In dem Dome trennt ein Ritter

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Gustav Schwab: In dem Dome trennt ein Ritter Titel entspricht 1. Vers(1821)

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In dem Dome trennt ein Ritter
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Des Gefolges Scharlachflut:
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»herr und König, den man krönet,
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Gieb mir das erborgte Gut!

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Deines Leibes Purpurlinnen
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War einst
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Deiner Krone Diamanten
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Schlummerten in

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Dir dein Erbe zu erkämpfen
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Lieh der alte Freund sie dar.
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An die Stirne dir geheftet
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Wird mein Auge sie gewahr.

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Nun, bei Gottes Flammenblicke,
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Der sie alle funkeln sieht:
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Leist' Ersatz mir, daß dich strafend
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Nicht die Last zu Boden zieht!«

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Vor des hohen Thrones Staffel
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Heischet er sein Recht vom Glück;
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Doch ein Fußtritt seines Schuldners
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Stößt das graue Haupt zurück.

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Zu des Feindes braunen Locken
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Blitzt empor sein Blick und spricht:
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»hält nur noch
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Junger,

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Doch den Fluch verschlingt das Jauchzen,
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Goldner Glanz die Gramgestalt,
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Ungefürchtet, ungesehen
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Flieht er in den schwarzen Wald;

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Zählet dort die dünnen Haare,
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Rechnet mit der Lebenszeit:
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Wenn er haushält mit Minuten,
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Wohnt die Rache nicht zu weit.

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Bei dem Neide der Vasallen,
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Bei der Bauern Qual und Schweiß,
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Bei dem Groll verstoßner Knechte
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Sucht er sie und haucht sie heiß.

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Und er hat ein Heer gesammelt,
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Eh' ein Haar vom Haupt ihm fiel,
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Wie im Sturmwind frischer Jugend
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Wehet ihn die Wut an's Ziel.

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Aber aus der Stadt entgegen
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Schwingt sich klagendes Geläut;
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Seines Königs junge Leiche
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Trug das Volk zum Dome heut.

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Vor der offnen Kirchenpforte
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Staunt gehobnen Schwerts der Greis,
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Und die heiße Rach' im Herzen
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Ballt sich plötzlich ihm zu Eis;

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Wie der Jäger mit geschwungnem
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Speere vor dem Schlund verzagt,
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Wo den Hirsch, den langgehetzten,
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Todesangst hinabgejagt.

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Ueber seines Feindes Bahre
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Liegt ein weinend Kind gestreckt,
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Das der Purpur heilig kleidet,
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Das die Demantkrone deckt.

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Und sein Schwert gesenkt zu Boden,
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Auf den Knauf gestützt sein Haupt,
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Ueberblickt der müde Rächer,
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Was das Schicksal ihm geraubt:

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»nein! aus dieses Knaben Händen
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Fodr' ich nicht des Vaters Schuld!
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Hab' Erbarmen, meine Seele,
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Fasse noch dich in Geduld!

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Keinen Erben lass' ich scheidend,
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Sei denn Alles ihm vermacht!
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Meine Sorge sei, zu finden
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Den dort in des Grabes Nacht!«

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Und mit straffem Fuße stampft er,
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Daß es dröhnet, auf den Stein:
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»unter dieser Tempelschwelle
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Will ich einst begraben sein!

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Männer, die ihr grimmig kamet,
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Neigt euch vor dem Herrscherstab;
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Doch die Axt, für mich gehoben,
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Grab' und schütze mir dies Grab!

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Dann, beim Hallen der Posaune,
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Wenn sich drin der Falsche dehnt,
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Harr' ich, früher auferstanden,
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An das Kirchenthor gelehnt.

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Schreitet er heraus zum Dome,
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Trifft er mich zum Gang bereit
83
Vor den Thron der schlummerlosen
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Ewigen Gerechtigkeit!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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