1.

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Gustav Schwab: 1. (1821)

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Auf den Wassern Babylons
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Flutet Alexanders Nachen,
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Samt den Freunden seines Throns,
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Die des Siegers Haupt bewachen.
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Doch er lies't ein trüb Geschick
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In dem Flug des Wellenschaumes,
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Und in seinem finstern Blick
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Schwebt das Mißtraun eines Traumes.

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Seines Diademes Pracht
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Leuchtet in den braunen Locken;
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Dieses schaute jüngst zu Nacht
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Er auf fremdem Haupt erschrocken.
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Widerfunkelt's aus der Flut
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Jetzt im Schimmer der Gesteine:
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Doch sein Auge fragend ruht
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Auf der Stirn, ob's auch die seine?

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In der Woge Spiegel sieht
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Er den Himmel dunkler brüten
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Schwanke Vögel ohne Lied
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Uferweiden traurig hüten.
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Und ein Königsgrabmal spült
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Ihm die Flut im Bild entgegen,
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Rauschende Gezweige fühlt
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Er in seinem Haar sich regen.

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Und der Nachen schießt vorbei: –
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Nun erst merkt der Fürst mit Bangen,
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Daß sein Haupt des Schmuckes frei,
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Sieht ihn in den Büschen hangen.
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Ueber dem zerfallnen Grab
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Schwebt die junge Königsbinde,
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Sie erreicht mit Speer und Stab
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Keiner von dem Hofgesinde.

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Von des Helden Seite schwingt
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Jetzt ein Freund sich in die Wellen,
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Der sich durch die Wogen ringt
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Bis sie ihn an's Ufer schwellen.
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Und, das Kleinod unbenetzt,
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Glänzend, seinem Herrn zu reichen,
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Hat er selbst sich's aufgesetzt,
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Daß der König muß erbleichen.

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Der erkennt das stolze Haupt,
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Wie er es im Traum gesehen;
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Aus dem Wasser, flutumstaubt,
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Sieht gekrönt er's auferstehen.
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Und nun hört er sich in's Ohr
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Auch des Sehers Stimme beben:
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»herr! welch Zeichen! sieh dich vor!
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Laß den Kronendieb nicht leben!«

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Sinnend starr der König sitzt,
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Und es jagen sich Gedanken,
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Bis ihm's durch die Seele blitzt,
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Durch der Bilder wildes Schwanken.
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Jenes Freundes Blutgestalt,
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Den er längst bei'm Trunk erstochen,
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Naht, aus dunklem Aufenthalt
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Seines Innern vorgebrochen.

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In geheimer Tiefe regt
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Sich's von Scham und bittern Schmerzen;
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Mit dem blut'gen Schatten pflegt
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Stille Zwiesprach er im Herzen;
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Jener finstern Ahnung ringt
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Er den Stachel aus der Seele,
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Den Verdacht er niederzwingt,
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Der ihn treibt zu neuem Fehle.

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Eben ist der Schwimmer schnell
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An dem Nachen aufgeklommen,
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Hat den Schmuck sich auf der Stell
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Aus gesenktem Haupt genommen.
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Und der König sieht's mit Lust,
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Wie den Schaum vom Kleid er schüttelt,
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Nimmt den Freund an seine Brust,
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Los vom bösen Traum gerüttelt.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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