Der König feiert am Meer das Spiel

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Gustav Schwab: Der König feiert am Meer das Spiel Titel entspricht 1. Vers(1821)

1
Der König feiert am Meer das Spiel,
2
Es nahen Ritter und Fürsten viel,
3
Die Flut sie rufet und rauschet,
4
Die Sonne lächelt und lauschet.

5
Der König sprach: »Einst rang ich so gut,
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Einst fühlt' ich mein junges Königsblut
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Von Kraft und von Liebe schäumen,
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Heut möcht' ich von Jugend träumen!

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O säh' ich Einen kämpfen, wie mich!
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Wallt' Einem das Blut so königlich!
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Auf setzt' ich ihm wohl die Krone,
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Wie einem leiblichen Sohne!

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Schaut her, wie stralt mein Purpurgewand,
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Wie leuchtet das Kind an meiner Hand! –
15
Ich gäb' ihm den Mantel vom Leibe,
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Dazu die Tochter zum Weibe.«

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Da huben sich alle vom Fürstengeschlecht,
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Sie warfen den Speer, sie kämpften gerecht,
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Doch so ist's Keinem gelungen,
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Wie einst der Alte gerungen.

21
Der Jungfrau Blick irrt auf der Flut,
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Der Greis erschaut sich nicht Jugendmut,
23
Da kommt auf den wallenden Wogen
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Ein Schifflein herangeflogen.

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Drin rudert mächtig ein einz'ger Mann,
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Als hätt' er die Wellen in seinem Bann,
27
Den Kahn hat an's Land er geschwungen,
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Ist rüstig herausgesprungen.

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Ein Jüngling ist's im leichten Rock,
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Mit barem Haupt und gelbem Gelock,
31
Er trägt kein ritterlich Waffen,
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Ist doch zum Kampfe geschaffen.

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Die Ritter standen im Harnisch blank,
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Da war doch keiner so stark und schlank,
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Die Augen waren, die blauen,
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So blitzend an keinem zu schauen.

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Und kecklich tritt er in den Kreis,
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Das Haupt er neigt vor dem König leis,
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Doch vor der Maid, der süßen,
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Da beugt er es tief, zu grüßen.

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Dem König er gefiel so sehr,
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Er ließ ihm reichen Schild und Speer:
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»du bist ein herrlicher Knabe,
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In kühnem Kampfe dich labe.«

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Da warf er den Speer mit leichtem Schwung,
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Da rang er mit Fürstensöhnen jung,
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Mit seinen Armen, wie Schlangen,
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Hielt er die Gegner umfangen.

49
Wohl hat er getroffen das ferne Ziel,
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Hat niedergerungen der Ritter viel,
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Vor seiner Stärk' und Schöne
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Verbleichten die Heldensöhne.

53
Und rosig rot die Jungfrau ward,
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Und dem König däucht' er von rechter Art,
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Er zog von Schulter und Rücken
56
Den Mantel ab, ihn zu schmücken.

57
Er hieß ihn treten zum hohen Thron:
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»so sprich, von wannen du bist, o Sohn!
59
Dein Arm und dein Blick und die Thaten,
60
Die haben dich mir verraten!«

61
Der Knabe schaut an sein Purpurkleid,
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Anschaut' er die rosige, lächelnde Maid,
63
Nichts hat er auf weiter Erden –
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Denkt doch ein König zu werden.

65
Er sprach: »Mein Reich liegt fern so sehr,
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Weit drüben im tiefen, dunkeln Meer,
67
Dort steigt es aus dem Schaume.«
68
Der Jüngling sprach, wie im Traume.

69
Doch ragt sein Haupt aus dem Purpur hehr,
70
Als ob er darin geboren wär',
71
Es steht dem lockigen Sohne,
72
Als fehlt' ihm schon lang' die Krone.

73
Da rief der König: »Dein Blut ist echt,
74
Fürwahr du bist von Fürstengeschlecht,
75
Ich geb' dir den Purpur vom Leibe,
76
Nimm hin die Tochter zum Weibe!«

77
Ja, setze sie nur in deinen Kahn,
78
Du ruderst mächtig, so rudre voran,
79
Beginnt der Morgen zu grauen,
80
So folg' ich, dein Reich zu schauen!

81
Sie springen in's Schiff wohl Hand in Hand,
82
Der Kahn, er flieget hinaus vom Strand,
83
Es rudert durch Tag' und Nächte
84
Des Knaben gewalt'ge Rechte.

85
Die Jungfrau liegt ihm am Herzen weich,
86
Sie forscht und forscht nach des Buhlen Reich:
87
Sein Blick der sinket zu Grunde,
88
Als sucht' er es tief im Sunde.

89
Was hebet sich dort im Abendlicht?
90
Ein Fels ist's, dran sich die Woge bricht!
91
Was schaut herab in die Welle?
92
Eine Burg mit öder Schwelle.

93
»o schiffe vorüber am Eiland grau,
94
Vorüber schnell am verfallenen Bau,
95
Wo, beid' einander zum Grausen,
96
Nur Räuber und Geister hausen!«

97
Da spricht er: »Lieb, was wirst du bleich?
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O Lieb, das ist mein Königreich!
99
Hier mußt du Königin werden,
100
Kein andres hab' ich auf Erden!

101
Mein Vater war wohl stolz und reich,
102
Jetzt liegt er unter dem Hügel bleich,
103
Erschlagen, nicht sanft gestorben,
104
Sein Hab und Gut verdorben.«

105
Und sicher lenkt der Buhle den Kahn
106
Durch brandende Wogen die wilde Bahn,
107
Durch der Felsen ragende Zinken,
108
Wo moosige Thürme winken.

109
»o Knabe, wo ist das Brautgemach?« –
110
Dort zwischen den Mauern ohne Dach!
111
»wo harren die Edelknaben?« –
112
Dort fliegen und krächzen die Raben!

113
Da schaut er sie an, der Knabe spricht:
114
»o Maid, es kann dir gefallen nicht,
115
Nicht kann dich mein Reich ergötzen,
116
Du siehst es an mit Entsetzen!

117
Und eh' du verfluchest das Leben dein,
118
Eh' laß uns zusammen begraben sein,
119
Eh' laß zu den Felsenriffen
120
In den Strudel nieder uns schiffen!«

121
Er hält sie im Arme bleich und stumm,
122
Er dreht das Schiff in den Wellen um
123
Tief zwischen den steinernen Rippen;
124
Dann schleudert er's an die Klippen. –

125
Mit Segeln voll, mit Masten lang,
126
Mit froher Flagge, mit Freudengesang
127
Heranzieht ohne Sorgen
128
Des Königs Schiff am Morgen.

129
Der Greis sucht seiner Tochter Reich,
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Er sieht nicht an das Eiland bleich,
131
Er schifft im Hauch des Windes
132
Wohl über das Grab des Kindes.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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