Der Genfersee

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Friedrich von Matthisson: Der Genfersee (1789)

1
An deinen Ufern, wo am frohen Heerd
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Des Winzers, wie in stolzen Marmorhallen,
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Der Ueberfluß sein goldnes Füllhorn leert
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So weit der Freiheit Jubelhymnen schallen;

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Wo mir die Freude stets, sokratisch mild,
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Die wolkenfreie Stirn mit Epheu kränzte,
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Seitdem, o See! des Montblancs Riesenbild
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Zum erstenmal in deiner Fluth mir glänzte;

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Wo Bonnet, der nicht früher als sein Ruhm,
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Nicht früher als der Erdball sterben sollte,
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In seines Tempels lichtem Heiligthum
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Das grosse Buch der Wahrheit mir entrollte;

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Wo er mir zurief: Ueber Grab und Zeit
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Schwingt sich der Geist; sein dunkler Schleier modert!
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Beglückt! wem Glaube der Unsterblichkeit,
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Wie Vestas Feu'r, in reinem Herzen lodert;

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Wo Agathon, den Grazien vertraut,
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Der Musen Stolz, bewundert im Pallaste,
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Des Volkes Lust bis wo der Jura blaut,
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Wie seinen Gray, mit Liebe mich umfaßte;

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Wo einsam oft, auf einer Klippe Rand,
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Am Strom der brausend dir entgegenschäumte,
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Mein Geist, an Xenophons und Platons Hand,
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Sich des Illissus Mirthenhaine träumte;

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Wo meine Blicke, der Natur geweiht,
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An ihr, wie Bienen an der Blüthe, hiengen:
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O See! schwebt mein Gesang in jene Zeit
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Da menschenleere Wüsten dich umfiengen.

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Da wälzte, wo im Abendlichte dort,
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Geneva, deine Zinnen sich erheben,
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Der Rhodan seine Wogen trauernd fort,
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Von schauervoller Haine Nacht umgeben.

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Da hörte deine Paradiesesflur,
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Du stilles Thal, voll blühender Gehäge,
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Die grossen Harmonie'n der Wildniß nur,
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Orkan und Thiergeheul und Donnerschläge.

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Kein Lustgesang der Traubenleserin,
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Kein Erndtejubel, keines Hirten Flöte,
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Kein schmetternd Horn aus reicher Wälder Grün,
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Begrüßte da den Stern der Abendröthe.

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Kein Rundetanz im sanften Vollmondschein!
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Kein Freudenmahl vor Tells verehrtem Bilde!
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Kein Gang der Liebenden im Frühlingshain,
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An Veilchen reich wie Attikas Gefilde!

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Die Oede schwieg; wenn auf verwachsnem Pfad,
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Wo nur der Bär in Felsenklüften hauste,
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Nicht etwa noch des Sees gewohntem Bad
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Ein Uhr mit wilder Lust entgegenbrauste.

49
Als senkte sich sein zweifelhafter Schein
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Auf eines Weltballs ausgebrannte Trümmer,
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So goß der Mond auf diese Wüstenei'n,
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Voll trüber Nebeldämmrung, seine Schimmer.

53
Da hieß aus dieses Chaos alter Nacht,
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Der Herr, so weit des Lemans Fluthen wallten,
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Voll sanfter Anmuth, voll erhabner Pracht,
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Sich zauberisch dies Paradies entfalten.

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Dies stolzumthürmte Land, gleich Tempes Flur,
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Mit jedem Reitz der Schöpfung übergossen!
59
Dies Wunderwerk der göttlichen Natur,
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Von Schönheit, wie von Glanz die Sonn', umflossen!

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Wo er, um dessen heil'gen Aschenkrug
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Ein edles Weib den schönsten Kranz gewunden,
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Die Bahn zum unerreichten Adlerflug
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In Heloisens Zauberwelt gefunden.

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O Clarens! friedlich am Gestad' erhöht,
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Dein Name wird im Buch der Zeiten leben.
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O Meillerie! voll rauher Majestät,
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Dein Ruhm wird zu den Sternen sich erheben.

69
Zu deinen Felsen, die den Einsturz dräu'n,
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In deren Schlund, wo nie die Dämm'rung tagte,
71
Um Julien, mit Sapphos wilder Pein,
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Mit Orpheus Thränen der Verbannte klagte;

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Zu deinen Gipfeln, wo der Adler schwebt,
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Und aus Gewölk erzürnte Ströme fallen,
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Wird oft, von süssen Schauern tief durchbebt,
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An der Geliebten Arm, der Fremdling wallen.

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Und wär' ich auch, mit Hallers Wissenschaft,
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Von Grönlands Eis bis zu Taytis Wogen,
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Mit Geßners Blick, mit Ansons Heldenkraft,
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Mit Claude Lorrains Kunst die Erd' umflogen:

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Doch weiht' ich ewig, im Erinnrungstraum,
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Nur dir der Sehnsucht und des Dankes Thränen;
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Doch würd' ich mich in jedem Schöpfungsraum,
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O See! verbannt aus deinen Himmeln wähnen.

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Schön ists, von Aetnas Haupt des Meeres Plan,
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Voll grüner Eiland', und die Fabelauen
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Siziliens und Strombolis Volkan
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Beglänzt von Phöbus erstem Stral zu schauen:

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Doch schöner, wenn der Sommertag sich neigt,
90
Den Zaubersee, hoch von der Dole Rücken,
91
Wie Lunas Silberhörner sanft gebeugt,
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Umragt von Riesengipfeln, zu erblicken.

