Die Tugend. Dem Grabe Elisas geweiht

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Friedrich von Matthisson: Die Tugend. Dem Grabe Elisas geweiht (1796)

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Heil dir, Vollendete! du hast den Kranz errungen
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Den dir die Tugend wand; durch trübe Dämmerungen
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Drangst du mit Himmelskraft empor zum ewgen Licht,
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Dich schreckte selbst die Nacht am Scheidewege nicht;
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Ein Schimmer jenes Heils, das dort am Wonneziel
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Der guten Seelen stralt, erhob dich zum Gefühl
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Der Unvergänglichkeit.

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Und dies Gefühl vor dem das wüthende Getümmel
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Der Erdenstürme schweigt, das einen ganzen Himmel
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Stillheitrer, sanfter Ruh' in edle Seelen gießt,
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Ist der erhabne Lohn der aus der Tugend fließt!
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Wo diese Gottheit wohnt, blüht Engelseligkeit,
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Wallt spiegelrein und still der Strom der Lebenszeit
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Durch Paradiesesau'n!

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Es mag umschwärzt von Nacht und grausen Ungewittern,
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Vom Donnersturm umras't, des Erdballs Axe zittern,
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Der Elemente Kampf Tod und Vernichtung dräu'n,
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Und stolzer Flotten Macht wie dürres Laub verstreun:
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Wo diese Gottheit wohnt, erheitert sich die Luft,
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Die Fluren sind Gesang, und Kühlung weht und Duft
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Aus stiller Haine Grün!

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Es mag, am jähen Rand verlaßner, wilder Küsten
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Auf rauher Felsenbahn, in menschenleeren Wüsten
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Der müde Wandrer gehn; schon brach sein Pilgerstab,
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Schon dünkt die Schöpfung ihm ein immeroffnes Grab:
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Wo diese Gottheit wohnt, verschönt sich jeder Pfad,
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Wo ihres Lieblings Tritt voll Zuversicht sich naht,
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Zum Schattengang der Ruh'!

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Es mag des Todes Arm, im Vollgenuß der Freuden
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Erhabner Sympathie, den Freund vom Freunde scheiden,
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Der sanft und fest und treu, am Abgrund der Gefahr,
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Wie auf der Bahn des Glücks, ihm Alles, Alles war:
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Wo diese Gottheit wohnt, Verlaßner, da erhellt
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Der Zukunft Mitternacht ein Stern der bessern Welt
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Mit sanfter Hofnung Glanz!

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Es mag, wenn ringsumher die Rosen sich entfärben,
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Des Jünglings Scherze fliehn, des Mannes Freuden sterben,
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Der lezte süsse Ton der Liebe selbst verwehn
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Und jedes goldne Bild der Täuschung untergehn:
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Wo diese Gottheit wohnt, reicht die Erinnerung
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Dem Allvergeßnen noch den lezten Labetrunk
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Wenn schon sein Auge bricht!

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Kein Stundenschlag ertönt, kein Tropfen Zeit entfluthet,
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Wo nicht ein edles Herz um edle Herzen blutet,
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Kein Abendstern erscheint, kein Morgenroth beginnt,
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Wo nicht der Wehmuth Schmerz auf frühe Gräber rinnt:
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Wo diese Gottheit wohnt, hebt über Grab und Zeit
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Und Trennung das Gefühl der Unvergänglichkeit
49
Des Dulders Geist empor!

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Friedrich von Matthisson
(17611831)

* 23.01.1761 in Hohendodeleben, † 12.03.1831 in Wörlitz

männlich

deutscher Lyriker und Prosaschriftsteller

(Aus: Wikidata.org)

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