Nathos schiffet durch den Strom der Woogen

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Karoline von Günderode: Nathos schiffet durch den Strom der Woogen Titel entspricht 1. Vers(1793)

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Nathos schiffet durch den Strom der Woogen
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Ardan, Althos, seine Brüder mit,
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Erins König, Caibars Zorn zu meiden
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In geheimnißvolle Schatten kleiden
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Dunkle Wolken ihren fliehnden Schritt.

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Wer? o Nathos! ist an deiner Seite!
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Traurig seufzt im Wind ihr braunes Haar
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Lieblich ist sie, wie der Geist der Lüfte,
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Eingehüllt in leichte Nebeldüfte;
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Schön vor allen Collas Tochter war.

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Ach Darthula! deine irren Segel
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Eilen nicht dem wald'gen Etha zu.
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Seine Berge heben nicht die Rücken
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Und die Seeumwogten Küsten bücken
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Turas Felsen schon dem Meere zu.

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Wo verweiltet ihr des Südes Winde?
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Schwelltet Nathos weiße Segel nicht?
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Trugt ihn nicht zum heimathlichen Strande?
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Lange blieb er in dem fremden Lande
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Und der Tag der Rückkehr glänzt ihm nicht.

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Schön, o König Ethas! warst du in der Fremde;
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Wie des Morgens Strahl dein Angesicht.
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Deine Locken, gleich dem Raben, düster
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Deine Stimme, wie des Schilfs Geflüster
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Wenn der Mittagswind sich leise wiegt.

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Deine Seele glich der Sonne Scheiden,
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Doch im Kampfe warst du fürchterlich.
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Brausend wie die ungestümen Woogen
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Wenn vom Nord die stürm'schen Winde zogen
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Stürztest du auf Caibars Krieger dich.

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Auf Selamas grau bemoosten Mauern
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Sah dich Collas Tochter, und sie sprach:
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Warum eilst du so zum Kampf der Speere!
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Zahlreich sind des düstern Caibars Heere.
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Ach! und meiner Liebe Furcht ist wach.

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Freuen wollt ich dein mich, deiner Siege
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Aber Caibars Liebe läßt mich nicht.
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So sprachst du. Jetzt haben dich die Woogen
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Mädchen! und die Stürme dich betrogen,
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Nacht umringt dein schönes Angesicht.

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Aber schweiget noch ein wenig Winde!
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Ueberbraust Darthulas Stimme nicht!
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Fürst von Etha! sind dies Usnoths Hallen?
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Jene Ströme die von Felsen fallen
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Sind es Ethas blaue Ströme nicht?

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Hier empöret Erin seine Berge,
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Ethas Felsenströme brüllen nicht.
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Dennoch ruh hier an des Ufers Hügel
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Denn mein Schwerd umgiebt wie Blitzes Flügel
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Dich du Liebliche, du schönes Licht.

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Nathos: sagt das braun gelockte Mädchen,
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Niemand hat Darthula außer dich,
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Denn die Freunde sind mir früh gefallen,
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Las um sie noch meine Klage schallen
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Hör der Trauer Stimme, höre mich.

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Abend ward einst, in der Wehmuth Schatten
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Bargen meines Landes Eb'nen sich,
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Ueber hoher Wälder Wipfel schritten,
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Einzle Lüfte, die aus Wolken glitten,
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Da umgaben Trauerschatten mich.

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Die Gestalten meiner Freunde gingen,
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Traurig, Geistern gleich, an mir dahin.
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Da kam Colla mit gesenktem Schwerdte
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Seinen Blick geheftet an die Erde,
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Brennend glühte noch die Schlacht darin.

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»collas letzte einzige Hoffnung sprach er;
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Braungeloktes Mädchen! Truthil fiel.
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Siegreich kehrt dir nicht der Bruder wieder,
69
Zu Selama naht Erins Gebieter,
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Mit ihm Tausende im Schlachtgewühl.«

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Ist des Kampfes Sohn gefallen? seufzt' ich!
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Hat der lange Schlaf sein Aug verhüllt?
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O! so schütze mich der Jagden Bogen
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Glücklich oftmahls meine Pfeile flogen,
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Tödlich für das dunkelbraune Wild.

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Freud umstrahlt den Greisen. Ja Darthula!
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Deine Seele brennt in Truthils Glut,
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Geh', ergreif das Schwerdt vergangner Schlachten!
79
Also Colla: seine Worte fachten,
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Höher noch in mir des Kampfes Muth.

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Wehmuthsvoll vergieng die Nacht, am Morgen
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Schimmerte im Stahl der Schlachten ich. –
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Caibar saß zum Mahl in Lonas Wüste,
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Als Selamas Waffengang ihn grüßte;
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Seine Führer rief er da zum Krieg.

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Warum soll ich Nathos! dir erzählen
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Von des Kampfes schwankendem Geschick?
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Ach! umsonst bedeckt von meinem Schilde,
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Sank der Vater mir im Schlachtgefilde,
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Und in heißen Thränen schwamm mein Blick.

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Treulos zeigte da des Mädchens Busen,
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Caibar mein zerrissenes Gewand;
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Freundlich naht er, sprach der Liebe Worte,
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Führte mich zu meiner Väter Pforte,
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Aber Trauer meine Stirn umwand.

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Da erschienst du Nathos! meinen Augen,
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Freundlich wie ein Abendlich Gestirn.
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Caibar schwand vor deines Stahles Sprühen
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Wie der Nachtgeist vor des Morgens Glühen,
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Doch es wölbte Trauer deine Stirn?

