Prolog

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Gustav Schwab: Prolog (1821)

1
Zu feiern einen Schmaus dem Ohre
2
Durchzogen wir bekränzte Thore,
3
Gleich Kämpfern auf olymp'scher Bahn;
4
Den Musen, wie in alten Tagen,
5
Ist hier ein Lager aufgeschlagen,
6
Zum Wettsang strömt das Volk heran.

7
Wie heißt die Stadt, zu der wir wallen,
8
Mit ihren Thürmen, ihren Hallen?
9
O hätt' ich einen Pindarsmund!
10
Wie flösse mir am Tag der Lieder
11
Die Hymne von der Lippe nieder,
12
Und thät' ihr Lob den Horchern kund!

13
Erst eilt des Neckars leise Welle
14
Vorbei an einer kleinen Zelle,
15
Drin ruht ein Heiligengebein:
16
Doch schon ist es ein Platz der Ehren,
17
Und mit des Reiches Glanze kehren
18
Schon deutsche Könige hier ein.

19
Und bald, wie Staufens großen Söhnen
20
Verliehen wird ihr Haupt zu krönen,
21
Und nun die Schwaben Meister sind,
22
Da dehnet sich die enge Klause,
23
Da wurdest du im Königshause,
24
O Stadt! ein sorgenfreies Kind.

25
Der Rothbart baut an deinem Thurme,
26
Der Philipp nimmt in Kampf und Sturme
27
Doch deiner jungen Mauern wahr.
28
Des größten Friedrichs Adler schmücket
29
Dein graues Thor, und unverrücket
30
Bewacht es noch sein Löwenpaar.

31
O Zeit des schwäbischen Gesanges!
32
Da rauschte brüderlichen Klanges
33
Das Lied zum Neckarwellenschlag;
34
Ein Meister war auch dir gegeben,
35
Du Stadt der Blüten und der Reben,
36
Der sang von deinem Maientag.

37
Auch dieses Haus ward jetzt gegründet,
38
In dem sich unser Lied entzündet;
39
Der Staufe Heinrich baut' es aus;
40
Doch fiel er vom geraubten Throne,
41
Da nahm sein Weib vom Haupt die Krone,
42
Und trat mit ihr

43
»ihr Mönche, gebt dies Gold den Armen,
44
Ihr Mönche, flehet um Erbarmen,
45
Fleht für die Seele meines Herrn!« –
46
Wert ist dies Weib, daß man sein denket,
47
Das auch der Krone Gold verschenket,
48
Als unterging der Ehre Stern.

49
Bald bleichten, Stadt, auch deine Sterne,
50
Als nun ein Henker in der Ferne
51
Das Beil für Staufens Enkel schliff;
52
Da sang der Meister deiner Schule:
53
Er warnte Gott auf seinem Stuhle,
54
Als Habsburg nach der Krone griff.

55
Doch war in dem kein Feind gekommen,
56
Ein Bürgerfreund, ein Freund der Frommen;
57
Dir wurde Rudolph herzlich lieb.
58
Er baut an Kirchen dir und Brücken,
59
Er stärkt die Burg in deinem Rücken,
60
Er sichert dich vor jedem Dieb.

61
Da wardst du groß im Lauf der Zeiten,
62
Und um dich buhlen, um dich streiten
63
Zween Könige mit Heeresmacht.
64
Sie sprengen in des Neckars Fluten
65
Mit Roß und Mann, die Wasser bluten –
66
Im Frieden schaust du auf die Schlacht.

67
Im Frieden baust du kühn aus Quadern
68
Die Kirche, die den Ast von Adern,
69
Den schlanken Thurm zur Höhe treibt;
70
Es stehn die hellen Fensterbogen
71
Mit lichten Bildern überzogen,
72
In deren Glas die Sonne bleibt.

73
Nun waren deine Tempel fertig
74
Und ihres Gottes neu gewärtig;
75
Da zückt herein der Morgenstral,
76
Erneut, gereinigt ist der Glaube,
77
Es reifet deine dunkle Traube
78
Jetzt für den

79
Und alles Schöne muß gedeihen,
80
Die Künste blühn, die Bürger reihen
81
Sich ein zum wackern Meistersang,
82
Und lieblich läßt die Stimme tönen
83
Ein heller Chor von deinen Söhnen,
84
Gelehrig, zu der Orgel Klang.

85
Zwar kam noch Manches, dich zu quälen,
86
Wovon die Enkel noch erzählen,
87
Und Krieg und Pest ging über dich;
88
Doch blieb dein stattlich Bürgerleben,
89
Und dein erfinderisches Streben
90
Rührt fröhlich an dem Strome sich.

91
Und auch vom Berg dein Nachbar droben,
92
Mit dem sich Fehde lang erhoben,
93
Hat dir an Ehre nichts geraubt;
94
Sein glücklich Kind bist du zu schauen,
95
Du lehnest dich, mit Selbstvertrauen,
96
Geschirmt an sein gekröntes Haupt.

97
Zeig' immer stolz dein Prachtgelände,
98
Die schmucken Werke deiner Hände,
99
Dein Thal vom Segen Gottes voll,
100
Und deine grauen Altertümer,
101
Der Burg und der Kapellen Trümmer,
102
Die Kindeskind noch schauen soll.

103
Du pflegst auch unsres Liedes Blüte,
104
Nimm unsern Dank für deine Güte,
105
Für gastlich aufgethanes Thor.
106
Den
107
Es hall' ein rein, ein kräftig Singen,
108
Ein Lobgesang in Aller Ohr!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.