93
Süß ist's, am Wogensturz in Tiburs Hain,
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Wo Flakkus oft, entflohn den Schattenchören,
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Im Mondlicht wandelt, bey Albanerwein,
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Den Genius der Vorwelt zu beschwören:

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Doch süsser noch, in Prangins Götterwald,
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Wenn seine Laubgewölbe sich erneuern,
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Und weitumher der Vögel Mailied schallt,
100
Erhabner Freundschaft Bundestag zu feyern.

101
Entzückend ists, wenn donnernd himmelan
102
Des Feuerberges Wogen sich erheben,
103
Auf Napels Golf, bey Nacht, im leichten Kahn,
104
In magischer Beleuchtung hinzuschweben:

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Mit höh'rer Lust sieht auf des Lemans Fluth,
106
Wenn Thal und Hügel schon in Dämmrung sinken,
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Der hohen Eiswelt reine Purpurgluth
108
Mein Aug' aus dunkler Klarheit wiederblinken.

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Auf Hellas Höh'n erblickt der Wandrer nur,
110
Von Resten alter Herrlichkeit umgeben,
111
Der Tirannei tiefeingedrückte Spur,
112
So reizend auch sich Meer und Land verweben:

113
Hier segn' ich froh Helveziens Geschick,
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Hier wo die Flur des Fleisses Lohn verkündet,
115
Hier theilt mein Herz des freyen Volkes Glück,
116
Auf Menschenrecht und auf Vernunft gegründet.

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Am Strand der Seine tobt Gewittersturm;
118
Denn Gallien erwacht mit Löwengrimme!
119
Die Kette fällt; des Elends Riesenthurm,
120
O Freyheit, stürzt vor deiner Donnerstimme.

121
Am Leman weht des Friedens Palmenzweig!
122
In Stadt und Dorf erschallt das Lied der Freude;
123
Zufrieden, wähnt der ärmste Hirt sich reich,
124
Und Eintracht schützt der Freyheit Felsgebäude.

125
Der deutschen Ströme König bist du, Rhein!
126
Wie herrlich Mainz, umkränzt von Nektarhügeln,
127
Und Bacharach und Bingens Moosgestein
128
In deinem grünlichen Kristall sich spiegeln!

129
Bey Bonnets Tempel nur, auf Genthods Höh',
130
Muß deine Pracht der Alpenlandschaft weichen;
131
Hier scheint, im engern Bett', Genevas See
132
Dem mächt'gen Orellana selbst zu gleichen.

133
Ein Diadem, von Amors Hand gewebt,
134
Umstralt, seit ihrer dichterischen Wiese,
135
Mit Schwanenflug, Petrarkas Lied entschwebt,
136
Die ernste Stirn der Nymphe von Vauklüse:

137
Begeistrung wallt in deiner Dunkelheit,
138
Erwählter Lustort reingestimmter Seelen,
139
Divonnens Quell! dem zur Unsterblichkeit
140
Blandusias nur Flackus Hymnen fehlen.

141
An diesem Hain, vom Erlenbach durchtanzt,
142
Ein Gärtchen nur vor einer kleinen Hütte,
143
Mit schlanken Pappeln malerisch umpflanzt,
144
Ist alles was ich vom Geschick erbitte.

145
Hier würde mir die Weisheit Rosen streun,
146
Des Himmels Friede meinen Geist umfliessen,
147
Und einst, o goldnes Bild! im Abendschein,
148
Die Freundschaft mir die Augen weinend schliessen.

149
Hell würde sich des reinsten Glückes Spur
150
Mir dann entwölken, fern vom Weltgetümmel.
151
Wo Liebe, Freundschaft, Weisheit und Natur
152
In frommer Eintracht wohnen, ist der Himmel.

153
Auf jenem Vorland, von der Wog' umrauscht,
154
Wo die Betrachtung gern, auf grünen Matten,
155
Die leisen Tritte der Natur belauscht,
156
Erhübe sich mein Grab im Eichenschatten.

157
Kein Marmorbild, kein thatenreicher Stein,
158
Vor dem erröthend sich die Wahrheit wendet,
159
Entehrte des Entschlummerten Gebein,
160
Den eitler Grösse Schimmer nie geblendet.

161
Die Rose nur würd' über meinen Staub
162
Des zarten Mooses Wohlgeruch verhauchen,
163
Der Thränenweide niederhangend Laub
164
Mit leisem Flüstern in die Fluth sich tauchen;

165
Die Nachtigall, vom Lenzgesträuch umblüht,
166
Um ihren Freund dort in der Dämmrung klagen,
167
Und Daphne mir, von Zärtlichkeit durchglüht,
168
Das Opfer einer Thräne nicht versagen.

169
Auch würd' im Dorfe bald die Sage gehn,
170
Daß dort gedämpft, wie ferne Bienenchöre,
171
Sanft, wie am Blüthenbaum des Frühlings Wehn,
172
Der Hirt in stiller Mondnacht Lieder höre.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Matthisson
(17611831)

* 23.01.1761 in Hohendodeleben, † 12.03.1831 in Wörlitz

männlich

deutscher Lyriker und Prosaschriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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