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Meine Seele glänzte in Gefahren
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Eh' ich dich, du schönes Licht! gesehn.
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Aber unsre Segel sind betrogen,
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Wolken, kommen gegen dich gezogen.
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Und du wirst in ihrer Nacht vergehn.

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Oscar weilest noch an Selmas Küste!
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Oscar schiffe durch das dunkle Meer!
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O daß Winde deine Segel schwellten!
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Zittern würden dann Temoras Helden.
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Friede wäre um Darthula her.

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Wo wird Nathos deinen Frieden finden?
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Wo Darthula? wo ist für dich Ruh?
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Geister der Gefallnen! sprach Darthula;
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Truthil! Colla! Führer von Selama!
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Winkt ihr mir aus euren Wolken zu!

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Nathos! reiche mir das Schwerdt der Tapfern,
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Vater! ich will deiner würdig seyn,
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In des Stahles Treffen werd' ich gehen,
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Nimmer Caibars düstre Hallen sehen,
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Nein! ihr Geister meiner Liebe! nein!

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Freude glänzt in Nathos bei den Worten,
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Die das schöngelokte Mädchen sprach:
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Caibar, meine Stärke kehret wieder!
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Komm mit Tausenden, Erins Gebieter!
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Komm zum Kampfe! meine Kraft ist wach!

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Ja er kömmt mit Tausenden! rief Ardan;
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Schreckbar tönet ihrer Schwerdter Schall. –
128
»laß zehntausend Schwerdter sich empören:
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Usnoth soll von Nathos Flucht nicht hören,
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Ardan! sag ihm; rühmlich war mein Fall.

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Winde, warum brausen eure Flügel?
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Woogen! warum rauscht ihr so dahin?
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Wellen! Stürme! denkt ihr mich zu halten?
134
Nein, ihr könnts nicht, stürmische Gewalten
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Meine Seele läßt mich nicht entfliehn.

136
Wenn des Herbstes Schatten wiederkehren,
137
Mädchen! und du bist in Sicherheit,
138
Dann versammle um dich Ethas Schönen,
139
Las für Nathos deine Harfe tönen,
140
Meinem Ruhme sey dein Lied geweiht. –

141
Nathos blieb gestüzt auf seinem Speere;
142
Schaurig pfiff der Nachtwind um ihn her
143
Aber bei des Morgens erstem Strahle,
144
Drang er vorwärts mit gezücktem Stahle,
145
Mit dem Führer eilt Darthula her.

146
Komm zum Zweikampf! ruft er Fürst Temoras!
147
Für Selamas Mädchen! – Caibar spricht:
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Stolzer, du entflohst mir mit der Schönen
149
Wähnst du, Caibar kämpft mit Usnoths Söhnen?
150
Nein, er kämpft mit Unberühmten nicht.

151
In des königlichen Nathos Augen
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Glänzen Thränen; und er wendet sich
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Zu den Brüdern, ihre Speere fliegen
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Rache dürstend, und gewiß zu siegen
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Erins Reihn verwirren schwankend sich.

156
Da ergrimmet Caibars finstre Seele,
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Und er winket, tausend Speere fliehn,
158
Usnoths Söhne sinken wie drei Eichen,
159
Die zur Erde ihre Wipfel neigen,
160
Wenn des Nordens Stürme sie umziehn.

161
Gestern sah sie noch der Wandrer blühen
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Ihre stolze Schönheit freute ihn,
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Heute beugte sie der Sturm der Wüste,
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Sie, die gestern noch die Sonne grüßte,
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Sprachlos starret Collas Tochter hin.

166
Höhnend naht ihr Caibar, Mädchen sahst du
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Nathos Land, in fernes Blau gehüllt?
168
Oder Fingals dunkelbraune Hügel?
169
Ha! entrannst du auch des Sturmes Flügel,
170
Ueber Selma hätte meine Schlacht gebrüllt.

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Caibar sprachs. Da rauscht ein Pfeil, getroffen
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Sinkt sie, und ihr Schild stürzt vor sie hin.
173
Wie des Schnees Säule sank sie nieder,
174
Ueber Ethas schlummernden Gebieter,
175
Spreiten sich die dunklen Locken hin.

176
Da versammelten die hundert Barden
177
Caibars, um Darthulas Grabmal sich
178
Ihre Harfen rauschten um den Hügel,
179
Und es schwang sich des Gesanges Flügel,
180
Für der Mädchen Erins Schönste! dich!

181
Trauer schreitet an Selamas Strömen,
182
Schweigen wohnet in den Hallen nun.
183
Collas Tochter sank zum Schlafe nieder
184
O! wann grüßest du den Morgen wieder?
185
Schöngelockte! wirst du lange ruhn?

186
Weit entfernet ist dein Morgen, nimmer!
187
Stehst du mehr in deiner Schönheit auf;
188
Ach! die Sonne tritt nicht an dein Bette,
189
Spricht, erwach aus deiner Ruhestätte!
190
Collas schöne Tochter! steig herauf!

191
Junges Grün entkeimet schon dem Hügel,
192
Frühlingslüfte fliegen drüber her.
193
Sonne birg in Wolken deinen Schimmer!
194
Denn sie schläft, der Frauen Erste! nimmer
195
Kehret sie in ihrer Schönheit mehr.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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