Florentiner! Florentiner!

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August Wilhelm Schlegel: Florentiner! Florentiner! Titel entspricht 1. Vers(1799)

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Florentiner! Florentiner!
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Was muß euren Sinn verkehren,
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Daß ihr eure großen Männer
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Fremden überlaßt zu ehren?

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Dante, welcher göttlich heißet,
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Klagt, daß ihn sein Land verstoße;
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Sein verbannter Leib ruht ferne
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Von der harten Mutter Schooße.

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Und der alte Leonardo,
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Weilte bei euch, halb vergeßen,
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Der an euren Kriegesthaten
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Jung des Pinsels Kraft gemeßen.

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Zwar ein Stern, der hoch und herrlich
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An der Künste Himmel funkelt,
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Michel Angel Buonaroti,
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Hatte seinen Ruhm verdunkelt.

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Dieser strebt in wildem Trotze
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Die Natur zu unterjochen;
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Jener bildet, sinnig forschend,
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Was sie leis' ihm ausgesprochen.

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Nicht den Stolzen duldend muß er
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Noch zu fremdem Volk und andern
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Menschen, aus Florenz, der schönen,
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Ein bejahrter Pilger wandern.

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Ritter Franz, der edle König,
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Rief den weisesten der Mahler,
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Gab ihm Raum nach Lust zu schaffen,
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Hoch zu ehren ihn befahl er.

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Zur Vollbringung der Entwürfe
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Scheint ihn neuer Muth zu stärken;
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Aber bald hört man ihn klagen
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Ueber angefangnen Werken:

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Sieh, mein Leben ist am Ziele,
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Und die Kunst noch kaum begonnen,
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Haben gleich mir gute Parcen
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Lang den Faden ausgesponnen.

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Weit in unentdeckte Fernen
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Breiten Klarheit die Gedanken,
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Doch das Nächste zu vollenden,
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Fühl' ich meine Hand erkranken.

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Und er mußte wider Willen
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Hin sich strecken auf das Lager;
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Würdig schön in siechem Alter,
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Weiß von Bart und still und hager.

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Als der König das vernommen,
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Füllt es ihn mit bangen Schmerzen,
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Denn er hielt ihn wie ein Kleinod
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Seinem Reich und seinem Herzen.

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Eilig wie zu einem Vater,
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Tritt er in des Kranken Zimmer,
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Kommen sieht ihn Leonardo
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Mit des Augs erloschnem Schimmer.

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Und er will empor sich richten,
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Seinen jungen Freund zu segnen,
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Dessen Arme, dessen Hände
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Liebreich stützend ihm begegnen.

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Heiter lächelt noch sein Antlitz,
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Schon erblaßt wie einem Todten:
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Aber halb im Mund erstorben
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Ist der Gruß sein letzter Othem.

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Lange harrt der König schweigend,
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Ob er nicht erwachen werde. –
63
»ruh der kunstbegabten Seele!
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Und dem Leib sei leicht die Erde!

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Keine Weisheit, keine Tugend
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Kann das herbe Schicksal wenden.
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Was der Tod ihm störte, wird es
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Je ein geist'ger Sohn vollenden?

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Darum, weil dies Leben dauert,
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Laßt den Heldentrieb entbrennen.
71
Wie dein ernster Spruch mich lehrte:
72
Was ich soll, das will ich können!«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August Wilhelm Schlegel
(17671845)

* 08.09.1767 in Hannover, † 12.05.1845 in Bonn

männlich, geb. Schlegel

deutscher Literaturhistoriker, Übersetzer, Schriftsteller, Indologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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