Das Mahl zu Heidelberg

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gustav Schwab: Das Mahl zu Heidelberg (1821)

1
Von Wirtemberg und Baden
2
Die Herren zogen aus,
3
Von Metz des Bischofs Gnaden
4
Vergaß das Gotteshaus;
5
Sie zogen aus zu kriegen
6
Wohl in die Pfalz am Rhein,
7
Sie sahen da sie liegen
8
Im Sommersonnenschein.

9
Umsonst die Rebenblüte
10
Sie tränkt mit mildem Duft,
11
Umsonst des Himmels Güte
12
Aus Aehrenfeldern ruft:
13
Sie brannten Hof und Scheuer,
14
Daß heulte groß und klein;
15
Da leuchtete vom Feuer
16
Der Neckar und der Rhein.

17
Mit Gram von seinem Schlosse
18
Sieht es der Pfälzer Fritz;
19
Heißt springen auf die Rosse
20
Zwei Mann auf einen Sitz.
21
Mit enggedrängtem Volke
22
Sprengt er durch Feld und Wald,
23
Doch ward die kleine Wolke
24
Zum Wetterhimmel bald.

25
Sie wollen seiner spotten,
26
Da sind sie schon umringt,
27
Und über ihren Rotten
28
Sein Schwert der Sieger schwingt.
29
Vom Hügel sieht man prangen
30
Das Heidelberger Schloß,
31
Dorthin führt er gefangen
32
Die Fürsten samt dem Troß.

33
Zu hinterst an der Mauer,
34
Da ragt ein Thurm so fest,
35
Das ist ein Sitz der Trauer,
36
Der Schlang' und Eule Nest:
37
Dort sollen sie ihm büßen
38
Im Kerker trüb und kalt,
39
Es gähnt zu ihren Füßen
40
Ein Schlund und finstrer Wald.

41
Hier lernt vom Grimme rasten
42
Der Wirtemberger Utz,
43
Der Bischof hält ein Fasten,
44
Der Markgraf läßt vom Trutz.
45
Sie mochten schon in Sorgen
46
Um Leib und Leben sein,
47
Da trat am andern Morgen
48
Der stolze Pfälzer ein.

49
»herauf, ihr Herrn, gestiegen
50
In meinen hellen Saal!
51
Ihr sollt nicht fürder liegen
52
In Finsterniß und Qual.
53
Ein Mahl ist euch gerüstet,
54
Die Tafel ist gedeckt,
55
Drum, wenn es euch gelüstet,
56
Versucht ob es euch schmeckt!«

57
Sie lauschen mit Gefallen,
58
Wie er so lächelnd spricht,
59
Sie wandeln durch die Hallen
60
An's goldne Tageslicht.
61
Und in dem Saale winket
62
Ein herrliches Gelag,
63
Es dampfet und es blinket,
64
Was nur das Land vermag.

65
Es satzten sich die Fürsten;
66
Da mocht' es seltsam sein!
67
Sie hungern und sie dürsten
68
Beim Braten und beim Wein;
69
»nun, will's euch nicht behagen?
70
Es fehlt doch, deucht mir, nichts?
71
Worüber ist zu klagen?
72
An was, ihr Herrn, gebricht's?

73
Es schickt zu meinem Tische
74
Der Odenwald das Schwein,
75
Der Neckar seine Fische,
76
Den frommen Trank der Rhein!
77
Ihr habt ja sonst erfahren,
78
Was meine Pfalz bescheert!
79
Was wollt ihr heute sparen,
80
Wo Keiner es euch wehrt?«

81
Die Fürsten sahn verlegen
82
Den Andern Jeder an,
83
Am Ende doch verwegen
84
Der Ulrich da begann:
85
»herr, fürstlich ist dein Bissen,
86
Doch Eines thut ihm Not,
87
Das mag kein Knecht vermissen:
88
Wo ließest du das

89
»wo ich das Brod gelassen?«
90
Sprach da der Pfälzer Fritz,
91
Er traf, die bei ihm sassen,
92
Mit seiner Augen Blitz;
93
Er that die Fensterpforten
94
Weit auf im hohen Saal,
95
Da sah man aller Orten
96
In's offne Neckarthal.

97
Sie sprangen von den Stühlen
98
Und blickten in das Land,
99
Da rauchten alle Mühlen
100
Rings von des Krieges Brand;
101
Kein Hof ist da zu schauen,
102
Wo nicht die Scheune dampft,
103
Von Rosses Huf und Klauen
104
Ist alles Feld zerstampft.

105
»nun sprecht, von wessen Schulden
106
Ist so mein Mahl bestellt?
107
Ihr müßt euch wohl gedulden,
108
Bis ihr besät mein Feld,
109
Bis in des Sommers Schwüle
110
Mir reifet eure Saat,
111
Und bis mir in der Mühle
112
Sich wieder dreht ein Rad.

113
Ihr seht, der Westwind fächelt
114
In Stoppeln und Gesträuch;
115
Ihr seht, die Sonne lächelt,
116
Sie wartet nur auf euch!
117
Drum sendet flugs die Schlüssel
118
Und öffnet euren Schatz,
119
So findet bei der Schüssel
120
Das

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.