6. Heimweh

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Gustav Schwab: 6. Heimweh (1821)

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Es wecken mich Gedanken auf;
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Noch schläft ringsum die Nacht.
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Und schon beginn' ich meinen Lauf,
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Der Mond schleicht vor mir sacht.

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Wie ängstet mich sein blaues Licht,
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Wie schweigt der lange Wald!
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Kein Lüftchen, keine Quelle spricht,
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Die Welt starrt leichenkalt.

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Und ein Gefühl von schlimmer Art
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Schnürt mir die Seele zu:
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Fehlst, Schöpfer, deß Allgegenwart
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Natur sonst fühlt, auch du? –

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Wär' ich zu Haus mit meinem Schmerz
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Bei meiner Jugend Weib,
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Und legt' ihr an das treue Herz
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Den zagen Geist und Leib!

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Ob sie wohl jetzt in Frieden ruht,
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Die Kinder um sie her?
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Kreist ihr und ihnen leicht das Blut,
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Und athmet keines schwer?

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Weiß ich, ob eines wimmernd nicht
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Die Mutter plötzlich weckt,
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Ob nicht sein glühend Angesicht
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Des Fiebers Scharlach deckt?

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Wald, laß mich los, du bist ein Grab!
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Mond, scheine nicht so bleich!
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O werd' ein Flügel, Wanderstab!
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Wildfremder Boden, weich!

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Und jetzt umhaucht es kräftig mich;
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O Frühe, bist es du?
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Der grüne Kerker öffnet sich!
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Nur zu, nur immer zu!

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Schon liegt die Welt vor mir in Duft,
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Schon perlet auf der Au'
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Das Kind des Mondes und der Luft,
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Der morgenhelle Thau.

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Dort steigt der Sonne goldnes Rund,
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Und Gott ist wieder da.
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Ich frage bang: sind sie gesund?
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Das Licht sagt lächelnd: Ja!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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