Wie so gern in deinen Hallen

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August Wilhelm Schlegel: Wie so gern in deinen Hallen Titel entspricht 1. Vers(1812)

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Wie so gern in deinen Hallen
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Ruh' ich aus von fernem Wallen,
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Altes, ritterliches Bern!
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Werth, den Namen wohl zu tragen
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Jener Burg, wo nach den Sagen
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Einst gewohnt der Helden Kern.

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Aber ach! was muß begegnen?
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Dreifach werd' ich nun dich segnen,
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Denn ich fand ein Kleinod hier.
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Du umgiebst viel schöne Frauen,
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Bilder, herrlich anzuschauen:
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Eine wohnt im Herzen mir.

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Sie vernimmt den Dichter sinnig,
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Sie empfindet zart und innig,
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Was die hohe Kunst erschuf.
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Sie erweckt mir neue Lieder,
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Und des Genius Gefieder
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Regt sich ihrem sanften Ruf.

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Was die Vorzeit stark gesungen,
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Seit Jahrhunderten verklungen,
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Las ich ihr, die Wundermär:
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Wie die nordische Brunhilde,
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Kämpfend unter Speer und Schilde,
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Bot der Minne Gegenwehr.

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Sie indessen, statt der Lanze,
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Führt die Nadel, stickt zum Kranze
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Blumen in ein leicht Gewand.
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Nicht umpanzert trägt die Holde
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Ihren Busen, nur mit Golde
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Einen Finger ihrer Hand.

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Dennoch weiß sie zu verwunden,
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Und ich muß an mir erkunden
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Jenes Liedes Leid und Lust.
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Was die kühnsten Helden stritten,
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Was sie freute, was sie litten,
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Kam aus edler Frauen Brust.

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Ob auch Kampf die Dichter sangen,
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Ob die Lieder krieg'risch klangen
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Wie Trompet' und Hörnerton:
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Doch ein Lächeln blüh'nder Wangen,
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Frischer Lippen Gruß empfangen
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Wollten sie zum schönsten Lohn.

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Ihrer Augen blaues Leuchten
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Sah ich oft mit Wehmuth feuchten
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Chriemhilds Trauer, Sifrids Tod.
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Ach! so kann sie Mitleid hegen
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Mit des Herzens bangen Schlägen,
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Seiner hoffnungslosen Noth.

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Zwar verstummt die kühne Bitte
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Vor der zarten stolzen Sitte,
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Die kaum Huldigung erlaubt:
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Möchte, wenn die Wünsche schweigen,
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Sich nur linde zu mir neigen
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Dieses reich umlockte Haupt!

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Dürft' ich dieser Blume warten,
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Die so einsam steht im Garten,
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Schirmen sie vor rauhem Nord,
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Sie bethau'n mit meinen Thränen,
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Sie umweh'n mit leisem Sehnen!
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Doch mein Schicksal reißt mich fort.

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Goldne Träume meiner Jugend,
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Welches Reizes Zaubertugend
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Rief euch süß und schmerzlich auf?
64
Lebet wohl! Ich muß nun scheiden,
65
Muß mich in Entsagung kleiden
66
Zu des Lebens strengerm Lauf.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August Wilhelm Schlegel
(17671845)

* 08.09.1767 in Hannover, † 12.05.1845 in Bonn

männlich, geb. Schlegel

deutscher Literaturhistoriker, Übersetzer, Schriftsteller, Indologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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