hier nicht im Thal der Streiter,
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Du ruhst bei sanfterem Geschlecht!«
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»ihr Armen,« spottet jetzt der Fremde,
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»was ich begehre, liegt zu weit;
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Ihr bringt es nicht, im Fischerhemde –
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Mein Trachten heißt

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»unsterblichkeit? willst du sie binden
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An deiner Schlachten Tod und Not?
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Unsterblichkeit, sie ist zu finden
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Im Friedensland, bei'm Abendrot.
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Dort stralet ew'gen Lebens Erbe,
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Dort winkt der Seelen letzter Port.
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Doch wer dort bleiben will, der sterbe,
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Nur nach dem Tode lebt sich's dort!«

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Des Römers bleiche Lippen beben:
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»ja doch, du gallisch Thorenherz!
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Du träumest, deine Streiter schweben
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Aus ihrem Blute himmelwärts!
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Nein! wir sind Staub: wenn über'm Grabe
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Mir die Cicade singend schwebt,
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Krächzt über dir des Winters Rabe:
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Doch stirbt

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Da streckt der Greise sich, herunter
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Schaut er auf seinen stolzen Gast,
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Und seine Hände haben munter
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Das Ruder, das dort lehnt, gefaßt:
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»was soll ich's länger dir verbergen?
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Wir Schiffer schau'n der Seelen Land.
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Sie fodern uns, wir sind die Fergen
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Und steuern sie zum Heimatstrand.«

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Den Andern überläuft ein Grausen,
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Nur zeigt er nicht, was ihn bewegt:
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»sag' an, wo die Gespenster hausen!«
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Spricht er, die Hand an's Haupt gelegt.
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So blickt er liegend auf zum Fischer,
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Der, auf das Ruder vorgebeugt,
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Mit jedem kecken Worte frischer
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Der Geister seltsam Reich bezeugt:

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»ferndrüben, wo die Sonne sinket,
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Dort liegt ein Eiland, hinter Meer,
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Mit golden grünen Triften winket
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Sein Rand, mit Bäumen früchteschwer.
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Der Himmel dort ist blau und lächelnd,
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Kein Winter droht, kein Sonnenbrand,
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Die Lüfte hauchen immer fächelnd;
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Und doch ist's nur der Toten Land.

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Nichts ist zu hören, nichts zu schauen,
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Bevölkert wird es erst zu Nacht.
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Doch, was dann waltet, macht kein Grauen,
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Zum Leben ist der Tod erwacht.
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Nun höre, wie wir Solches wissen,
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Und was im Dienst der Seelen thun:
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Oft Nachts im Schlaf an unsre Kissen
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Ergeht ein Ruf, läßt uns nicht ruhn.

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Vom Lager springen wir und lauschen,
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Denn drunten wird es voll und laut,
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Und viele tausend Stimmen rauschen
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Von Menschen, die kein Auge schaut.
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Und Schiffe liegen, hochgethürmte,
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Statt unsrer Kähne, längs der Bucht,
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Sie sind es, draus das Tosen stürmte,
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Tief sinkt in's Wasser ihre Wucht.

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Mit Mannschaft sind sie schwer befrachtet
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Die ruft voll Ungeduld: »Herbei!«
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Wir steigen ein, so tief es nachtet,
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Sind ohne Furcht und rudern frei.
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Das Schiff ist voll von Schattengästen,
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Wir sehen nichts, wir hören viel;
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Doch unsre Fahrt, sie geht zum besten,
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Wie Falken fliegen wir zum Ziel.

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Sonst fährt sich's vierundzwanzig Stunden:
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Nur eine Stund' in solcher Nacht.
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Schiff wird um Schiff bald angebunden,
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Und jetzt entleeret sich die Fracht.
101
Auch wir entschwingen uns zum Strande,
102
Wie haucht und saus't es um uns her!
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Und nun erst von dem Insellande
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Herbeiwogt's, fast ein zweites Meer

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Da ist ein unsichtbares Grüßen,
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Da wird ein Freudenruf gehört,
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Von Küssen rauscht, von zärtlich süßen,
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Die Luft, die sonst kein Athem stört.
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Ein sehnlich, wonnevoll Umarmen,
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Und doch von Leibern keine Spur,
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Ein innig Brust an Brust Erwarmen –
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Wir spüren's nicht, wir wissen's nur.

