1
Hast du das Leben geschlürft an Parthenope's üppigem Busen,
2
Lerne den Tod nun auch über dem Grabe der Welt.
3
Zwar es umlächelt die Erde von Latium heiterer Himmel,
4
Rein am entwölkten Azur bildet sich Roms Horizont,
5
Wie es die Ebne beherrscht mit den siebengehügelten Zinnen
6
Bis zu dem Meer jenseits, dort vom Sabinergebirg.
7
Aber den Wanderer leitet ein Geist tiefsinniger Schwermuth
8
Mit oft weilendem Gang durch des Ruins Labyrinth.
9
Von uralter und ältester Zeit, unerwecklich entschlummert,
10
Heget der Ort Nachhall, bleibet der Stein Monument.
11
Fast in der Dinge Beginn fand Zuflucht hier vom Olympus,
12
Hier im genügsamen Reich waltete golden Saturn.
13
Drüben erstreckte sich dann dein Sitz, zweistirniger Janus;
14
Nach Jahrtausenden noch heißet der Hügel von dir.
15
Ferner, ein hirtlicher Held Arkadiens, wendet Evander
16
Sich ansiedelnd hieher; Amphitryoniades
17
Ward, aus Iberien kommend, beherbergt unter dem Strohdach
18
Pallanteum's, und schlug, rächend, im Felsengeklüft
19
Cacus, der Nachbarn Schrecken, den flammaushauchenden Räuber:
20
Also cyklopisch verwirrt starrte noch Wildniß umher.
21
Endlich erschwollen die Segel aus Phrygien: mild sie empfangend
22
Ebnete landeinwärts Tibris den Wellenerguß,
23
Denn wohl wußt' er bestimmt den Entführer der troïschen Laren,
24
Fruchtbar an Weltherrschaft Ilions Asche zu sä'n.
25
Aber Lavinium wurde nur erst, dann Alba gepflanzet,
26
Keiner der Sterblichen noch hatte von Roma gehört.
27
Langsam reifte zum Licht die Geburt; es versuchte das Schicksal
28
Vieles darum: nie gab's eine gewaltigere.
29
Mavors muß erst liebend entglühn, die Vestale gebären,
30
Erst sich der Wölfin Gier mildern in Mütterlichkeit,
31
Ehe die weihende Furche der Pflugschaar konnte den Umkreiß
32
Jener romulischen Stadt ziehn um den Berg Palatin.
33
Doch wie der Halbgott gleich in der Wieg' einst Schlangen erwürgte,
34
Wies, unmündig und klein, schon sie den hohen Beruf.
35
Die zwölf Adler des Zeus, so Romulus sah zu der Rechten,
36
Ueber den Erdball einst sollten sie breiten den Flug.
37
Nicht durch rohe Gewalt: Rom wußte den Tod zu verachten,
38
Aber das Leben zugleich ehrt' es mit Sitt' und Gesetz.
39
Der das Asyl aufthat, der Genoß lupercalischer Räuber,
40
Ordnete Väter, und ward selber zum Vater Quirin.
41
Dann der ersinnende Numa, der heimlichen Nymphe Vertrauter,
42
Reinigte alles in Kraft würdiger Religion.
43
Hütten genügten den Bürgern annoch, als, triftig den Enkeln
44
Schon vorsorgend, die Stadt manches gemeinsame Werk
45
Bauen gelernt: viereckig gehaun nach etrurischem Richtmaaß,
46
Ohn' anfugenden Kitt Massen auf Wassen gelegt,
47
Hub sich die Ringmau'r ihnen, vertieften sich Wölbungen unten,
48
Mit Bollwerken umdämmt wurde der Fels Capitol.
49
Viele Verfaßungen stürzten dahin: noch stehn die Gemäuer,
50
Welch' einst Ancus begann, oder Superbus entwarf.
51
Bald nun erschien der Decier Muth, und die Beile des Brutus.
52
Häupter, vom Pflug oft her, oder vom Heerde, geholt,
53
Kamen, erretteten, siegten, vernichteten oder bezähmten,
54
Und dann kehrten sie heim, still, zu dem Rindergespann.
