Dort, wo sich an des Mittelmeeres Wogen

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August Wilhelm Schlegel: Dort, wo sich an des Mittelmeeres Wogen Titel entspricht 1. Vers(1806)

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Dort, wo sich an des Mittelmeeres Wogen
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Gaeta's schroffer Felsenwall erhebt,
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Wo, rechts und links am Ufer hingezogen,
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Der freie Blick zwo Buchten überschwebt,
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Wo noch nicht in Vergeßenheit entflogen
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So manch' uralte Heldensage lebt,
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Wie seiner Amme hier zum Angedenken
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Aeneas Grab und Namen wollte schenken:

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Da siehest du der Bergeshöhen eine
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Gespalten ganz durch eine selt'ne Kluft.
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Es geht der Riß hinab im harten Steine
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Vom Gipfel an bis in die tiefste Gruft,
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Doch hemmt die beiden Wände vom Vereine
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Nur enger Raum und wenig Himmelsluft,
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Also, daß Einer nur und nach dem Andern
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Den dunkeln Fußsteig mag hinunter wandern.

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Und es berichten uns die heil'gen Sagen:
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Derselbe Berg war vormals fest und dicht.
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Doch als der Heiland, an das Kreuz geschlagen,
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Für unsre Sünd' erlitten das Gericht,
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Und als der Schrei von seinem letzten Zagen,
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Der durch der Erde Schooß erschütternd bricht,
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Die Hüll' am Allerheiligsten zerrißen;
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Da hat sich auch des Felsen Brust zersplißen.

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Die Kirche, von der Andacht Trieb geleitet,
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Hat dieses Wunderzeichen wohl gehegt.
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Hier ist ein Weg zur Pilgerfahrt bereitet,
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Wobei die Seele Christi Leid erwägt;
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An dreizehn Stellen, wie man nieder schreitet,
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Erscheint das Bild des Kreuzes eingeprägt;
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Bald murmelnd, bald geräuschig, spült die Welle
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Am Ausgang um die heimliche Kapelle.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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August Wilhelm Schlegel
(17671845)

* 08.09.1767 in Hannover, † 12.05.1845 in Bonn

männlich, geb. Schlegel

deutscher Literaturhistoriker, Übersetzer, Schriftsteller, Indologe und Philosoph

(Aus: Wikidata.org)

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