Ein Weiser, der schon viel erforschet

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Karoline von Günderode: Ein Weiser, der schon viel erforschet Titel entspricht 1. Vers(1793)

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Ein Weiser, der schon viel erforschet,
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Doch nie des Forschens müde war,
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Gelangte einst zum Indier Lande,
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Nach manchem langen Wandrungsjahr.

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Die Priester dieses Landes rühmen
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Sich viel geheimer Wissenschaft,
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Sie wissen Seyn und Schein zu trennen,
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Und kennen aller Dinge Kraft.

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Zum Schüler läßt sich Valus weihen,
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Verbindet sich durch einen Eid,
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Geheimnißvoll, zu diesem Orden,
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Wie es der Priester ihm gebeut.

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Wie eitel all sein vorig Wissen;
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Das siehet bald schon Valus ein,
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Kannt' er doch nie der Dinge Seele
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Begnügt' an Namen sich und Schein.

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Eins sieht er nun in jeder Summe,
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Sieht den Naturgeist immer neu
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Und immer alt in ew'gem Wandel
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Wie er in allen Formen sey.

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Jetzt kann er die Natur belauschen,
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Er kann ihr tiefstes Wirken schaun,
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Weiß, wie die Stoffe sich vermählen
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Und wie die Erden sich erbaun.

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Jetzt giebt man ihm die dritte Weihe,
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Ein Vorzug wen'ger Weisen nur;
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Denn sie, die alles sonst durchschauten
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Beherrschen jetzo die Natur.

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Nachdem er dreimal so geweihet,
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Hat er den großen Schritt gethan,
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Der seines Lebens lange Reise
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Geschieden von der Menschheit Bahn.

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Viel Zeiten gehn an ihm vorüber,
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Er siehet die Geschlechter fliehn,
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Und bleibt allein in allem Wandel,
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Indes die Dinge kommen, ziehn.

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Nachdem er oft den Kreis gesehen
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Den immer die Natur gemacht,
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Ergreiffen Schauder seine Seele,
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Denn Alles kehrt wie Tag und Nacht.

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Der Neuheit Reiz ist ihm verlohren,
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Er kennet was die Erde trägt,
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Er findet sich allein auf Erden,
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Die Menschen sind nicht sein Geschlecht.

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Geleert hat er des Lebens Becher
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Und lebet immer, immer fort.
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Er kann dem Meere nicht entsteigen
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Und hat gelandet doch im Port.

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Weh' dem! ruft er: der auf dem Gipfel
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Des Daseyns also stille steht.
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Nicht Ew'ges kann der Mensch ertragen,
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Und wohl ihm, wenn er auch vergeht.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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