55
Rüstigem Alter noch troff abhärtender Schweiß; doch schienen
56
Unter dem greisen Gelock Runzeln der Stirn Diadem.
57
Drum auch liebte die Alten der Sterblichen Zeuger und Welt Herr,
58
Weil sie im Abglanz Ihn stellten am würdigsten dar.
59
Oft zwar drängte sie Noth, doch jene verzweifelten nimmer,
60
Denn die geheiligte Scheu wandte von ihnen die Furcht.
61
Mit der Gefahr wuchs jedem der Muth, sich für Alle dem Tod weihn,
62
Schien einfältige Pflicht ihnen in bäurischer Brust.
63
Wollust preisen für Tugend, die Weisheit klügelnder Griechen,
64
Schuf dem Fabricius Grau'n, nicht das gewaltige Thier.
65
Wacht, und bewahrt, o Römer, die Zucht! Nach Zeiten, da Trotz euch
66
Veji in's Antlitz bot, kommen gefährlichere.
67
Bald wird eure Geschicht' Ein einziger langer Triumphzug,
68
Und der ermüdete Blick zählt das Eroberte kaum.
69
Euch reift Ernte des Ruhms: euch hat Carthago gewuchert,
70
Gleichwie der trunkene Gott euch Alexander gesiegt.
71
Zu Schiedsrichtern der Völker bestellt, und der Könige Schrecken,
72
Falls ihr die Wage gerecht hieltet, so möchtet ihr wohl
73
Stets obwalten den Dingen nach Jovis untadlicher Vollmacht;
74
Doch zu des Glücks Vorwurf macht ihr das hohe Gedeihn.
75
Nicht der Samnite, des Galliers Wuth, nicht Hannibal dämpft euch.
76
So will's euer Geschick: selbst nur erlieget sich Rom.
77
Wer nie bebte dem Eisen, vom Golde nur wend' er den Blick ab,
78
Dessen bethörender Glanz hegt Basiliskennatur.
79
Hast du verlernt zu entbehren, und wähnst den Besitz zu ertragen?
80
Herr dein selbst sein, gilt's, oder von allem der Sclav.
81
Nie zu ersättigen schwelgt die Begier; die erkünstelten Laster,
82
Her aus der Fremde geschifft, kauft unerschwinglicher Preis.
83
Feil ist Allen der Staat: dir, Crassus, um Sand des Paktolus;
84
Stolz will schaltende Macht, Spiele der Pöbel und Brod.
85
Scaurus und Fabius heißt ihr wie sonst: doch erröthen der Ahnen
86
Bildniss' im Vorsaal euch; immer entartetere
87
Söhne sich zeugt das verderbte Geschlecht. Ohnmächtige Vorsicht,
88
Die dem entnervenden Strom Schranken entgegengestellt!
89
Alles ja folget dem Strudel; das Recht wird falsches Gewebe,
90
Freiheit wildes Gelüst, Larve die Religion.
91
Was dem Gemüth einprägten die biederen Bräuche der Vorzeit,
92
Sind Buchstaben in Erz, dennoch erlöschet die Schrift.
93
Was wohl dürfte bestehn, wenn römische Tugend und Freiheit
94
Niedergestürzt? Nichts bleibt unter dem Menschengeschlecht.
95
Auch so fielen sie groß. Als Bürgerentzweiung in Roms Blut
96
Tauchte das römische Schwert, sah die besudelte Welt
97
Alles gebändigt, nur nicht die erhabene Seele des Cato.
98
War frei leben versagt, sterben doch lehrten sie frei.
99
Solcherlei Trümmer entkamen der Tugenden Schiffbruch: nirgends
100
Hat sich die Stoa wie hier würdige Schüler gestählt.
101
Immer noch will sich bewähren der Thatkraft mächtiger Nachdruck,
102
Im ausschweifenden Thun kühner Gedanken Entwurf.
103
Dieß Zeitalter, entwöhnt der Bewunderung, buhlt um Erstaunen.
