Wie Filoktets umwölkten Blicken

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Friedrich von Matthisson: Wie Filoktets umwölkten Blicken Titel entspricht 1. Vers(1796)

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Wie Filoktets umwölkten Blicken
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Der Vatererde lachend Grün,
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Auf Lemnos unwirthbarem Rücken
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In jedem Halm zu weben schien:

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So mahnt mich, wo der Wildniß Ranken
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Hier um des Klosters grauen Dom
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Im goldnen Morgenstrale wanken,
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Selbst jedes Moos an dich, o Rom!

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Es brausen, Königin der Tiber,
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Nur deines Namens Feierhall
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Der Alpen Stürme mir herüber,
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Ihn donnert mir der Ströme Fall!

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Wann Eos früh die Wipfel röthet,
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Grüß' ich Borgheses Paradies,
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Wann Filomel' ihr Nachtlied flötet,
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Den Lorbeerwald von Medizis;

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Wann sich die Frühlingsblum' entfaltet,
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Pamfilis Anemonenflur:
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Doch, ach! bis diese Brust erkaltet,
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Aus öder Fernung Nebel nur.

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Daß, eh' des Daseyns Fackel sänke,
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Ich einmal noch den Himmelsduft
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Der Hesperidengärten tränke
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Und ihres Aethers Zauberluft!

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Daß mir der Hohen Schluß vergönnte,
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Im Abendlicht Anthusas Höhn
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Und ihre Göttermonumente
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Mit Einem Blick nur noch zu sehn!

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Euch, Siegesbogen, Basiliken,
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Dich, stillerhabnes Pantheon,
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Und Obelisken, euch! Antiken
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Am Nil der Vorwelt Pilgern schon!

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Und Kolisäum, dich! so brausend
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Sich auch des Zeitstroms Woge bricht,
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Du troztest mächtig dem Jahrtausend,
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Nur dem gekrönten Frevler nicht.

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Ach! hätten dich Barbarenhände,
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Du Riesendenkmal nicht entweiht,
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Gleich einem Urgebirge stände
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Dein ganzer Wunderbau noch heut.

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Dich, Forum, wo der Strom der Wahrheit
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Sich von den Lippen Ciceros
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So oft mit Arethusas Klarheit
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Und mit des Rheinfalls Kraft ergoß;

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Wo er, der glücklichste der Streiter
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Für Freiheit, Recht und Vaterland,
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Der ernsten Nemesis Geweihter,
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Ein Fels im Wogenaufruhr, stand;

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Und würdiger der Siegespalme,
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Als wen Bellonens Wagen trug,
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Wie Hagelsturz der Ceres Halme,
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Der Mordwuth Rotte niederschlug.

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Von Romas Wundern seid vor allen
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Des Bildners Wunder! mir gegrüßt,
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Ihr Göttlichen! in deren Hallen
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Der Schönheit Urquell sich ergießt;

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Wie Bienen zum Hymettus, kehrte,
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Selbst vom erhabnen Meisterstück
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Wo Rafael den Herrn verklärte,
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Zu euch, doch nur zu euch mein Blick.

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Vom Nachglanz der gesunknen Sonne
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Die einst den Praxitelen schien,
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Sieht euch mein Geist mit Schmerz und Wonne
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In jedem Traum der Sehnsucht glühn:

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Dich, dessen Qual die Seele tiefer
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Als Ugolinos Qual bewegt,
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O Dulder, dem des Unthiers Kiefer
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Sich graunvoll in die Seite schlägt;

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Euch, quirinalische Kolosse,
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Die ihr den Hall des Ruhms vernehmt,
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Indeß der Arm die Flammenrosse,
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Jach, wie Neptun die Fluten, zähmt;

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Dich, Torso, weitgepriesne Trümmer
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Des Sohns der langen Wundernacht,
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Dem an der Thaten Ziel, der Schimmer
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Von Hebes Nektarschale lacht;

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Des Keulenschwingers, der mit Leuen
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Mit Hydern und mit Riesen rang
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Und kühn, Alcesten zu befreien,
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Selbst in des Orkus Nächte drang;

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Dich, Sonnengott im Belvedere!
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Doch Mnemosynens Jammerton
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Füllt deines Tempels dumpfe Leere
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Und Echo seufzt: Er ist entflohn!

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Du stehst nun unter den Gebilden
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Des Ungeschmacks voll Trauer da,
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Wie einst im Kreise roher Wilden
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Auf Tauris Ifigenia.

