Drittens

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Wilhelm Busch: Drittens (1870)

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Ein hoffnungsvoller junger Mann
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Gewöhnt sich leicht das Malen an! –

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Auch Bruder Antonio, welcher nun,
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Von seinen Sünden auszuruhn,
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Zu Padua im Kloster lebt
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Und geistlicher Bildung sich bestrebt,
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Hat es gar bald herausgebracht,
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Wie man die schönen Bilder macht,
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Und malt auf Gold, schön rot und blau,
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Das Bildnis unsrer lieben Frau.
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Umflattert von der Englein Chor
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Tritt sie hervor aus des Himmels Tor.

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Den blauen Mantel faßt die Linke,
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Die Rechte sieht man sanft erhoben,
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Halb drohend, halb zum Gnadenwinke,
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So kommt die Königin von oben.

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Doch ihr zu Füßen windet sich
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Der Teufel schwarz und fürchterlich.
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Dem Teufel war's nicht einerlei,
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Daß er so gar abscheulich sei.
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Er fängt alsbald das Grübeln an,
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Wie er den Bruder kränken kann.

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Ein Kloster lag nicht weit von hinnen,
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Besetzt mit Karmeliterinnen,
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Und war als Kustorin allda
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Die keusche Jungfrau Laurentia. –
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Bescheiden, still und glaubensfroh,
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Hat sie der gute Antonio,
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Den alles Gute stets ergetzt,
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Schon längst von Herzen hochgeschätzt.
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Natürlich im allgemeinen und überhaupt,
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Wie's unsere heilige Kirche erlaubt.

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Einst als er so in stiller Nacht,
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Von Träumen umgaukelt, halb schläft, halb wacht,
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Tritt bei des Mondes Dämmerhelle
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Schwester Laurentia in seine Zelle

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Und beugt sich nieder und seufzt und spricht:
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»antonio, Lieber, kennst du mich nicht?
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Ich bin entflohn aus des Klosters Zwang,
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Könnt' nicht widerstehn meines Herzens Drang,
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Bin aus Liebe zu dir und großem Verlangen
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Mit dem Silbergerät davongegangen.
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Auf auf, Antonio! tue desgleichen
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Und laß uns in fremde Lande entweichen!«

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Dem Bruder tät die Sache scheinen,
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Nimmt die heiligen Gefäße aus den Schreinen,
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Packt's in die Kutten emsiglich
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Und läßt das Kloster hinter sich. –

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Aber da draußen im freien Feld
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Ward ihm die Lieb und Lust vergällt.
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Statt der guten Jungfrau Laurentia
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War plötzlich der leidige Satan da.

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»heihei!« – lacht der Teufel – »so ist's der Brauch!
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Du maltest den Teufel, nun zahlt er auch!«

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Flugs flog er auf und dem Kloster zu
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Und rüttelt die Paters aus ihrer Ruh.

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Bruder Antonio wär' schier verzagt,
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Ringt seine Hände, weint und klagt,
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Vermeinend, daß aus dieser Beschwer
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Nirgends ein Ausgang zu finden wär'.

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Doch sieh! Aus dunklem Wolkenflor
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Tritt unsre liebe Frau hervor.

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»sei getrost, Antonio, ich bin voller Gnaden.
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Der böse Feind soll dir nicht schaden.
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Mein Bildnis in des Klosters Hallen
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Sah ich mit gnädigem Wohlgefallen!«
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Sprach's und winkte mit der Hand,
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Schwebte nach oben und verschwand.
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Alsbald so kommt der ganze Haufen
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Der Klosterbrüder herzugelaufen
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Und führen mit vielem Heh! und Hoh!
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Zum Kerker den guten Antonio.

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Doch in der Früh, als das Glöcklein läutet
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Und jeder hinab zur Metten schreitet –
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O Wunder! – da sitzt schon emsig und frei
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Bruder Antonio vor seiner Staff'lei!

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Im Gefängnis aber, in einer Ecken,
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Hockt der Teufel mit Knurren und Zähneblecken.
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Der Prior tunkt ein den langen Wedel
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Und besprengt ihm den harten Teufelsschädel,

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Und plärrend und mit Ach! und Krach!
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Fährt er ab mitsamt dem Fensterfach.

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Recht nützlich ist die Malerei,
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Wenn etwas Heiligkeit dabei.

(Haider, Thomas. A Large Annotated Reference Corpus of New High German Poetry. In: Proceedings of the 2024 Joint International Conference on Computational Linguistics, Language Resources and Evaluation (LREC-COLING 2024), S. 677–683, Torino, Italia. ELRA and ICCL. 2024. Ursprünglich aus: Deutsches Textarchiv, CC BY-SA 4.0.)

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Wilhelm Busch
(18321908)

* 15.04.1832 in Wiedensahl, † 09.01.1908 in Mechtshausen

männlich, geb. Busch

deutscher Verfasser von satirischen in Verse gefassten Bildergeschichten (1832-1908)

(Aus: Wikidata.org)

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