3. An das Wasser

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Gustav Schwab: 3. An das Wasser (1821)

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Wir stehen an des Jahres Schwelle,
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Ein Thor der Zeit ist aufgethan;
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Doch hinter uns wogt deine Welle,
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Du tobend Element, uns an.
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Wir blicken rückwärts noch mit Schrecken;
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Folgst du uns durch die Pforte nach?
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Willst wieder unsre Fluren decken
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Und wallen über unser Dach?

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Was in der Zukunft sei verborgen,
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Wir brüteten darob ein Jahr,
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Wir stritten uns um unsre Sorgen –
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Da braust uns nahe die Gefahr;
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Die Völker hören auf zu hadern,
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Sie schweigen staunend, graun-erfüllt,
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Indeß dein Strom aus allen Adern
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Der alten Erde zornig quillt.

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Willst du den Boden wieder fressen,
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Der einst entstiegen deinem Schooß?
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Zürnst du dem Menschen, der vermessen
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Dich furchet auf dem stolzen Floß?
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Der spielend, mit beseelten Dämpfen,
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Durch deine wilden Wogen schlüpft,
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Und trotz der Winde grimmen Kämpfen
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Das leichte Boot an's Ufer knüpft?

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Du wirst ihn doch nicht unterwerfen:
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Aus deiner Tiefe strömst du nur,
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Ihm dessen Willen einzuschärfen,
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Der Herr ist über die Natur;
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Erkennet er des Schöpfers Stärke,
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Und übt in Demut seinen Geist,
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So schützt ihn der bei'm guten Werke,
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Der deine Flut sich legen heißt.

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Er brauchet dich zu seiner Ehre,
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Sein Wort bezeichnet dir die Bahn;
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Hier schwellest du den Fluß zum Meere,
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Und klopfest an Pallästen an;
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Dort schützest du der Helden Nachen,
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Die stolzer Dränger Schrecken sind,
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Und wiegst die Freiheit im Erwachen
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Auf deinem Pfühl, das zarte Kind.

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Und wo mit unbarmherz'gen Fluten
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Dein Strom des Armen Flur erreicht,
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Da öffnet Gott die Hand der Guten,
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Da wird des Nachbarn Herz erweicht;
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Da sprießt in tausend goldnen Aehren
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Die reiche Saat des Mitleids auf,
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Und, wo er meinte zu verheeren,
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Entkeimet Segen deinem Lauf.

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So diene denn dem Herrn der Erde
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Im neuen Jahr, du dunkle Kraft!
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Wir glauben, daß er schirmen werde,
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Was Leib und Seele Heil verschafft.
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Und ob den Himmel Nacht umzogen,
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Und ob ein Sturm die Welt durchweht:
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Wir sehen seinen Friedensbogen,
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Der über allen Wassern steht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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