Prolog, gesprochen in einem Concerte für Schleswig-Holstein

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Gustav Schwab: Prolog, gesprochen in einem Concerte für Schleswig-Holstein (1821)

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Im friedevollen Reich der Töne
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Vereinigt uns die Harmonie;
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Da herrscht sie noch in ihrer Schöne,
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Doch aus dem Leben schwindet sie:
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Denn draußen klafft ja die Entzweiung,
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Denn draußen stürmt ja die Parteiung,
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Die sich der Eintracht starr verschließt;
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Die Freunde trennt und Feinde koppelt,
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Den Haß verschärft, das Gift verdoppelt
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Und ätzend in die Wunden gießt.

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Ja, hütet ängstlich euch, ihr Stimmen,
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Die ihr zum Einklang fertig seid,
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Daß nicht den Mißlaut euch, den grimmen,
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Einhauche der entbrannte Streit.
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Was soll geschehen, was entstehen?
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Schon wieder liegt die Zeit in Wehen,
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Ein unheimliches Krachen ist's.
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Schon regt in Meinung und im Worte
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Der Krieg sich – drängt sich nach der Pforte
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Die Mißgestalt des Bürgerzwists.

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Wo eint sich der gespaltne Wille?
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Wo ist des Volkes Herz noch ganz?
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Wo ruht das Land der Waffenstille?
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Wo winkt das Elis Griechenlands?
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Wo sitzt auf seinem goldnen Throne
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Der Zeus Olympia's, die Krone
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Die unbestrittne, auf dem Haupt?
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Antlitz voll Majestät und Güte,
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Der Huld, des Heils lebend'ge Blüte,
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Wo lächelst du, geliebt, geglaubt?

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Land, das die heil'ge Sage feiert,
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Nach dem des Geistes Auge sieht;
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Aus dem Novemberqualm entschleiert
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Sich uns dein priesterlich Gebiet.
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Der Tempel stralet, wo der Richter,
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Der Völkerkämpfe letzter Schlichter,
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Der Nationenhirte, thront.
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Das Nicken seiner dunkeln Brauen
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Durchzückt die Welt mit frommem Grauen,
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Es scheut, was ihm zu Füßen wohnt.

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Die Wallfahrt nach des Rechtes Quelle
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Füllt seit Jahrtausenden den Pfad.
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Wer ist's, der heute dieser Schwelle
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Mit schwankem, krankem, Schritte naht?
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Ein Weib im schwarzen Wittwenkleide,
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Das Aug' von unnennbarem Leide
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Glänzt traurig durch der Schleier Flor.
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Welch ein Gefühl durchzückt uns Alle?
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Wie sehnlich zieht's uns nach der Halle,
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Wo

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Sie beut dem Mitleid, beut dem Spotte
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Ihr edles Haupt in Ruhe dar,
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Sie wirft sich nieder vor dem Gotte
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Und opfert an dem Hochaltar.
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Ein armer Scherf ist ihre Gabe,
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Von so viel alter, reicher Habe
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Blieb ihr kein besseres Geschenk.
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Von Schätzen nichts, noch stolzem Heere –
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Ein Seufzer nur der Völkerehre:
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»sei Schleswig-Holsteins eingedenk!«

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Erkennt das Volk, das dich gesehen,
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Gestützt auf einen Herrscherarm,
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Im Kaiserdiademe stehen,
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Germania! dich – ganz in Harm?
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Gepriesne Mutter edler Kinder,
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Auch jetzt im Jammer doch nicht minder
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Geliebte Mutter! zweifle nicht!
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Vergessen hier ist alle Fehde,
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Verstummt ist Red' und Gegenrede,
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Und einig macht uns

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Was auch das Herz mit Glut entflamme,
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Was auch von Freiheit wir geträumt,
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Verließen wir dich in dem Stamme,
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Der dein Gewand mit Blut umsäumt:
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Dem Dränger dann, dem nächsten, besten,
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Käm' er aus Osten oder Westen,
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Verfielen wir zu schnödem Raub;
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Ein Thon, nicht wert, daß man ihn knete,
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Ein Wurm, wert, daß man ihn zertrete,
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Du selbst – ein Name nur, ein Staub!

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Das wende Der, den du gerufen,
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Der Gott der Völker wend' es ab.
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Steh' auf von seines Tempels Stufen
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Und wiege deinen Herrscherstab.
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Der ist's, vor dem der Feinde Scharen,
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Von dir gezähmt, in grauen Jahren
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Vom Belt zum Tiberstrom gebebt.
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Unsterblich Weib! hoff' auf den Freier,
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Der dir mit kühner Hand den Schleier
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Von der umflorten Stirne hebt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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