104
Aus den Gemüthern hinaus flüchtet sich Roms Majestät
105
Jetzo in Forum und Circus, Theater und Hall' und Triumphthor,
106
Jegliches edle Gebild griechischer Architectur.
107
Zwischen die Säulen und Giebel nun drängen sich marmorne Wunder,
108
Athmender Statuen Volk dienet, gefangen geführt.
109
Denn es versammelt die einzige Stadt was Länder geziert hat:
110
Was, anmuthigen Hauch leihend, der Grieche geformt,
111
Was, tiefdenkend und ernst, der Aegyptier; wachend am Tempel
112
Liegt der basaltene Löw' und der granitene Sphinx.
113
Aus äthiopischem Steinbruch einst von Sesostris entboken,
114
Weit von Syene herab, lernte der Sonn' Obelisk
115
Ueber die See hinfluten, den Nil für den Tiber vertauschen,
116
Mit nachahmendem Strahl grüßen ein fremdes Gestirn.
117
Heute noch spricht er umsonst in verborgenen Hieroglyphen,
118
Aber er macht auch kund, wer zu vernehmen es weiß,
119
Vom Umschwunge der Zeit, urweltlichen Menschengedanken,
120
Herrlicher Reich' Einsturz, und der Lebendigen Nichts.
121
Doch dieß Nichts schwellt an zum Giganten die rasende Willkür.
122
Was wohl bliebe zurück, nicht von Despoten versucht?
123
Jene, die Rom brandmarkten mit allbeistimmender Knechtschaft,
124
Haben den Abgrund ganz, lüsterner Frevel, enthüllt.
125
Weihrauch dampften Altäre der Brut unholder Dämonen,
126
Bis sie der Schmach hinwarf plötzlich entgötternder Mord.
127
Freilich, es wetzt unmenschlich das Volk an den eigenen Sitten
128
Selbst den tyrannischen Dolch, welcher im Innern ihm wühlt.
129
Tage, ja Wochen verbringt's im umkreißenden Amphitheater,
130
Stufen hinauf, zahllos, seht! an die Wolken geschaart;
131
Ueber dem Haupt hin wallet des Vorhangs duftender Purpur,
132
Daß nur den Weichlingen nicht schade der sonnige Strahl.
133
Ihnen zu Füßen indeß, bluttrunkener Augen Ergötzen,
134
Tobt Wehklagen und Wuth, und der bejubelte Tod.
135
Zum Schauspieler erniedriget kämpft unwillig der Thiere
136
König, und, minder geschätzt, wider den Sclaven der Sclav.
137
Africa hat sich erschöpft an Geburten der glühenden Wildniß,
138
Tiger und Luchs und Hyän'; auch der Koloss Elephant
139
Flehet, verrathen und wund, Mitleid durch Jammergeberde,
140
Der sonst offen im Feld römische Heere bestürmt.
141
Grausamer Spott! es erkennet die Meng' in dem Bilde sich selbst nicht.
142
Nicht für die Freiheit mehr, noch der Verbündeten Schutz,
143
Noch Grabmale der Väter geführt, willfahrend des Herrn Wink,
144
Ward der entwürdigte Krieg gladiatorischer Scherz.
145
Wie wohl Schulen der Fechter, zur Wette von streitenden Meistern
146
Gegen einander gestellt, schlägt Legion Legion.
147
Ob sie das Reich ausbieten, die prätorianischen Banden,
148
Nur um der Knechtschaft Tausch fließt das verhandelte Blut.
149
Jene, die sonst ruhmvoller der Wüst' Einwohner bekämpften,
150
Fern an der Gränze der Welt, rauhes Barbarengeschlecht,
151
Gleichwie der Jäger das Wild aufstört in dem Lager der Bergschluft:
152
Jetzt mißtraun sie dem Muth hinter verschanzendem Wall.
153
Parthischer Köcher Geschoß, zwiefach von den Rossen beflügelt,
154
Scheuchet sie oft vor sich her, nicht in erdichteter Flucht.
