Die Kirmes

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Wilhelm Busch: Die Kirmes (1870)

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Fest schlief das gute Elternpaar
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Am Abend, als die Kirmes war.
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Der Vater hält nach seiner Art
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Des Hauses Schlüssel wohl verwahrt;
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Indem er denkt: Auf die Manier
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Bleibt mein Herminchen sicher hier! –

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Ach, lieber Gott, ja ja, so ist es!
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Nicht wahr, ihr guten Mädchen wißt es:
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Kaum hat man was, was einen freut,
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So macht der Alte Schwierigkeit!

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Hermine seufzt. – Dann denkt sie: Na!
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Es ist ja noch das Fenster da!

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Durch dieses eilt sie still behende,

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Hierauf hinab am Weingelände

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Und dann durchs Tor voll frohen Drangs
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Im Rosakleid mit drei Volangs. –

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Grad rüsten sich zum neuen Reigen
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Rumbumbaß, Tutehorn und Geigen.

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Tihumtata humtata humtatata!
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Zupptrudiritirallala rallalala!
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's ist doch ein himmlisches Vergnügen,
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Sein rundes Mädel herzukriegen
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Und rund herum und auf und nieder
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Im schönen Wechselspiel der Glieder

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Die ahnungsvolle Kunst zu üben,
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Die alle schätzen, welche lieben. –

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Hermine tanzt wie eine Sylphe.
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Ihr Tänzer ist der Forstgehülfe. –

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Auch dieses Paar ist flink und niedlich.
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Der Herr benimmt sich recht gemütlich.

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Hier sieht man zierliche Bewegung,
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Doch ohne tiefre Herzensregung.

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Hingegen diese, voll Empfindung,
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Erstreben herzliche Verbindung.

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Und da der Hans, der gute Junge,
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Hat seine Grete sanft im Schwunge;

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Und inniglich, in süßem Drange,
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Schmiegt sich die Wange an die Wange;

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Und dann mit fröhlichem Juchhe,
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Gar sehr geschickt, macht er Schasseh.

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Der blöde Konrad steht von fern
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Und hat die Sache doch recht gern.

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Der Konrad schaut genau hinüber.
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Die Sache wird ihm immer lieber.

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Der Konrad leert sein fünftes Glas,
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Die Schüchternheit verringert das.

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Flugs engagiert er die bewußte
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Von ihm so hochverehrte Guste.

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Die Seele schwillt, der Mut wird groß,
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Heidi! da saust der Konrad los.

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Zu große Hast macht ungeschickt. –
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Hans kommt mit Konrad in Konflikt.

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Und – hulterpulter rumbumbum! –
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Stößt man die Musikanten um.

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Am meisten litt das Tongeräte. –
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Und damit ist die schöne Fete
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Zu jedermanns Bedauern aus. –

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Hermine eilt zum Elternhaus
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Und denkt, wie sie herabgeklommen,
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Auch wieder so hinaufzukommen.

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O weh! Da bricht ein Stab der Reben.
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Nun fängt Hermine an zu schweben.

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Die Luft weht kühl. Der Morgen naht. –
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Die gute Mutter, welche grad,

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Das Waschgeschirr in allen Ehren
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Gewohntermaßen auszuleeren,

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Das Fenster öffnet, sieht mit Beben
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Herminen an der Stange schweben.

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Und auch die Jugend, die sich sammelt,
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Ist froh, daß da wer bimmelbammelt.

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Doch sieh, da zeigt der Vater sich
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Und schneidet weg, was hinderlich.

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Und mit gedämpftem Schmerzenshauch
74
Senkt sie sich in den Rosenstrauch.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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