Und draußen pfeift ihm zu der Sturm

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Gustav Schwab: Und draußen pfeift ihm zu der Sturm Titel entspricht 1. Vers(1821)

1
Und draußen pfeift ihm zu der Sturm,
2
Es spinnt ihn ein der Regen,
3
Es sausen ihm die Speere nach,
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Und klirren Schwerter entgegen.

5
In Wind und Wetter schickt nach ihm
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Des Greisen Flüche der Norden;
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Die Kämpfer hielten über ihn Tag,
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Und friedlos ist er worden.

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Er schweifet in den Klüften um,
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Sucht Wohnung in den Wäldern,
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In später Abenddämmrung Grau'n
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Wagt er sich nach den Feldern.

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Da kehrt er bei den Kämpen ein,
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Läßt Salz und Brod sich geben,
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Er deckt die Augen mit der Hand
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Und ißt mit Hast und Beben.

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Doch zündet man die Lampen an,
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So fährt er auf vom Sitze,
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Daß nicht verratend ihm der Stral
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In's Mörderantlitz blitze.

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Entwichen ist er auf die Flur –
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Die mit ihm Brod gebrochen,
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Sie wetzen das Messer hinter ihm;
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Die Schuld will sein gerochen.

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So scheucht's ihn in dem Land umher
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Fünf schöne Jünglingsjahre;
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Ihm kommt kein Becher mehr zur Hand,
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Kein Kranz mehr in die Haare.

29
Bei seinen Feinden wohnt die Braut,
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Er weiß nicht, was sie treibet.
31
Er weiß nicht, ob sie weint oder lacht,
32
Und ob sie ein Anderer weibet.

33
Und wie das fünfte Jahr ist um,
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Wankt er zu Thorsteins Schwelle;
35
Der blinde Greis, dort sitzt er noch
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Im Gram auf der alten Stelle.

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Da stürzt der Jüngling vor ihn hin:
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»bei dir ist kein Vergeben,
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Ich lege mein Haupt in deinen Schoos,
40
Dein Fluch läßt mich nicht leben.«

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Dem Greise zuckt's wie Jugendkraft
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In seinen welken Armen,
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Die Fäuste fassen des Feindes Haupt,
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Sie fassen es ohn' Erbarmen.

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Doch als er hielt so fest gedrückt
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Das Haupt an seinen Lenden,
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Am warmen Leben schaudert's ihn
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Den Fluch doch zu vollenden.

49
Da kommt sein junger Enkel auch
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In Kindeslust gesprungen,
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Und um den Fremdling, wie zum Schutz,
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Hält er den Arm geschlungen.

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Jetzt will dem Alten, aufgethaut,
54
Die Faust nicht länger sich ballen,
55
Jetzt läßt er über des Jünglings Haupt
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Die Finger spielend wallen:

57
»deine Wang' ist weich, deine Stirn' ist hoch,
58
Dein Haar ist lang und flachsen;
59
Es sitzt das Haupt am besten doch
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Da, wo es ist gewachsen.

61
Ja, trag' es auf dem schlanken Hals
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In meinem Hof und Garten:
63
Du sollst an Sohnes Statt mein Feld,
64
So lang' ich's will, mir warten!

65
Fäll' Holz aus meinem Walde dort,
66
Bau' dir ein Haus daneben!
67
Jetzt wird mir wohl und däucht mir gar,
68
Mein Kind sei wieder am Leben.«

69
Der Jüngling schnellte sein Haupt empor,
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Hat rasch sich aufgeschwungen.
71
Dem blinden Greisen die Zähr' entquoll,
72
Die Thräne strömte dem Jungen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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