Die Feuerwerkerstochter

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Gustav Schwab: Die Feuerwerkerstochter (1821)

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Auf waldigem Boden, im grünen Moose
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Umwebt's den Baum, wie Schimmer der Rose,
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Wie Nelkendunkel, wie Tulpenlicht,
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Wo liebliche Jugend den Reigen flicht.

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Schwarzbraune Maid, die schlanke, bleiche,
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Die tanzt am fliegendsten um die Eiche,
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Hat Augen reg wie ein Sonnenreif,
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Und Brauen schwarz wie ein Pulverstreif.

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Vor ihrer Blicke Stralengarben
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Erlöschen die Blumen, die rosigen Farben,
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Sie steigt aus Allen, sie strebt mit dem Wind:
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Drum ist sie des Feuerwerkerskind.

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Erwachsen unter den glühenden Sonnen,
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Besprengt vom Stral der sprühenden Bronnen,
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Bewacht vom äugelnden Feuerrad,
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Das Haupt gekehrt zum Raketenpfad;

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So ist sie gediehen, zum Glanz erlesen,
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Die kühne Gespielin der feurigen Wesen,
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Sie mischt in heitere Jugendpracht
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Die plötzliche Flamme, den Ernst der Nacht.

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Ein Knabe steht abseits vom Reigen,
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Versunken in süßes, schauendes Schweigen,
23
Er blickt aus schwarzem Auge so hell:
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Das ist des Feuerwerkers Gesell.

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Und was er von farbigen Feuern geboren,
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Das flieget, das braus't ihm vor Augen und Ohren,
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Die hellen Springquellen, das römische Licht;
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Er lauschet mit Wonne dem innern Gesicht.

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Doch nach dem Schimmer und nach dem Gesause
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Schleicht er geblendet, betrübt nach Hause,
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Die Sonne sinkt, der Morgen glüht,
32
Sein Feuerglück hat ausgeblüht.

33
Nur rußiges Korn wird jetzt gedroschen,
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Die Jungfrau sitzt und spinnt erloschen,
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Kein Funk' aus ihrem Auge hellt
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Des finstern Stübchens öde Welt.

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In stiller Hoffnung schafft der Junge,
38
Stampft voll die Form zu künftigem Schwunge:
39
»bald loderst auf, du schlummerndes Korn!
40
Bald springt auch der Liebe vergrabener Born.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Gustav Schwab
(17921850)

* 19.06.1792 in Stuttgart, † 04.11.1850 in Stuttgart

männlich, geb. Schwab

deutscher Gymnasiallehrer, evangelischer Pastor, Schriftsteller und Herausgeber

(Aus: Wikidata.org)

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