2.

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Gustav Schwab: 2. (1821)

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Und wie in den frühen Tagen
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Hat der Held den Wandelthron
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Froh errichtet auf dem Wagen,
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Ragt empor wie Thetis' Sohn.
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In der Linken wehn die Zügel,
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Und die Rechte wiegt den Speer,
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Rossesmähnen werden Flügel,
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Göttergleich braus't er einher.

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Und ein Andrer der Genossen,
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Treuer Wächter, flieget mit,
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Thut zu Fuß es gleich den Rossen,
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Schneller war nicht Ajas' Schritt.
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In des Uferhaines Pfade
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Tieft die dunkle Fahrt sich ein,
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Dort verstört am Moorgestade
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Das Gespann ein grauer Stein.

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Wieder hebt sich aus den Hecken
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Das zerfallne Königsgrab,
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Und die Rosse hoch im Schrecken
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Bäumen sich zum Strand hinab.
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Die an wilder Mähne fassend
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Reißt der Wächter kühn in's Gleis,
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Am Geretteten, erblassend,
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Sinkt er hin in Blut und Schweiß.

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Als den Rossen er mit Hitze
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Hemmend in den Zügel fuhr,
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Riß des Königs Lanzenspitze
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In die Stirn ihm tiefe Spur.
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Der entschwingt sich rasch dem Wagen,
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Seine Rosse zähmt er schnell,
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Hat den Arm um ihn geschlagen,
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Beugt sich auf der Stirne Quell.

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Wüßt' ein Band er, welches linde,
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Welches wundem Haupt bequem!
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Armer, er hat keine Binde,
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Als im Haar sein Diadem!
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Fest und weich würd' es umhüllen
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Die verletzte Freundesstirn –
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Aber soll er selbst erfüllen
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Seinen Traum aus bangem Hirn?

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Immer dunkler fließt die Wunde,
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Bis sie weckt ein altes Bild,
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Bis dem Herrn im Herzensgrunde
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Zweier Freunde Herzblut quillt.
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Eines, das er selbst vergossen,
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Eins, das auf dem Blocke sprang.
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Jetzt ist schon der Fürst entschlossen,
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Faßt das Band, das ihn umschlang.

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Um des Retters Stirne windet
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Er's behend mit leichter Hand,
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Schönes, bleiches Haupt, wie bindet
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Fürstlich dich das Königsband!
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Sinnend, aber heiter weilet
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Bei dem Anblick lang der Held.
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Dann mit dem Erwachten eilet
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Auf dem Wagen er durch's Feld.

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Freudig zeigt er den Gekrönten
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In den Mauern Babylons,
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Freudig tritt er im versöhnten
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Geist die Stufen seines Throns;
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Grüßet der Genossen Runde,
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Voll und lose wallt sein Haar.
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Seine Stirne, die gesunde,
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Fühlt sich keiner Krone bar.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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