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Wann winkt die ernste Pyramide,
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Die sich am Scherbenberg' erhebt,
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Zum Thal mich hin, wo Lethes Friede
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Um stille Fremdlingsgräber schwebt?

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Werd' ich, an Vestas Tempelrunde,
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Ach! unter Götterschwärmerein,
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Den Grazien, in heilger Stunde,
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Nie mehr den ersten Becher weihn?

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Wie oft, bis zu der Sterne Schwinden,
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Hab' ich dem Katarakt gelauscht,
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Der wild in Tiburs Felsenschlünden
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Und stolz in Flakkus Hymnen rauscht!

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Wann werd' ich wieder dich erklimmen,
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Albanos Berg! auf dessen Höhn
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Im Mondlicht oft Heroenstimmen
104
Des Donnrers Tempelhain entwehn?

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Hoch sei der hehre Tag gefeiert,
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Als hier, von Rom bis Ostia,
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Mein Blick vom Zeitgewölk entschleiert,
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Der Thatenbühnen größte sah!

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Verweht, gleich einem Nachtfantome,
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War plözlich der Verödung Graun,
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Des Tempes Haine rings am Strome
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Durchschwärmten Oread' und Faun.

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Froh staunte da die Morgenhore
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Der goldnen Zeiten Wiederkehr,
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Die Bann- und Fluchstadt der Gregore
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Und Alexander war nicht mehr!

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Wie jauchzten des Olymps Päane,
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Als um den alten Palatin
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Die Roma der Vespasiane
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In stolzer Herrlichkeit erschien;

121
Als aus dem Grause der Vernichtung
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Der Tempel Majestät sich hob
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Und ihren Rosenflor die Dichtung
124
Mild um die Schöpfung wieder wob!

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Wie scholl an lodernden Altären
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Dem Gotte der zum Indus drang,
127
Der milden Spenderin der Aehren
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Und ihm dem Heerdenschüzer Dank!

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Wie sorglich waltete, vom Scheine
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Der heilgen Opferglut verklärt,
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In göttlich hoher Seelenreine,
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Der Jungfraun Chor um Vestas Heerd!

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Wie schwebte, bis die Berge westlich
134
In Grau sich tauchten, dir zum Preis
135
Der Hekatomben Wolke festlich
136
Um deine Burg, Befreier Zeus!

137
Wie glänzten vom Tyrrhenermeere
138
Der Flotten Purpursegel her!
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Wie drängten Heere sich an Heere
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Von aller Zonen Beute schwer!

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Stolz zog des Kampfgefährten Retter,
142
Im schönen Kranz der Menschlichkeit,
143
Dem Heldenschmuck der Eichenblätter,
144
Ein Sieger zehnfach, aus dem Streit!

145
Wie wälzte die entzückte Menge
146
Sich brausend längs der Tiber Bord
147
Beim Donnerhall der Siegsgesänge
148
Mit des Triumfzugs Pompe fort!

149
Am Kapitol, dem Felsensize
150
Des Adlers, der mit stolzem Flug
151
Im Thatensturm Kronions Blize
152
Voran den Weltbezwingern trug:

153
Soll da nicht einmal meine Seele
154
Noch dem Tyrannenmörder glühn!
155
Und vor dem hohen Mark-Aurele
156
Dem Genius der Menschheit knien?

157
Dort ists, wo, im verklärten Lichte
158
Des Abendsterns in stillen Seen,
159
Der Vorwelt göttliche Gesichte
160
Lebendig vor uns auferstehn!

161
Wo Rom, in ernster Heldenschöne,
162
Indeß der Weltkreis ahnend schwieg,
163
Im Waffenschimmer wie Athene,
164
Verhängnißvoll der Nacht entstieg;

165
Und mit Alcidens Kraft schon muthig
166
Der Drachen viel als Kind bezwang,
167
Eh' sie, von tausend Kämpfen blutig
168
Des Erdballs Diadem errang!

169
Wie lauschte, schwebten still der Manen
170
Geweihte Chöre dort empor,
171
Den Scipionen, den Trajanen
172
Und Cato, dir mein trunknes Ohr!

173
Dort, wo der fernsten Nachwelt Sohne
174
Dem Himmelsglut im Busen wallt,
175
Ein jeder Stein mit Heroldstone
176
Ins Herz noch diese Namen hallt!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Matthisson
(17611831)

* 23.01.1761 in Hohendodeleben, † 12.03.1831 in Wörlitz

männlich

deutscher Lyriker und Prosaschriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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