Ein Kirchenbesuch in Stockholm

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Gustav Schwab: Ein Kirchenbesuch in Stockholm (1821)

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Vom rauschenden Gespräch, von der Begeistrung Glut
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Auf, folgt in's Kühle mir, zur feierlichen Stille,
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Wo fern, im
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Der unser Banner trägt, längst unterm Boden ruht.

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Im Süden dämmert's bald; hier zögert lang der Stral,
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Die Schwedensonne brennt mit ihrer nächt'gen Helle,
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Sie senkt sich in des Doms verschwiegenste Kapelle,
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Verklärt, die Wand entlang, Trophäen ohne Zahl.

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Verbleichte Fahnen blühn auf's Neu' in ihrem Gold,
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Und wie Geschmeide blinkt ein Strauß von Lanzenspitzen,
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Des Königs Schwerter sprühn, von Leipzig und von Lützen,
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Und Trommeln winken euch, drauf einst die Schlacht gerollt.

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Kein andres Mal; die Gruft hüllt glattes Estrich ein;
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Der graue Marmor spricht, geborsten und zerschlissen,
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Mit kurzer Schrift euch an, aus seinen Bodenrissen
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Steigt mahnend Staub empor und spielt im Abendschein.

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O schaut, o schauet hin! Die Sonne geht hinab,
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Doch weilt die Säule Staubs, aufsteigend aus den Platten;
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Seht, sie verdichtet sich, sie wird Gestalt und Schatten,
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Leibhaftig steht der Fürst vor euch auf seinem Grab.

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Er ist's, der Glaubensheld; so ritterlich, so groß
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Sah ich ihn jüngst von Stein in Nürnbergs Burghof lehnen,
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Den Koller um die Brust; er streckt die nerv'gen Sehnen –
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Doch nur zum Handschlag – aus: denn er ist

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Ja sanft erscheinest du, du Löw' aus Mitternacht,
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König im Goldgelock, entkleidet von dem Schrecken,
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Der an den Wänden hängt; die Waffen, so dich decken,
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Sind ganz Gerechtigkeit, ganz Wahrheit, Friedenstracht.

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Jahrhundertklüfte weit liegt hinter dir der Krieg,
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Die unbewehrte Hand will unsre Sache stützen;
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Kein Schwert, dein Herzblut nur bringst du uns mit von Lützen.
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Das ist noch nicht verraucht, das bürgt uns für den Sieg.

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Zum allerfrömmsten Werk begleitet uns dein Geist:
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Dem Docht, der einsam glimmt, Oel zu der Flamme spenden,
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Dem Glauben Hütten baun, dem Glauben Lehrer senden,
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Den Frieden bringen, den des Meisters Mund verheißt.

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»in Gottes Namen dran!« so riefst du vor dem Tod,
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Und dreimal ließest du den heil'gen Namen hören,
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Den Namen unsres Herrn, der in viel tausend Chören
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Durch Erd' und Himmel schallt, ein Trost für jede Not.

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In Jesu Namen dran! an's Werk der Einigkeit!
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Du willst der Führer sein – ein Jeder wird es kennen –
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Du willst der Führer sein – man braucht dich nicht zu nennen –
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Du ziehest vor uns her im schlichten Reiterkleid. –

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Der Schatten winkt, entschwebt, und Nacht bedeckt den Stein.
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Doch draußen ist es Tag, und wehen die Standarten.
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Hinaus, wo Brüder uns in Drang und Not erwarten!
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Und unser Feldgeschrei?

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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