155
Aber den sandigen Spuren des Hufs folgt hungrig der Schakal,
156
Heult in der Nacht froh auf, witternd den Leichengeruch.
157
Den sie so lange gereizet, der Ur der hercynischen Forsten,
158
Oft auch Stöße gefühlt seines gewaltigen Horns,
159
Er bricht endlich hervor, reißt hin durch jegliches Stellnetz,
160
Und will selber den Feind suchen in dessen Gebiet.
161
Nicht halb zahm und dem Siege bequem, wie die Thiere des Circus,
162
Wild wie der Heimath Wald heischt er entscheidenden Kampf.
163
Ueber die Alpen herab schon wälzen sich neue Teutonen,
164
Doch kein Marius naht! Aber ein bleiches Gespenst
165
Schwebt in des Heers Nachtrab, winkt hin zu den nordischen Haiden –
166
Varus, er ist's! – wo er einst diese Verderber erprobt.
167
Rom soll fallen, so ward's in der Himmlischen Rathe beschlossen,
168
Und vollziehn ihr Gericht soll das germanische Schwert.
169
Attila schreckte von fern, doch würdigt' er nicht zu erobern:
170
Deutsche begehrt' er in Bund, Römern gebot er Tribut.
171
Aber es schickt Carthago vandalische Flotten dem Tiber;
172
So weit hat sich des Glücks rollende Nabe gewandt.
173
Was schon Scipio dort, anschauend die eigne Verwüstung,
174
Als in der Nacht, graunvoll, krachte der Flamme Ruin.
175
Und in den Wolken des Dampfs aufstieg Frohlocken und Wehruf,
176
Aus dem heroischen Lied ahnenden Sinns prophezeit:
177
»einst wird kommen der Tag, da das heilige Ilion hinsinkt,
178
Priamos auch, und des speerschwingenden Priamos Volk;«
179
Jetzo geschieht's: kaum hebet ihr Haupt aus den rauchenden Trümmern,
180
Schmucklos, bang' und betäubt, ach! die Monarchin der Welt.
181
Roma, der Pallas Gespielin, ihr ähnlich am Schild und der Lanze,
182
Leichter gegürteten Gangs nach Amazonengebrauch.
183
Die sonst Jupiters Winke gesandt von dem wallenden Helmbusch,
184
Sitzt stilltraurend, und lehnt über zerbrochnen Trophä'n.
185
Nach viel grausenden Nächten, als alles verheert und geraubt war,
186
Alles entvölkert, zuletzt kam die verlaßene Ruh.
187
Leise beseufzend umhaucht sie die halb noch verödeten Hügel,
188
Welche, wie Gräbern geziemt, Tellus mit Rasen gedeckt.
189
Friedlicher mögen sie nun hinsinken, die letzten Ruinen,
190
Längst zu verschwistertem Schutt neiget sich Säul' und Gebälk.
191
Sieh, hier lenkte herauf sich die heilige Straße: wie oftmals
192
Her vom capenischen Thor trug sie den Pomp des Triumphs,
193
Feldherr, Krieger und Volk, und gefeßelter Könige Fußtritt,
194
Oft vor dem Festruf scheu schneeiger Rosse Gespann,
195
Bis die geweiheten Ehren des Siegs, der Gelübde Bewährung
196
Unter dem Golddach barg Jupiter Capitolin!
197
Jetzt ein versäumter und einsamer Pfad, wo träge das Saumthier,
198
Ländliche Waare zur Stadt schaffend, den Treiber ernährt.
199
Sieh das Palatium drüben, das alle Paläste benannt hat,
200
Wo, weil Einer nur galt, wachsend des Einzigen Haus
201
Romulus Rom einnahm, und die alten Penaten hinaustrieb,
202
Und dem bethörten Gelüst Nero's zu enge doch schien.
203
Kann's dein Auge noch blenden, ein epheuumranktes Gemäuer,
204
Mit Weinreben umkränzt, Stauden und Gartengewächs?
205
Ueber dem Badegemach nun spielen der Winzerin Kinder,
206
Und das Gewölbe bewahrt häusliches Ackergeräth.
