Der Zylinder

Bitte prüfe den Text zunächst selbst auf Auffälligkeiten und nutze erst dann die Funktionen!

Wähle rechts unter „Einstellungen“ aus, welcher Aspekt untersucht werden soll. Unter dem Text findest du eine Erklärung zu dem ausgewählten Aspekt. Nicht jede Anmerkung ist für die Analyse gehaltvoll.

Wilhelm Busch: Der Zylinder (1870)

1
Josephitag ist, wie du weißt,
2
Ein Fest für den, der Joseph heißt.
3
Drum bürstet, weil er fromm und gut,
4
Auch dieser Joseph seinen Hut
5
Und macht sich überhaupt recht schön,
6
Wie alle, die zur Metten gehn.

7
Hier geht er aus der Türe schon
8
Und denkt an seinen Schutzpatron. –

9
Heraußen weht nicht sehr gelind
10
Von Osten her ein kühler Wind,
11
So daß die beiden langen Spitzen,
12
Die hinten an dem Fracke sitzen,
13
Mit leichtem Schwunge sich erheben
14
Und brüderlich nach Westen streben. –

15
Jetzt kommt die Ecke. Immer schlimmer
16
Weht hier der Wind. – Ein Frauenzimmer,
17
Obschon von Wüchse schön und kräftig,
18
Ist sehr bewegt und flattert heftig,
19
So daß man wohl bemerken kann – – –

20
O Joseph, was geht dich das an?

21
Ja, siehst du wohl, das war nicht gut!
22
Jetzt nimmt der Wind dir deinen Hut! –
23
Schnell legt der Joseph sein Brevier
24
Auf einen Stein vor einer Tür,

25
Um so erleichtert ohne Weilen
26
Dem schönen Flüchtling nachzueilen. –

27
O weh, da trifft und faßt ihn grad,
28
Doch nur am Rand, ein Droschkenrad.

29
Jetzt eilt er wieder schnell und heiter
30
In schönen Kreisen emsig weiter,
31
Und Joseph eilet hinterdrein.
32
Hopsa! Da liegt ja wohl ein Stein.

33
Wutschi – der Joseph liegt im Saft.

34
Der Hut entfernt sich wirbelhaft. –

35
Dies sieht aus frohem Hintergrund
36
Ein alter Herr mit seinem Hund,
37
Und grade kommen auch daher
38
Die andern frommen Josepher
39
Und denken sich mit frohem Graus:
40
Wie schauderhaft sieht Joseph aus!

41
Und Josephs Hut, wo wäre der,
42
Wenn der Soldat allhier nicht wär
43
Und nicht mit seinem Bajonett
44
Ihn mutig aufgehalten hätt. –

45
Nun hat ihn doch der Joseph wieder. –
46
Stolz geht der Krieger auf und nieder. –
47
Der Joseph aber schaut geschwind,
48
Wo seine andern Sachen sind.

49
Gottlob, sie sind noch alle dort. –
50
Der Herr mit seinem Hund geht fort,

51
Und Joseph schreitet auch nach Haus. –
52
Er sieht nicht mehr so stattlich aus

53
Und muß nun leider dessentwegen
54
Privatim seiner Andacht pflegen.
55
Drum soll man nie bei Windeswehen
56
Auf weibliche Gestalten sehen.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

Dieser Text könnte aus folgender Literaturepoche stammen:

Einstellungen

    Text teilen & herunterladen

    PDF-Export

    Arbeitsblatt zur Interpretation herunterladen

  • Äußere Form

  • Sprachlich-inhaltliche Analyse

  • Voller Zugriff auf Textopus

    • Interaktive Analyse von über 65.000 Gedichten und über 700 Dramen

    • Zugriff auf mehr als 400 Rezitationen und hilfreiche Epochenübersichten

    • Mit Aufdeckfunktion zum Selbstlernen von Stilmitteln, Kadenzen, Metrum u. v. m.

    Textopus App

    Textopus-App

    € 4,99/Jahr
    In-App-Kauf
    Apple App StoreGoogle Play Store
    Klett Digitale Unterrichtsassistenten

    Für Lehrkräfte

    Kostenlos in ausgewählten Digitalen Unterrichtsassistenten der Deutsch-Lehrwerke des Ernst Klett Verlags
    Deutsch kompetent

Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

Textopus kann Fehler machen. Überprüfe die Informationen. Teils KI-gestützt. Siehe Hinweise zur möglichen Fehleranfälligkeit.