Solch ein zephyrleichtes Leben

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August Wilhelm Schlegel: Solch ein zephyrleichtes Leben Titel entspricht 1. Vers(1806)

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Solch ein zephyrleichtes Leben
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Solcher Anmuth Gang und Schweben
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Sah mein trunknes Auge nie.
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Jede Welle der Bewegung
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Zaubert hin in süße Regung,
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Alles athmet Harmonie.

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Wie du spendest deine Kränze
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Als die Muse froher Tänze,
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Wie dein holdes Fest beginnt:
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Säh' ich nicht der Wonne Zähren
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Deiner Mutter Blick verklären,
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Wähnt' ich dich ein Götterkind.

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In der zarten Bildung Schleier
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Welcher Ton von Phöbus Leier
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Hat den hohen Geist gehaucht?
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Wo, auf blüh'nder Flur geboren,
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Haben weihend milde Horen
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Dich in Morgenroth getaucht?

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Was Pygmalion errungen,
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Als der schöne Stein, bezwungen,
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Ward beseelt auf seinen Ruf,
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Kehrt sich um: denn festgehalten
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Seh' im Flug ich die Gestalten,
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Die der Griechen Meißel schuf.

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Nimm den Bogen und die Pfeile,
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Und, Dianen gleich, enteile
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Stolzen Muthes in den Hain.
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Willst du mit der Aegis schrecken,
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Mit dem Helm die Stirne decken,
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Wirst du Jovis Tochter sein.

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Streue Rosen, sei Aurore;
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Trag das Körbchen, Kanephore,
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Zu des Feierzuges Pracht.
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Gieß sie aus, die Opferschale;
35
Hülle nun dich ein, Vestale,
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Die den ew'gen Heerd bewacht.

37
Fliegen laß dein Haar, Bacchante;
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Gürte dich, und Atalante
39
Siegst du im beschwingten Lauf.
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Bald, allein ein Chor von Musen,
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Schwellt den jungfräulichen Busen
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Fülle der Begeistrung auf.

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Dich, Althäa, sah mit Schaudern
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Ich, nach langem Kampf und Zaudern
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Den verhängnißvollen Brand
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Schleudern in die Todesgluten
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Und verzweifelnd dann verbluten,
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Auf dich selbst den Dolch gewandt.

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Sag, welch Ahnden hat die Thaten
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Wilder Rache dir verrathen,
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Und der Seele tiefsten Schmerz?
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Noch an deiner Jugend Schwelle
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Sahst du schon der Leiden Welle
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Stürmen durch ein menschlich Herz?

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Nein, dir trübe nichts die Seele!
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Sei, was Unglücksel'ge quäle,
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Nur im Bilde dir bewußt!
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Immer mögst du nur sie spielen
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Jene Dolche, welche zielen
60
Nach der gramzerrißnen Brust.

61
In des Tanzes Melodieen
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Laß den ird'schen Druck entfliehen
63
Deinem schöpferischen Sinn.
64
Was die Götter dir gegeben,
65
Pfleg' im schuldlos heitern Leben,
66
Deines Glückes Bildnerin.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August Wilhelm Schlegel
(17671845)

* 08.09.1767 in Hannover, † 12.05.1845 in Bonn

männlich, geb. Schlegel

deutscher Literaturhistoriker, Übersetzer, Schriftsteller, Indologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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