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Vernehmlich tönen theure Namen,
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Der Gatte ruft dem Gatten zu,
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Der Vater Kindern, welche kamen,
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Der Freund dem Freunde: bist es du?
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Und Handschlag und der Liebe Flüstern,
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So heiter, so voll Seligkeit,
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Daß, fährt die Nacht gleich fort zu düstern,
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Uns heller Tag däucht weit und breit.

121
Dann mahnt ein Ruf uns, heim zu fahren,
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Und schnell sind wir zu Schiff davon,
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Und eh' wir Morgenschein gewahren,
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Sind wir in unsrem Hafen schon.
125
Hoch auf der Meeresfläche trieben
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Die Schiffe leer und unbeschwert,
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Und länger sind sie nie geblieben,
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Als diese Geisternacht gewährt.

129
Und glaubst du jetzt an's Land der Seelen,
130
Und hoffst du jetzt Unsterblichkeit?«
131
Da springt der Römer auf, daß stählen
132
Durch's Hüttchen klirrt sein Panzerkleid.
133
»auf, alter Charon, fort zum Kahne,
134
Schon morgen ziehn wir drüben ein,
135
Ich schwang von je die Siegesfahne,
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Sei auch der Seelen Insel mein!«

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Entsetzen schüttelt Bart und Locken
138
Dem Fischer bei dem frechen Wort,
139
Doch dem Gewaltigen erschrocken
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Gehorcht er, und sie gehn an Bord;
141
Sie fahren hin die Nacht, den Morgen,
142
Den ganzen Tag, den Abend auch,
143
Im Sternenlicht sind sie geborgen,
144
Zur Küste treibt sie rascher Hauch.

145
Doch mit der Brandung letzten Wellen
146
Schlägt noch der Wind nach Westen um,
147
Erwacht beginnt der Sturm zu schwellen,
148
Die Lüfte heulen, bisher stumm.
149
Der Zorn des Windes wühlt im Laube
150
Der Uferbäume, nieder weht
151
Ein schwarzer Wolkenbruch von Staube,
152
Und wirbelnd sich der Nachen dreht.

153
Zurückgejagt, zurückgerissen
154
Vom Geisterstrande fliegt der Held,
155
In blitzdurchzückten Finsternissen
156
Furcht er das öde Wasserfeld.
157
So, wie vom Seelenheer geschlagen,
158
Steigt er am andern Ufer aus,
159
Und schnelle Schritte flüchtig tragen
160
Den Schweigenden in's Fischerhaus.

161
Trompeten mahnen: mit dem Lager
162
Bricht auf der Feldherr von dem Strand.
163
Am Ufer stockt er, blaß und hager,
164
Den Blick noch einmal meerentsandt:
165
»ich weiß, du bist mir nicht gegeben,
166
Holdselig Jenseits, Himmelsglück!
167
In

168
Verschließt mir immerhin, ihr Obern,
169
Der Seligen Elysium;
170
Die Erde will ich mir erobern,
171
Der Völker Nacken tret ich krumm!
172
Ein Diadem soll mich umschlingen,
173
Von aller Meere Perlen voll!
174
Mein Ruf will so die Welt durchdringen,
175
Daß euer Himmel dröhnen soll!«

176
Er spricht's, und fliegt durch's Land der Celten,
177
Als jagt' ihn noch der Sturm im Kahn,
178
Hört hinter sich die Donner schelten,
179
Doch Götterfurcht gilt ihm für Wahn.
180
»um Herrschaft ist kein Fluch zu scheuen,
181
Gefallen ist der Würfel schon!«
182
Er gibt die Losung seinen Treuen
183
Und schreitet durch den Rubikon.

184
Nun stürzt er Consuln und Tribunen,
185
Zerreißt der Freundschaft heilig Band,
186
Und Speere wirft er, wie Harpunen,
187
In seinen Leib dem Vaterland.
188
Die Krone Roms glaubt er gefunden,
189
Die ihm den kahlen Scheitel deckt –
190
Und liegt mit dreiundzwanzig Wunden
191
Am Boden blutig ausgestreckt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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