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Die Grazien besprachen mit einander
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Sich von der Menschenbildung Zügen einst,
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Wie die Natur in ihrer holden Zierde
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Die Seele ausgesprochen, und wie jedem
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Belohnende Bestimmung sie verliehn.
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Die Stirne, denkend, thront im Antlitz oben,
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Es schlingt sich über ihrer offnen Fläche
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Der Haare vielfach wechselnd Diadem:
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Denn der Gedank' ist König in dem Geist.
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Der Nase, die von ihr sich niedersenkt,
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Des Ebenmaßes unverrückte Säule,
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Weht huldigend der Frühling seine Düfte,
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Und Zephyr linden lauen Hauch entgegen.
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Das Ohr, bescheiden seitwärts angefügt,
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Trinkt achtsam doch des Wohllauts ganze Fülle.
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Die Wangen blühen so durchsichtig zart,
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Daß bald der jungen Freude leichtes Wallen,
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Und bald die Scham, bei'm leisesten Berühren, –
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Nicht ohne süßes Bangen, denn sie ist
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Die Morgenröthe seliger Gefühle, –
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Mit Rosenglut sie überströmen kann.
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Die Augen geben und empfangen Strahlen,
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Die Welt ist ihre, von dem Aug' der Sonne
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Mit aller Farben Glorie ausgestattet.
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Doch kehren sie von ihren weiten Flügen
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Gern wieder in die Näh'; es sucht der Blick
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Verbrüdertes, worin er sich erkenne,
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Und Auge spiegelt sich in Aug' entzückt.
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Wenn es sich dann, von vielem Sehn ermüdet,
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Mit seiner Wimper seidnem Vorhang schirmt,
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So dämmern noch im eng verhüllten Lager
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Zerfließende Gestalten vor ihm auf.
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Die Lippen aber, die beseelten Rosen,
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So sprach Euphrosyne, die sich gefällig
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Zu Red' und Lächeln regen, stets gesellig,
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Beredt zu schweigen wißen, wie zu kosen,
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Sie, die das innerste Gemüth erschließen:
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Was wurde für ein Lohn zu Theil den süßen?
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Daß sie die Nahrung, die der Leib empfängt,
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Zuerst berühren? Das ist wieder Dienst,
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Belohnung nicht: verschmähn sie doch zu kosten,
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Und gönnen gern dem Gaume seine Freuden.
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Und was ist Hybla's Honig, was der Saft
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Von Lesbos, selbst des Göttertisches Gaben,
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Verglichen mit der Worte süßer Kraft,
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Worin sich, froh berauscht, die Seelen laben?
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Ja müssen nicht die geistigen sich schämen,
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Das irdische Bedürfniß hinzunehmen?
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Wie du doch eiferst, Schwester, so erwiedert
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Aglaja lächelnd; nimm dich nur in Acht,
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Daß nicht der zu bewegten Rednerin
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Des Mundes leicht geschwungner Zug sich krause,
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Und deine Sorg' um ihn ihn selbst entstelle.
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Ist denn des schönen Thuns Gefühl nicht Lohn?
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Und fühlen nicht die Lippen, wie sie reden
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Das Auge sieht sich nicht, es grüßt im Auge
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Des Andern aus der Ferne nur den Geist;
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Und sind sie doppelt schon, und thun das Gleiche,
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Doch rollet in der eignen Sphäre jedes,
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Und unbewußt ist ihre Harmonie.
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Die Lippen aber sind die Dienerinnen
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Der freundlichen Geselligkeit, und selbst
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Gesellig: ist ihr Leben und Bewegen
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Nicht ewig wiederholter zarter Gruß?
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Weil sie denn so als Paar sich innig fühlen,
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Vereinigt athmen und vereinigt spielen,
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So laß sie sich mit andern Lippen paaren,
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Um ihre eigne Süße zu erfahren.
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Der Grazien jüngste hört' es liebevoll,
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Und neigte sich der Schwester, die gesprochen.
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Ihr reger Busen, kaum entknospet, schwoll
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Von ihres Herzens ahndungsvollem Pochen.
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Sie öffnet halb den Mund, der Anmuth haucht,
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Und Lippe wird an Lippe sanft getaucht.
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Da war mit reinem zärtlichen Verlangen
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Der erste Kuß gegeben und empfangen.