207
»weidet,« so rief aus begeisterter Brust die Sibylle von Cumä,
208
Als glorreichen Beruf sie dem Dardanier sang:
209
»weil es vergönnt ist, weidet ihr Stiere, das Gras von den sieben
210
Höh'n! denn bald soll hier stehen die herrlichste Stadt.«
211
Nun ist's wieder vergönnt: Jahrhunderte brachten im Kreißlauf
212
Stets umwandelnd, den Stand frühester Zeiten zurück.
213
Dorthin lagert die Mittagsruh in dem niedern Velabrum
214
Heerden, im Forum sogar tönet das Rindergebrüll.
215
Schau an dem grasigen Hügel die weidenden! wie sie des Cacus
216
Höhle sich sorglos nahn unter dem Hang Aventins!
217
Am hochstämmigen Bau und den speergleichragenden Hörnern
218
Scheinet der Landschaft Vieh noch geryonische Zucht.
219
Und es beschämet der Menschen Geblüt. Sind dieß die Quiriten?
220
Jeglicher Kriegsarbeit fremd, und dem übenden Roß,
221
Wie sein selber zu spotten hinunter gezogen ins Marsfeld
222
Drängt sich in engem Verkehr bleiches und ärmliches Volk.
223
Was auch möge geschehn, ein geduldig erwartender Haufe;
224
Bettler der Vorzeit stets, Bettler des Tages zugleich.
225
Tränkte Agrippa sie nicht mit dem Thau jungfräulicher Quelle,
226
Auf Schwibbogen heran luftige Wege geführt,
227
Möchten sie wohl hinschmachten im Durst des versengenden Hundsterns,
228
Oder sie schöpften ihr Naß lau in umsumpfendem Schilf.
229
Sind Bruchstücke der alten die Zier der erneuerten Tempel,
230
Sehn Graburnen, erstaunt, sich wie Altäre verehrt;
231
Borgtet ihr porphyrne Sänlen genug und von punischem Marmor:
232
Borgt von den Ahnherrn auch hohe Gesinnung einmal!
233
Aber umsonst. So sah ich verdorrt apenninische Eichen,
234
Welchen sich Epheu rings, Bacchus geselliges Laub,
235
Schlang um die Aeste zu lockigem Schmuck; wohl lügt es die Krone,
236
Doch nie dringet die Kraft mehr von der Wurzel in's Haupt.
237
So auch spielt die Natur hier gern in gefälligen Gaben,
238
Während zu männlicher That Ernst dem Gemüthe gebricht.
239
Einzig die Bildnerin Kunst wetteiferte noch mit der Vorwelt,
240
Als, in dem Schooße der Nacht langem Vergeßen geweiht,
241
Jene hellenische Huldin erstand; an erhabnen Gebilden
242
Wies sich ergiebig der Geist, nicht ja der Boden allein.
243
Raphael dichtete liebend, prophetisch ersann Bonarotti,
244
Wägte des Pantheons Dom stolz in den Aether hinauf.
245
Aber sie auch schwand hin, die erheiternde Blüthe. »
246
Ist Roms Wahlspruch; nennt, welches Bestreben ihr wollt,
247
Gähnend entschleichet die Zeit, als hätte sie nichts zu erwarten.
248
Stets dreht Ocnus am Seil, stets von dem Esel zernagt.
249
Janus erscheint hier selber, der Gott der Beginne, verstümmelt:
250
Sein vorschauend Gesicht löschte der Jugendlichkeit
251
Hoffnungen aus, formlos, unkenntlicher Züge; die andre
252
Rückwärts schauende Stirn furchet unendlicher Gram.
253
Welches Gefieder noch brächt' Augurien? welche Sibylle
254
Deutete Zukunft wohl solchem versunkenen Sein?
255
Altert die Welt? und indeß wir Spätlinge träumen, entlöst sich
256
Ihr hinfälliger Bau schon in lethäisches Graus?
257
Mit gleichmüthigem Sinne der Dinge Beschluß zu erwarten,
258
Kein unwürdiger Ort wäre die ewige Stadt.