3.

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Gustav Schwab: 3. (1821)

1
Der Enkel wächst mit Lust heran,
2
Wie Nordlands Knaben blühen;
3
Um wenig Jahre sei es noch,
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Ist er zum Mann gediehen.

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Die Stunden, die flogen schnell dahin,
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Wie man ein Liedlein singet;
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Das Feld gedieh, das Haus stieg auf,
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Der Greis saß wie verjünget.

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Es hing ihm eine Wolke wohl
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In seiner Stirne Falten;
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Der Jüngling fragt nicht, dient so treu,
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Bis er erfreute den Alten.

13
Doch wie die Zeit nun schneller ging,
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Sah man ihn stille sitzen,
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Und aus den hohlen Augen war's,
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Als wollt' ein Feuer blitzen.

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Zuletzt das Schweigen doch er brach,
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Das manchen Tag gedauert.
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Er sprach: »Stellt mir den Enkel her!«
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Er rief's von Schmerz durchschauert.

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»großvater, laß nicht führen mich!
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Auch Frühling wird's im Norden,
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Du siehst nicht, wie ich gewachsen bin,
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Ich bin ein Jüngling worden.«

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Der schlanke Knabe, der eilt herzu,
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Ihn faßt der Greis mit Zittern,
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»ja,« ruft er, »Sommer im Norden ward's,
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Ich horche den Ungewittern!

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Weh mir, es sprosset ihm schon der Bart,
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Es schwellen die Glieder, die Knochen,
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Er ist ein Mann geworden und hat
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Den Vater noch nicht gerochen! –

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Blutrache, heilig, alt Gesetz,
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Wie unsre Götter und Eichen,
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Vor dir muß unsers Hauses Fried'
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Und Liebe mir heut erbleichen!

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Seht ihr es nicht? mir däucht, ich seh's –
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Und bin doch blind so lange –
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Wie seine Augen funkeln wild!
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Du dort, ist dir nicht bange?

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O weh', du hast mir gedient so fromm,
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Hast's wie ein Sohn getrieben!
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Du solltest führen in's neue Haus
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Die Braut, die dir treu geblieben.

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Jetzt kannst du bei mir nicht bau'n dein Haus,
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Bei mir dein Weib nicht freien –
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Wie soll in seinem Angesicht
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Dir dein Geschlecht gedeihen?

49
Nimm dir aus Kammer und Stall ein Theil,
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Was mir der Sohn sollt' erben!
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So lange die Rach' in dem Knaben schläft,
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Fleuch, fleuch! du sollst mir nicht sterben!

53
Zur fernsten Orkneysinsel zeuch!
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Dort, hinter der Fluten Walle,
55
Dort bau von meinem Gute dir
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Eine feste, helle Halle!

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Dort lebe sicher und zeug' ein Kind
58
Für deines Alters Tage!
59
Und keiner sei – nimm hin den Wunsch –
60
Der dir den Sohn erschlage!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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