Der große Kurfürst auf der Spreebrücke zu Berlin

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Gustav Schwab: Der große Kurfürst auf der Spreebrücke zu Berlin (1821)

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– Hört, wie es ergangen;
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Ich ging mit Scheu und halbem Bangen
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In dieser kaum verschwundnen Nacht
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Vorüber an des Bildes Pracht.
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Es rauschten wunderlich die hellen
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Und mondbeglänzten Flusseswellen,
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Und warfen klar den Schein zurücke
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Des ehrnen Bildes auf der Brücke.
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Es war mir, als ob all sich nahten
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Die Geister seiner großen Thaten,
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Und hielten wunderbaren Tanz
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Rings um die Säul' im Mondenglanz.
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Da kam mir bei die alte Sage,
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Daß sie sich dreh' beim Zwölfeschlage.
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Ein thöricht Märlein ist's, ich dacht',
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Indem so schlägt es Mitternacht.
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Da fängt der Boden an zu beben,
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Ein träumrisch Wiehern anzuheben
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Beginnt das mächt'ge Roß von Erz;
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Und mählig, sieh! – mir schlug das Herz –
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Dreht sich der Fürst mit seinem Pferde.
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Das hoch sich aufbäumt, von der Erde.
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Und wie es wieder stehet fest,
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Er also sich vernehmen läßt:
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»ich sah nach allen Seiten hin
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In meiner guten Stadt Berlin,
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Ich halt' um jede Mitternacht
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Noch immer treue Fürstenwacht;
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So schaut' ich jetzo nach den Linden,
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Dort ist mein treuster Freund zu finden,
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Er ist auch deiner, Kind! – Franz Horn,
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Ein Mann von deutschem Schrot und Korn;
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Ich mocht' ihn immer gern erblicken
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Als Jüngling wandeln diese Brücken,
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Da schlug mir an die eh'rne Brust
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Sein tücht'ger Scherz oft recht mit Lust,
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Denn freudig hat er mein gedacht,
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So oft er diesen Weg gemacht.
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Und was er mir gethan als Mann,
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Du weißt's recht gut, du triebst ihn an.
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Wer mich in seinem Buch gelesen,
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Der kennt mein Handeln und mein Wesen,
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Von meinem Leibe zeugt dies Erz,
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In seinem Buche wohnt mein Herz.
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Er feiert einen schönen Tag,
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Darum ich ihn wohl grüßen mag.
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Geh', treues Kind, und ihm bedeute,
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Daß ich sein denk' im Himmel heute:
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Und will er mein noch ferner denken,
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Werd' ich ihm Kraft und Segen schenken,
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Zu schreiben von der Preußenkrone
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Und von dem König, meinem Sohne!«
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Er schwieg, hin sank ich an der Säule,
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Und schlummert' eine gute Weile,
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Und wie ich wieder aufgewacht,
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Da war vergangen schon die Nacht,
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Und hieher kam ich, ihm's zu künden. –

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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