An einem Sonnentage

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Gustav Schwab: An einem Sonnentage (1821)

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Gewischt vom Himmel ist der trübe Flor,
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Das Heer der Regenwolken ist verstoben,
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Smaragden steigt der Berg ins Blau empor,
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Mit einem Netz von Sonnenglanz umwoben,
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Von goldnen Wipfeln schallt der Vögel Chor,
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Klar sind die Bäche, wie der Himmel droben;
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Durch alle Schöpfung ging ein blühend: Werde!
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Du seliger Planet – bist du die Erde?

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Solch Wunder thut noch immer die Natur,
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Verklärt sich mitten in den trübsten Tagen,
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Der Welt der Geister, der verdumpften, nur
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Soll keine Stunde der Erlösung schlagen?
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Vom Blitz gezeichnet, von des Hagels Spur,
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Soll stets dieß Reich in schwarze Lüfte ragen?
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Hört unsre Zeit, noch taub von Einem Wetter,
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Schon wieder eines nahenden Geschmetter?

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Wo ihr ihn sucht, da findet ihr ihn nie,
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Den reinen Himmel und den heitern Frieden.
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Sucht nicht bei'm Leben! Nacht und Kampf ist hie,
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Nie wird die Finsterniß vom Licht geschieden!
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Doch wendet einmal euch zur
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Die ihr, im Drang nach Tag, so lang gemieden:
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Vertraut euch ihrer Dämmernacht und träumet,
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Dort wohnt die Klarheit, die hier immer säumet.

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Im Quell der Dichtung wird euch viel bescheert,
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Da sprudelt Freiheit, Liebe, Glück und Jugend;
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Ein Becher ohne Hefe wird geleert,
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Sein lautrer Trank hat seltne Kraft und Tugend;
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Der Blick ins Leben selber wird verklärt:
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Nicht mehr mit hohlem Aug' ins Schwarze lugend,
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Bringt einen Stral ihr von erträumter Sonne
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Ins Erdendunkel aus des Liedes Bronne.

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Und dieser Stral durchschimmert alle Welt,
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Und dieser Stral durchleuchtet die Geschichte.
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Wohin ein Streiflicht seines Glanzes fällt,
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Wird alles Grau der Schatten schnell zum Lichte.
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Sie taucht empor, von Rosenglut erhellt,
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Die Hoffnung mit dem Engelangesichte –
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Drum nah'n in finstrer Zeit euch unsre Lieder:
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Aus ihnen funkle jene Sonn' euch wieder!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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