Schönheit ist dem Muth beschieden

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August Wilhelm Schlegel: Schönheit ist dem Muth beschieden Titel entspricht 1. Vers(1798)

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Schönheit ist dem Muth beschieden,
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Lieb' erobert sich der Held;
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Nach den Kämpfen ward Alciden
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Hebe's Blüthe zugesellt.
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Rasch besiegt von Alexandern
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Bot die Welt ihm Wahl und Lust:
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Eine doch, vor allen andern,
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War das Kleinod seiner Brust.

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Von der Perlen Vaterlande
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Als die köstlichste bewahrt,
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Sproßte sie an Indus Strande,
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Eine Blume, schlank und zart.
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Nun aus mütterlichem Schatten
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Weit verpflanzt in fremde Luft,
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Athmet willig sie dem Gatten
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Leise Kühlung, süßen Duft.

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Ihre Jugend darzustellen,
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Eh die Zeit sie angehaucht,
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Ruft Philippus Sohn Apellen,
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Der in Reiz den Pinsel taucht.
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»was sie schönes hat und holdes,
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Laß es mir unsterblich sein,
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Und des Ruhmes und des Goldes
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Sei, so viel du wünschest, dein.«

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Die ein Sohn des Zeus erkoren,
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Spricht der Mahler froh entzückt,
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Ist, zum Götterlooß geboren,
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Schon der Sterblichkeit entrückt.
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Ja, du sollst die Göttin schauen,
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Wie sie halb noch knieend schwebt,
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Wie die Locken um sie thauen,
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Da sie aus dem Schaum sich hebt.

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Still gesenkt die Augenlieder,
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Folgt Kampaspe dem Geheiß,
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Hinzuleihn die zarten Glieder
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In des Künstlers Zauberkreiß.
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Sie enthüllt sich, und erröthend
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Flieht sie in sich selbst zurück;
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Sterbend und in Glut ertödtend
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Schwimmt ihr süß verwirrter Blick.

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Und sie neigt sich, an Geberden,
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Wie an Haupt und Leib und Brust,
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Aphrodite ganz zu werden,
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Ohne Zwang und unbewußt.
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Stammelt sie in Hellas Tönen,
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Faßt sie doch den Künstler schnell;
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Von der Anmuth und dem Schönen
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Spricht sein Auge glänzend hell.

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Es verklärt sich mit den Zügen,
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Die sein Pinsel scheu entwirft;
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Kein Betrachten kann ihm gnügen,
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Wie er auch den Nektar schlürft.
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Göttin nannt' er sie der Liebe:
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Ach! er fühlet ihr Gesetz,
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Und befangen alle Triebe
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In der eignen Dichtung Netz.

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Ruh und Sinn ist ihm entflohen,
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Daß er träumend alles thut.
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Nicht den zürnenden Heroen
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Fürchtet sein entflammter Muth.
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Aber sein Vertrau'n beschämen?
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Raub am theuren Pfand begehn?
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Nein, er will sich streng bezähmen,
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Und die Wünsche nicht gestehn.

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Forschend nach der Schönen Bilde
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Tritt der junge Held herein:
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Prangend hoch in Helm und Schilde
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Kommt er aus der Krieger Reihn.
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Er ist Ares, sie Cythere;
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Beide knüpft die schönste Wahl,
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Und sein Werk, des Meisters Ehre,
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Wird ein Denkmal seiner Qual.

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Ob er lächelnd sie verhehle,
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Ihn durchschaut des Königs Blick.
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Er beherrscht die große Seele,
76
Und beschließt des Freundes Glück.
77
»magst du nur mich treulos schelten!
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Wunderbar gelang dein Fleiß,
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Doch ich will ihn nicht vergelten:
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Fordre von ihr selbst den Preis.

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Du bist ihrer Schönheit Spiegel,
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Und sie wäre dir nicht hold?
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Hier nimm meine Hand zum Siegel,
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Daß ich euren Bund gewollt.
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Kannst du ihren Reiz entwenden,
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So erwirb auch ihre Gunst,
87
Und die Liebe laß vollenden
88
Was begonnen deine Kunst.«

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August Wilhelm Schlegel
(17671845)

* 08.09.1767 in Hannover, † 12.05.1845 in Bonn

männlich, geb. Schlegel

deutscher Literaturhistoriker, Übersetzer, Schriftsteller, Indologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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