Fritze

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Wilhelm Busch: Fritze (1870)

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Fritze war ein Ladenjüngling,
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Dazu braver Eltern Sohn,
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Und er stand bei Kaufmann Kunze
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Schon ein Jahr in Konditschon.

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»fritze«, sagte einstens Kunze,
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»ich muß eben mal wohin;
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Mache keine dummen Streiche,
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Wenn ich nicht zugegen bin.«

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Hiermit geht er aus der Türe.
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Fritze hält das für ein Glück.
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Er ergreift die Kümmelflasche
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Und dann beugt er sich zurück.

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Sieh, da naht die alte Grete,
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Eine Jungfer ernst und still;
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Sie verlangt nach grüner Seife,
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Weil sie morgen waschen will.

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Auch erhub sie eine Klage,
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Daß sie's so im Leibe hat,
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Weshalb sie vor allen Dingen
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Erst um einen Kümmel bat.

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Fritze zeigt sich dienstbeflissen.
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Ihm ist recht konfus und wohl.
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Statt der großen Kümmelflasche
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Nimmt er die mit Vitriol.

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Jungfer Grete, voller Freuden,
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Greift begierig nach dem Glas;
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Fritz, der grünen Seife wegen,
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Beugt sich übers Seifenfaß.

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Weh, was muß man nun erblicken?
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Wo ist Fritzens Gleichgewicht?
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Was sind dies für Angstgebärden
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Hier auf Gretens Angesicht?

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Fritze strampelt mit den Beinen,
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Doch die Seife wird sein Grab;
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Greten nagt die scharfe Säure
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Ihre Mädchenseele ab.

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Kümmel zieret keinen Jüngling,
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Dazu ist er noch zu klein;
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Und ein braves altes Mädchen
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Muß nicht mehr so happig sein.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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