Zur Todesfeier der verewigten Königin Katharina von Württemberg

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Gustav Schwab: Zur Todesfeier der verewigten Königin Katharina von Württemberg (1821)

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Der Herzen Zug, die gern zusammentrauern,
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Hat euch zu diesem ernsten Fest verbündet;
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Ihr kamt, des Redners Wort in diesen Mauern
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Zu hören, das die Sehnsucht neu entzündet.
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Dann hat Musik mit ihren heil'gen Schauern
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Euch euer eigenes Gefühl verkündet.
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Die Dichtkunst schließt sich an der Töne Klagen:
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Was ist ihr Amt, was soll die Muse sagen?

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Ihr himmlisch Vorrecht ist, in ew'ges Leben
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Das Schöne, das der Welt entflieht, zu fassen:
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Der Nachempfindung soll sie Dauer geben,
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Die uns vom Guten bleibt, das uns verlassen;
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Sie soll sein Bild aus goldnen Stralen weben,
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Und vor die Augen halten es, die nassen;
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Sie soll die Fürstin, über der wir weinen,
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Im Glanz des Lebens lassen uns erscheinen.

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Drum weg aus diesen florumhüllten Wänden,
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Die Muse führet uns in jene Zeit,
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Wo Kunde kam, daß an des Nordens Enden
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Ein Volk der Flamme seine Stadt geweiht,
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Wo sich begann des Himmels Zorn zu wenden,
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Und wo sein Winter uns zuerst befreit.
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Seht ihr
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In jener Freiheit Morgenröte wallen?

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Nicht müßig schlägt ihr Herz nur bei den Kämpfen,
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Sie sammelt selbst, sie wappnet eine Schar,
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Dem Schlachthorn folget
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Und steht an Frankreichs Grenze mit dem Zar.
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Jetzt unterliegt der zarte Leib den Krämpfen,
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Ihm droht vom mächt'gen Geiste die Gefahr:
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Da kam der Bote von Paris geeilet.
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Und sie stand auf und wandelte geheilet.

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Den Heldenmut nach Würdigkeit zu lohnen
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Erschien die Liebe von des Himmels Höh'n,
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Bis sie sich einen Sieger ausersehn;
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Den Königssohn, dem frische Lorberkronen
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Um seine jugendlichen Schläfe wehn.
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Der Freiheitskämpfer hat die Braut gefunden,
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Der heut'ge Tag ist's, ach! der

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So kam die Fernbewunderte gezogen,
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Und ließ sich leuchtend sehen in dem Land;
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Entgegen strömten
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Es deutete manch ausgestreckte Hand
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Dem Nordschein zu, der an des Himmels Bogen,
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Doch als ein Segen bringend Zeichen, stand.
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O dieses wunderschöne Licht aus Norden,
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Warum ist's nicht zur vollen Sonne worden?

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Die Fürstin kam, in
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Nicht blos das Feuer, das den Völkerkrieg
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Entflammen half, den Zweifelmut verbannte,
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Den Männern selbst vorleuchtete zum Sieg;
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Das Feuer auch, das milde Stralen sandte,
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Aus dem der Geist des Friedens schaffend stieg;
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Und wie
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Sah man ihr Herz am ganzen Volke hangen.

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Schnell ahnet Liebe, wo es gilt, zu retten,
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Leicht war das Wohlthun in der großen Not;
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Doch alle Kräfte so zusammenketten,
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Daß Eins dem Andern Hilf' und Leben bot;
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Und aufzurichten jene Segensstätten,
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Wo Leib und Seele fand ihr täglich Brot: –
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Das konnte nicht dem
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Ein königlicher

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Und als das Werk stand in der schönsten Blüte,
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Als die vom Sturm ermüdete Natur
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Zu diesem Thun das Füllhorn ihrer Güte
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Belohnend ausgoß auf die weite Flur,
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Und
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Des Herrn mitschaffende Gewalt erfuhr;
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Und nun die guten Jahre sollten kommen:
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Ward solche Königin von uns genommen.

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Wohl Manchem macht jetzt eines von den schönen,
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Den weisen Worten Ihres Mundes auf;
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Das wird der Muse Stammeln übertönen,
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Und leuchtender beschwört's Ihr Bild herauf,
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Und sprechen werden die beredten Thränen,
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Die aus der Hütte nehmen ihren Lauf:
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Ja, zeuget mir, ihr Armen, Kranken, Wunden!
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Ob ihr das Wirken dieser Frau empfunden!

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Und wohin soll nun diese Lieb' und Treue,
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Die schmerzlich uns im wunden Herzen brennt?
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Wen haben wir, der sich daran erfreue,
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Der den Gefühlen eine Stätte gönnt?
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O blickt auf Ihn, dem jeden Tag auf's Neue
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Die Sehnsucht Ihren theuren Namen nennt!
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Laßt Ihn die Tiefen unsrer Liebe schauen,
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Laßt uns mit Ihm der Herrin Denkmal bauen.

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Ein Denkmal bauen Ihrem freien Streben,
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Das einst zerriß der Sklaverei Geflecht,
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Ein Denkmal, das auf ew'ge Zeit Ihr Leben
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Verherrliche bei'm kommenden Geschlecht;
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Auf Ihrem Grabe soll sich stolz erheben
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Des Thrones Würde, wie des Volkes Recht:
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So halte sich, von Ihrem Geist durchdrungen,
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In Liebeseintracht Fürst und Volk umschlungen!

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Und dann ein Denkmal Ihrem frommen Sinne,
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Der mütterlich das ganze Land gepfleget;
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Das Armenhaus, die Schule werd' es inne,
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Daß noch Ihr Herz in tausend Herzen schläget;
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Und stets vollkommnere Gestalt gewinne,
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Was Sie geschaffen, was Sie angereget,
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Und Ihre Zucht und Ihre reine Tugend
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Soll Tempel bau'n im Herzen unsrer Jugend.

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Und weiter braucht das Lied euch nicht zu sagen,
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Denn unsre Seelen füllet Ihre Nähe;
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Und Antwort kommt auf alle bangen Fragen,
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Auf alle Zweifel nieder aus der Höhe.
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Gehoben sind wir über eitle Klagen:
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Der Wille des Allwaltenden geschehe!
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Jetzt laßt die heiligen Gesänge fließen,
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Um Ihres Bildes Glorie sich ergießen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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